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e-Skeptiker - Newsletter für
Wissenschaft und kritisches Denken
herausgegeben
vom "Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken"
der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften
e.V." (GWUP)
Nr. 12/2003 (12.12.2003)500 Jahre Nostradamus
Kaum ein Dichter wurde in den vergangenen Jahren öfter
bemüht, wenn es um (befürchtete) Katastrophen ging. Ob die Sonnenfinsternis
1999, das Jahr 2000 oder die Terroranschläge vom 11. September 2001
- die Verse von Michel de Notredame ("Nostradamus", 1503-1566) werden gerne
zum Beweis dafür angeführt, dass es prophetisch begabte Menschen
gibt. Und es ist auch oft einleuchtend, wenn die Deuter der vermeintlichen
Prophezeiungen erklären, warum genau dieser oder jener Quatrain
(Vierzeiler) den Aufstieg Adolf Hitlers oder den Tod von Heinrich II. vorausgesagt
hat. Diejenigen, die die Verse im Original lesen, finden es weit schwieriger,
sich einen Reim auf die meisten Vierzeiler zu machen. Die Autoren, die von
den prophetischen Künsten von Nostradamus überzeugt sind, finden
immer überraschendere Übereinstimmungen zwischen Voraussagen (genauer:
ihrer Interpretation des Vierzeilers) und Ereignissen, die bereits stattgefunden
haben; auf eine konkrete oder zutreffende Interpretation zukünftiger
Ereignisse hingegen müssen die Leser weiterhin warten.
Nostradamus hat mit seinen Centurien (die Quatrains sind in Gruppen zu jeweils hundert zusammengefasst) ein Paradebeispiel für Texte geschaffen, die zu Spekulationen geradezu einladen: Düster und kryptisch, gespickt mit Vokabeln fremder Sprachen, Wortspielen und -neuschöpfungen, symbolischen Ausdrücken und sehr speziellen Hinweisen auf Gegebenheiten in seiner Heimat in der Provence lassen sie sich praktisch beliebig auslegen und auf viele Ereignisse der Weltgeschichte beziehen. Neues zu Nostradamus und seinen "Prophezeiungen" gibt es daher in den zahlreichen Neuerscheinungen in diesem Jahr eigentlich nicht. Das einzig neue sind die Interpretationen, denn regelmäßig treten Autoren mit der Behauptung auf, nun endlich den Schlüssel zu den Prophezeiungen des französischen Arztes gefunden zu haben. Eine Ausnahme in den Dutzenden von Titeln, die allein in Deutschland erhältlich sind, ist - neben dem Werk des GWUP-Nostradamus-Experten Bernd Harder - das neue Buch von Elmar Gruber: "Nostradamus - Sein Leben, sein Werk und die wahre Bedeutung seiner Prophezeiungen". Gerade dieses Buch, für das der sonst eher durch parawissenschaftlich ausgerichtete Publikationen bekannte Autor bislang unbekanntes Material ausgewertet hat, wird den Nostradamus-Anhängern aber wenig gefallen, denn es zeichnet ein historisch-kritisches und damit recht nüchternes Bild von den vermeintlichen Wahrsagekünsten des Vaters aller Propheten.Die GWUP geht aus Anlass des 500. Geburtstages von Nostradamus auf einige der "Top Ten" der kryptischen Vierzeiler ein und lädt Interessierte ein, sich der eigenwilligen Prosa ohne mystisches Geraune und kuriose Interpretationen zu nähern. Aktuell auf den Webseiten der GWUP:
Außerdem am 13. Dezember 2003 im Fernsehen: Dr. Elmar Gruber zu Gast bei "Menschen der Woche" (22:20-23:20 Uhr, SWR). Impressum: Herausgeber und Redaktionsanschrift: Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken, GWUP e.V., Arheilger Weg 11, 64380 Roßdorf. E-mail an die Redaktion bitte über unser Kontaktformular. Redaktion: Jochen Bergmann, Dr. Martin Mahner (V.i.S.d.P.). Alle
Texte - soweit nicht andes gekennzeichnet - © 2003 GWUP. Die
Weiterverbreitung dieses Newsletters zu nicht-kommerziellen
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