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e-Skeptiker - Newsletter für Wissenschaft und kritisches Denken
herausgegeben vom "Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken" der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V." (GWUP)

Nr. 6/2003 (27.10.2003)

Die "Brights" starten durch


In den USA hat sich eine neue Bewegung formiert, die sich über das Internet als internationale Vereinigung konstituieren möchte: die "Brights". Gemeint sind damit Personen, die ein naturalistisches Weltbild vertreten und dieses auch weiterverbreiten möchten, frei von übernatürlichen oder mystischen Elementen. Initiiert wurde das Ganze von renommierten Autoren und Wissenschaftlern wie Richard Dawkins, Autor der Bestseller "Das egoistische Gen" oder "Der blinde Uhrmacher", und Michael Shermer, Herausgeber der US-Zeitschrift SKEPTIC und Kolumnist bei Scientific American, aber auch dem Trickzauberer und Okkultaufklärer James Randi, der als Zauberkünstler schon so manches als übersinnlich behauptete Phänomen demontiert hat. Weitere "Brights" sind Nobelpreisträger wie Sheldon Lee Glashow oder Richard Roberts. All diese Persönlichkeiten sehen die naturwissenschaftliche Weltsicht in den meisten Gesellschaften nur ungenügend vertreten. Daher halten sie es für notwendig, dass gerade Menschen mit einem gewissen sozialen Prestige Einfluss auf die Gemeinschaft nehmen und gegen Aberglauben und Unwissenschaftlichkeit vorgehen. Dabei wünschen sie sich mehr Verständnis der Menschen für naturwissenschaftliche Zusammenhänge und versuchen, in der Öffentlichkeit damit Beachtung zu finden, um in dieser Hinsicht aufzuklären und zur Teilnahme aufzufordern (eine ausführliche Selbstdarstellung finden Sie unter http://www.the-brights.net).

Die "Brights" sehen sich als Vereinigung von Atheisten, Agnostikern, Freidenkern, Humanisten und Rationalisten oder anderen weltlich eingestellten Organisationen, kurz als Sprachrohr der Nichtreligiösen. Letzteres wohl als Reaktion auf die immer stärker religiös geprägte amerikanische Politik und Kultur, die teilweise in Bigotterie auszuarten scheint. Dabei betont der Philosoph Daniel Dennett in einem in der "New York Times" geschickt platzierten Artikel, dass Brights keine aggressive Atheistenrolle spielen wollen. Auch wollten sie niemand in religiöse Debatten verwickeln - er verweist nur darauf, dass es sicher mehr als die bislang geschätzten 27 Millionen nichtreligiösen Amerikaner gebe, viele jedoch aus gesellschaftlichen Gründen religiöse Bräuche einhielten - zum Selbstschutz und gegen ihre Überzeugung. Um dieser Angst vorzubeugen, nehmen sich die "aufgeweckten oder hellen Köpfe", wie man den Begriff "Bright" salopp übersetzen könnte, die amerikanische Schwulenbewegung zum Vorbild. Diese trat seit Ende der 1960er Jahre mit dem ursprünglich als Schimpfwort verwendeten Namen "gay" an die Öffentlichkeit, erzeugte mit lautem, buntem Auftreten Aufmerksamkeit und schaffte es so, sich als fester Bestandteil der Gesellschaft zu etablieren.

Sollte sich der Begriff der "Brights" in den USA und außerhalb als Kraft neben den bereits bekannten politischen und religiösen Strömungen, in denen sich Menschen wie Randi, Dawkins und Dennett nicht repräsentiert sehen, etablieren können, wäre das für diejenigen ein Erfolg, die sich bislang nicht trauten, offen zu ihren naturalistischen Überzeugungen zu stehen. Auf die Frage nach einem Leben nach dem Tod soll es zukünftig völlig normal sein zu antworten: "Ich halte nicht viel davon, ich bin ein Bright". Betont werden sollte, dass Brights selbstverständlich Respekt vor Menschen und Kulturen haben, in denen mystische Elemente eine Rolle spielen und nicht der Meinung sind, dass ausschließlich naturwissenschaftliche Erkenntnis wahr ist. Sie möchten aber ein Zeichen dafür setzen, dass es nicht nur religiös-mystische Weltbilder gibt und die Annahme von übernatürlichen Kräften oder mystischen Elementen nicht zwingend notwendig ist.

Weitere Meinungen zu den "Brights":


Die ursprüngliche Version dieser Meldung wurde erstmals am 11.10.2003 auf den Seiten der GWUP veröffentlicht:
http://gwup.org/aktuell/news.php?aktion=detail&id=151. Weitere aktuelle Meldung immer direkt auf der Startseite der GWUP.


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