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e-Skeptiker - Newsletter für Wissenschaft und kritisches Denken
herausgegeben vom "Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken" der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V." (GWUP)

Nr. 5/2004 (06.04.2004)

Vitamin-Papst verliert vor Gericht

Matthias Rath darf Kritiker nicht mehr als "Handlanger des Pharmakartells" beschimpfen

Der umstrittene Mediziner Matthias Rath ist wieder in den Schlagzeilen. Der Arzt und seine "Dr. Rath Gesundheitsstiftung" empfehlen hochdosierte Vitaminpräparate zur Behandlung einer Vielzahl von Krankheiten. Die Präparate, die er selbst vertreibt, sollten beispielsweise im letzten Jahr gegen die Lungenkrankheit SARS helfen. Ferner unterstellt er der Weltgesundheitsorganisation WHO, absichtlich Informationen über sinnvolle Alternativtherapien zu unterdrücken und damit die Geschäfte der Pharmaindustrie zu schützen. Seine Behandlungsmethoden werden von vielen Medizinern jedoch heftig kritisiert.
Rath reagiert auf eigenwillige Weise. So hatte er den Münsteraner Professor Heribert Jürgens, Dekan der Fakultät und Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder-Hämatologie und Krebsheilkunde, als "Handlanger des Pharmakartells" bezeichnet, weil dieser sich kritisch zu Raths Methoden geäußert hatte. Werbung für Vortragsreisen hatte Rath wie Steckbriefe gestalten lassen, auf denen er Jürgens angegriffen hatte. Gleichzeitig hatte er lt. "Ärzteblatt" vom 13.02.2004 Strafanzeige gegen den Professor erstattet, wegen versuchten Totschlags und Körperverletzung. Jürgens hatte u.a. davor gewarnt, einem  krebskranken Jungen die konventionellen Behandlungsmethoden zu  verweigern und ihn durch eine von Rath propagierte "Zellular-Therapie" zu behandeln. Um das Leben des Jungen nicht zu gefährden, ließ er den Eltern das Sorgerecht entziehen. Ferner zeigte er Rath an - wegen Verdachts der falschen Verdächtigung und der qualifizierenden  Verleumdung.
Das Landgericht Münster bestätigte nun eine Verfügung des Amtsgerichts, wonach der streitbare Vitaminverfechter seinen Kontrahenten Prof. Jürgens nicht mehr als Handlanger der Pharmakartells bezeichnen darf. Aus gutem Grund: So kommt die "Krebsliga Schweiz" in einer Analyse vom letzten Jahr zu dem Schluss, dass keinen Beweis dafür gebe, dass die von Matthias Rath verkauften, teilweise hoch dosierten und teuren Präparate der Krebsvorbeugung dienten, geschweige eine Heilung bei Krebs bewirkten. Auch die Österreichische Krebshilfe warnt vor dessen Methoden. Deren Vorstandsmitglied Prof. Dr. Michael Micksche betont, Raths angeblich bahnbrechende Forschungsergebnisse bezögen sich lediglich auf Untersuchungen mit Krebszellen im Labor und gäben keinen gültigen Hinweis, eine Methode direkt auf den Patienten oder Gesunden zu übertragen. Die Erkrankung des Jungen in den Vordergrund seiner Geschäftskampagne zu stellen, hält er für unverzeihlich. Auch der österreichische "Verein für Konsumenteninformation" warnt ausdrücklich vor den irreführenden Werbeversprechen des lt. Eigenwerbung "weltbekannten Wissenschaftlers".
Weder die wissenschaftliche noch die juristische Auseinandersetzung um  die Mega-Vitamin-Therapie sind damit zuende: Rath war im Februar 2004 in vielen europäischen Städten auf Vortragstour. Außerdem hat er angekündigt, gegen Professor Jürgens weiter gerichtlich vorzugehen - nun in höheren Instanzen. Er werde "diese Anzeige auf alle Personen ausdehnen, die sich entgegen aller wissenschaftlichen und  medizinischen Erkenntnisse jetzt noch an die Seite von Jürgens stellen." Und den kranken Dominik benutzt er weiterhin für seine Werbung.

Quellen:
Diese Meldung der GWUP wurde erstmals am 29.3.2004 auf den Seiten der GWUP veröffentlicht. Weitere aktuelle Meldungen immer direkt auf der Startseite der GWUP unter http://www.gwup.org.

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