e-Skeptiker - Newsletter für Wissenschaft
und kritisches Denken
herausgegeben
vom "Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken" der "Gesellschaft
zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V." (GWUP)
Elisabeth Teissier, Astrologin und ehemalige Beraterin des verstorbenen
französischen Staatspräsidenten François Mitterand, hat
an der Sorbonne einen Doktortitel im Fach Soziologie erworben. Die 63-jährige
legte nach zehn Jahren Bearbeitungszeit eine 800 Seiten starke Schrift vor
zur "erkenntnistheoretischen Situation der Astrologie angesichts der Ambivalenz
von Faszination und Zurückweisung in den postmodernen Gesellschaften".
Die Gutachter bewerteten die Arbeit trotz einiger formaler, inhaltlicher
und Rechtschreibfehler mit "sehr beachtenswert". Kritiker wie der Astrophysiker
Jean-Claude Pecker bemängeln, dass die Verleihung der Doktorwürde
aus politischen Gründen erfolgt sei und dass die Astrologin ihren Titel
dazu benutzen wolle, der Astrologie einen wissenschaftlichen Anschein zu geben.
Es ist bekannt, dass Teissier sich seit Jahren für die Einrichtung eines
Lehrstuhls für Astrologie an der berühmten Pariser Universität
bemüht.
Quellen:
Berliner Morgenpost Online (9.4.2001): http://www.morgenpost.de/archiv2001/010409/aus_aller_welt/story410863.html
Spiegel Online (11.4.2001): http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,127818,00.htm
Berlin Online (14.4.2001): http://www.berlinonline.de/wissen/berliner_zeitung/archiv/2001/0414/vermischtes/0104/index.html
Webseite von Elisabeth Teissier: http://www.club-internet.fr/teissier/
Indischer Seiltrick geklärt
Der so genannte "Indische Seiltrick" gehört zu den bekanntesten
Illusionen überhaupt: Ein Magier wirft ein Seil in die Luft, woraufhin
dieses in der Luft stehen bleibt. Ein Junge klettert an dem Seil hoch, der
Magier folgt ihm mit einem Messer und wenig später fallen Teile des Jungenkörpers
herunter. Diese werden von dem Magier im Handumdrehen wieder zusammengesetzt
und der Junge ist wohlauf. Zur Erklärung dieses Tricks wurden in den
vergangenen Jahrzehnten verschiedene - unbefriedigende - Theorien, wie z.B.
eine Massenhypnose, bemüht. Peter Lamont zufolge handelt es sich bei
dem indischen Seiltrick um eine Legende. Der Psychologe und ehemalige Präsident
des "Magischen Zirkels" in Edinburgh suchte fünf Jahre lang nach dem
Ursprung und einer Erklärung der Illusion und fand - eine amerikanische
Zeitung, die ihre Auflagen erhöhen wollte. Die "Chicago Tribune" veröffentlichte
1890 einen erfundenen Bericht zum indischen Seiltrick. Als sie die Fälschung
vier Monate später zugab, war es schon zu spät: Der berühmte
"Indische Seiltrick" war geboren. Bereits vor fünf Jahren hatten Lamont
und sein Kollege Richard Wiseman festgestellt, dass die Beschreibungen des
Tricks um so spektakulärer wurden, je mehr Zeit seit der ursprünglichen
Beobachtung vergangen war.
Quellen:
Sydney Morning Herald, 17.4.2001: http://www.smh.com.au/news/0104/17/features/features2.html
"Fortean Times": http://www.blather.net/archives/uncon97/97rope.htm
Wiseman R; Lamont P (1996) Unraveling the Indian rope-trick. Nature 383:
212-213.
> Webtipps
Die Mai-Ausgabe des GEO-Magazins widmet
sich unter anderem dem Thema "Macht und Mythos der Sterne". Zu diesem Thema
finde Sie nicht nur in der gedruckten Ausgabe, sondern auch auf den Webseiten
von GEO einen Beitrag: http://www.geo.de/themen/kultur_politik/astrologie/index.html
Die Webseite http://www.shroud.com ist
eine - wenn auch nicht unbedingt skeptische - Fundgrube für alle, die
sich mit dem Turiner Grabtuch beschäftigen. Unter anderem können
dort Detailaufnahmen des angeblichen Grabtuches Jesu betrachtet werden.
Daneben gibt es jede Menge Literaturhinweise, aktuelle Meldungen und einen
Online-Shop.
Quackwatch (http://www.quackwatch.com)
ist eine umfangreiche Webseite zu fragwürdigen medizinischen Verfahren.
Sie finden dort allgemeine Betrachtungen zu unseriösen medizinischen
Methoden ebenso wie Analysen fragwürdiger Werbungen sowie Artikel zu
bestimmten zweifelhaften Produkten, Dienstleistungen und Theorien. Viele
Beiträge der Seite sind ins Deutsche übersetzt worden; Sie finden
sie unter http://www.neuropsychiater.org/quackw.htm
Wer das Bluffen bereits mit der Astrologie geübt hat, kann sich nun
auch am Okkultismus versuchen. Das Buch verspricht dieses Mal: "Als bluffender
Okkultist verfügen Sie über so geheimes Wissen, dass es anderen
schwer fallen wird, Sie nicht ernst zu nehmen. Die Kabbala, die Ägypter,
Druiden, Tempelritter - die Quellen Ihres Wissens sind 'hermetisch' und die
okkulte Praxis atemberaubend".
So genannte alternativ- oder komplementärmedizinische Verfahren erfreuen
sich großer Beliebtheit; demzufolge besteht bei Patienten und den Angehörigen
der Heilberufe ein großer Informationsbedarf zu diesem umfassenden Gebiet.
Die Herausgeber haben Informationen zu den beliebtesten alternativmedizinischen
Methoden zusammengestellt; behandelt werden unter anderem Homöopathie,
anthroposophische Heilkunst, Ayurveda- Medizin, Phytopharmaka, Aromatherapie
sowie die Traditionelle Chinesische Medizin.
> Veranstaltungshinweise
Steht das Schicksal in den Sternen?
Das "Forum der Technik" in München präsentiert zum ersten Mal eine
Planetariumsshow zum Thema Astrologie. In der 60-minütigen Vorführung
mit dem Titel "Steht das Schicksal in den Sternen? Astrologie und Wissenschaft"
werden den Zuschauern multimedial (Ganzkuppelprojektionen, Computeranimationen,
Musik) Geschichte und einige der grundlegenden Aussagen der Astrologie nähergebracht.
Auch das gespannte Verhältnis zwischen Astrologie und Astronomie wird
thematisiert sowie die kritischen Fragen, die die Wissenschaften an die Astrologie
stellen. Weitere Informationen zu dieser Show erhalten Sie im Internet unter
http://www.fdt.de/planetarium/schicksal/index.phtml
oder bei Mariette Temme (temme@fdt.de).
Alternative Heilverfahren
Dr. Krista Federspiel: "Alternative Heilverfahren - aus kritisch- wissenschaftlicher
Sicht betrachtet. Charakteristika, Trends, Kosten und Gefahren." Eine Veranstaltung
der "Regensburger Skeptiker". 23.5.2001, 19.00h, Auditorium im Thon-Dittmer-Palais,
Haidplatz 8. Weitere Informationen bei Karl Bierl (regensburg@gwup.org oder Tel. 0941-37667).
GWUP-Konferenz 2001 (24.-26.5.2001)
Die diesjährige GWUP-Konferenz in der Rehberghalle in Roßdorf
bei Darmstadt bietet in diesem Jahr: Vorträge zum Schwerpunktthema "Parageschichte(n)
- Geschichtsirrtümer, Geschichtsfälschungen, Geschichtsleugungen"
sowie zu präkognitiven Erfahrungen und Aspekten des Aura-Sehens. Darüber
hinaus wird Hans-Christian Kossak eine ausführliche Einführung in
die Hypnose geben, und Hans-Peter Beck- Bornholdt wird zeigen, wie das "Erkennen
von Fehlinformationen durch Querdenken" möglich ist. Weitere Informationen
und ein Anmeldeformular finden Sie unter http://www.gwup.org/ueberuns/konferenzen/2001/index.html