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e-Skeptiker - Newsletter für Wissenschaft und kritisches Denken

herausgegeben vom "Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken" der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V." (GWUP)


Sonderausgabe (8.10.2001)

IgNoble-Preise 2001 verliehen

> Kurz berichtet

Die Ignobles
Am 04.10.2001 wurden in Harvard die diesjährigen IgNobel-Preise vergeben. Obwohl sich das Umfeld der Preisverleihung nicht von anderen Preisen unterscheidet, handelt es sich doch um einen ungewöhnlichen Preis, der immer wieder Anlass gibt, über Sinn und Unsinn wissenschaftlicher Arbeit nachzudenken. "Geehrt" werden wissenschaftliche Arbeiten, die nicht reproduziert werden konnten oder sollten  - daher auch die Namensgebung (ignoble = unwürdig) in Anlehnung an die echten Nobelpreise. Das Besondere: Ein Großteil der derart "geehrten" Arbeiten wurde in angesehenen Fachzeitschriften veröffentlicht. Die Reaktion der Autoren sind zweigeteilt: Einige kommen sogar auf eigene Kosten angereist, um den Preis entgegenzunehmen; andere hingegen fühlen sich zu Unrecht mit diesem Preis bedacht.

Immerhin sieben der zehn Preisträger nahmen in diesem Jahr ihren Preis persönlich entgegen, zwei weitere schickten Aufzeichnungen ihrer Dankesrede und nahmen im Sanders-Theater der Harvard Universität an einer skurrilen Show teil; sie bot unter anderem eine echte Trauung (in 60 Sekunden!) innerhalb einer echten Minioper ("Der Hochzeitskomplex"), den traditionellen "Gewinn-eine-Verabredung-mit-einem-Nobelpreisträger"-Wettbewerb sowie die 24/7-Seminare, in denen die Sprecher in 24 Sekunden bzw. 7 Worten Themen wie "Wissenschaft", "Kunst", "Computer" und "Sex" zu erklären haben. 

Herausragende Preisträger dieses Jahres:

  • Ökonomie:

  • Joel Slemrod (Business School der Universität von Michigan) und Wojciech Kopczuk (Universität von British Columbia), für ihre Schlussfolgerung, dass Menschen eine Möglichkeit finden, ihren Tod hinauszuzögern - wenn das zu einer niedrigeren Erbschaftssteuer führt:
    Kopczuk, W.; Slemrod, J.: Dying to Save Taxes: Evidence from Estate Tax Returns on the Death Elasticity," National Bureau of Economic Research Working Paper No. W8158, March 2001.
    Eine (englische) Zusammenfassung finden Sie hier.
     
  • Astrophysik:

  • Dr. Jack and Rexella Van Impe (Rochester Hills, Michigan) für ihre Entdeckung, dass schwarze Löcher alle technischen Voraussetzungen dafür erfüllen, die Hölle zu sein.
  • Frieden:

  • Viliumas Malinauskas (Grutas, Litauen) für den Bau des "Sowjetischen Skulpturengarten in Grutas Park" - einer Mischung aus Vergnügungsparks und Freiluftmuseum, das die Einwohner von Grutas "Stalins Welt" nennen.
     
  • Technik:

  • Der Preis geht zu gleichen Anteilen an John Keogh (Hawthorn/Victoria, Australien) und das australische Patentamt für die Beantragung bzw. Gewährung eines Patentes auf eine "kreisförmige Vorrichtung zur Transporterleichterung" - das Rad! Sehen Sie sich das Patent (Patent AU 2001100012) selbst an unter http://www.ipmenu.com/archive/AUI_2001100012.pdf. Und dabei steht auf den Seiten des Autralischen Patenamtes noch: "Erfinden Sie nicht das Rad neu"...
     
  • Öffentliches Gesundheitswesen:

  • Chittaranjan Andrade und B.S. Srihari (National Institute of Mental Health and Neurosciences, Bangalore, Indien) für ihre Entdeckung, dass das Nasebohren eine normale Beschäftigung erwachsener Menschen ist: Andrade, C.; Srihari, B.S.: A preliminary survey of rhinotillexomania in an adolescent sample. Journal of Clinical Psychiatry, Juni 2001, Bd.62, Nr. 6, S. 426-431. Eine (englische) Zusammenfassung des Artikels finden Sie hier


Preisträger vergangener Jahre:

  • Ellen Greve alias "Jasmuheen" (Literatur 2000) für ihr Buch "Living on Light", das erläutert, dass obwohl einige Menschen Nahrung zu sich nehmen, sie dies gar nicht tun müssen,
  • Charl Fourie und Michelle Wong (Frieden 1999) für die Erfindung einer Auto-Alarmanlage mit eingebautem Flammenwerfer, 
  • Doron Witztum, Eliyahu Rips, Yoav Rosenberg und Michael Drosnin (Literatur 1997) für ihre Entdeckung verborgener Botschaften in der Bibel ("Bibel Code"),

  •  

     sowie als bislang einziger doppelt ausgezeichnet:
     

  • J. Benveniste (Chemie 1998 und 1991) für seine Entdeckung des "Wassergedächtnisses" und der Tatsache, das die derart gespeicherten Informationen über das Internet verschickt werden können.
Marc Abrahams gibt mit einer Gruppe Gleichgesinnter sechsmal jährlich die Zeitschrift "Annals of Improbable Research" (AIR) und den dazugehörigen elektronischen Newsletter "mini-AIR" heraus; ihre Zeitschrift ist gewissermaßen eine Fachzeitschrift für Humor und alle Aspekte der Wissenschaft. Im Gegensatz zu den "IgNoble"-gekrönten Arbeiten ist der Humor der AIR-Artikel gewollt - sie nehmen den Wissenschaftsbetrieb gekonnt auf die Schippe. 

Webtipps zu den IgNobles

Lesetipp: Der Einfluß von Erdnußbutter auf die Erdrotation

Abrahams, Marc: Der Einfluß von Erdnußbutter auf die Erdrotation. Forschungen, die die Welt nicht braucht. Basel: Birkhäuser Verlag 1999, Taschenbuch, 161 S., ISBN 3-7643-5941-2, DM 44,00 (EUR 22,50)
Eine Sammlung von Beiträgen aus den "Annals of Improbable Research", dazu mehr zur Geschichte der Zeitschrift, nicht ganz ernste Interviews mit Nobelpreisträgern, den IgNobles und den Reaktionen der wissenschaftlichen Öffentlichkeit. 


Impressum: Herausgeber und Redaktionsanschrift: Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken, GWUP e.V., Arheilger Weg 11, 64380 Roßdorf. E-mail an die Redaktion: e-skeptiker@gwup.org Redaktion: Jochen Bergmann, Dr. Martin Mahner (V.i.S.d.P.)

© 2001 GWUP. Die Weiterverbreitung dieses Newsletters zu nicht-kommerziellen Zwecken (bitte mit Quellenangabe und/oder diesem Impressum) ist erwünscht. Infos zum (Ab-)Bestellen des e-Skeptiker: http://www.gwup.org/mailinglisten/index.html. Archiv: http://www.gwup.org/e-skeptiker/archiv.html. Für Inhalte auf anderen Servern als www.gwup.org wird keine Haftung übernommen. Unter http://www.gwup.org erfahren Sie mehr über die Ziele der GWUP sowie die von ihr herausgegebene Zeitschrift "Skeptiker".


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