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e-Skeptiker - Newsletter für Wissenschaft und kritisches Denken
herausgegeben vom "Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken" der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V." (GWUP)

Nr. 9/2004 (21.06.2004)

Epilepsie-Anfälle durch Vollmond?

Regelmäßige Leser dieser Seite wissen bereits, dass Vollmond keinen Einfluss auf das Beißverhalten von Hunden hat, und im "Skeptiker" konnte man schon nachlesen, dass es zu keinerlei verstärkten Operations-Blutungen bei Vollmond kommt. Bei Vollmond geschlagenes Holz ist entgegen einer häufig geäußerten Vermutung auch nicht hochwertiger als zu anderen Mondphasen, wie Forstwissenschaftler der TU Dresden herausfanden. Trotzdem werden dem Erdtrabanten immer wieder Einflüsse zugeschrieben, die es wert sind, näher untersucht zu werden.

In früheren Jahrhunderten galten beispielsweise Epileptiker häufig als Besessene. Manche Menschen glaubten, epileptische Anfälle träten zuhauf bei Vollmond auf und Epilepsie-Kranke wären "mondsüchtig" und müssten daher bei abnehmendem Mond kuriert werden. Nun wurde in einer Untersuchung, die der Neurochirurg Selim Benbadis von der University of South Florida in Tampa drei Jahre lang durchführte, untersucht, ob die Epilepsie-Attacken seiner Patienten in Zusammenhang mit den Mondphasen stehen. Demnach ereigneten sich von 770 Anfällen 94 (12%) bei Vollmond - 152 hingegen im letzten Quartal des abnehmenden Mondes. Für einen generellen Einfluss der Mondphase auf epileptische Anfälle gibt es also keinen Hinweis.

Allerdings war die Häufigkeit sog. "psychogener, nichtepileptischer Anfälle" (PNES, auch "pseudo-epileptische Anfälle" genannt) zur Zeit des Vollmondes leicht erhöht, was aber den Autoren zufolge "von zweifelhafter Bedeutung" ist. Sie halten es für möglich, dass "Patienten mit PNES oder anderen psychischen Störungen Horoskopen, Mondphasen und anderen irrationalen Faktoren mehr Aufmerksamkeit schenken." In der modernen Medizin, die Epileptikern mit einer Kombination aus medikamentöser Behandlung und psychosozialer Betreuung und - in schweren Fällen - mit chirurgischen Eingriffen zu helfen versucht, ist kein Platz für diesen Aspekt des Mondglaubens. Prof. Benbadis macht sich offenbar keine Illusionen. "Einige Menschen scheinen noch immer poetische, geheimnisvolle und irrationale Erklärungen für rätselhafte Krankheiten wie Epilepsie zu mögen." Egal, was Wissenschaftler herausfinden.


Quellen:
Mehr Informationen zum Thema Vollmond bei der GWUP:
Themeneintrag "Mond"
"Vollmond und volle Benadlung" (Meldung vom 22.12.2002)

Weitere aktuelle Meldungen immer direkt auf der Startseite der GWUP unter gwup.org.

Diese Meldung der GWUP wurde erstmals am 6.6.2004 auf den Seiten der GWUP veröffentlicht. Weitere aktuelle Meldungen immer direkt auf der Startseite der GWUP unter gwup.org.

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