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e-Skeptiker - Newsletter für Wissenschaft und kritisches Denken
herausgegeben vom "Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken" der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V." (GWUP)

Nr. 09/2005 (01.06.2005)

Alien-Jäger Frank Drake feiert Geburtstag - doch ET schweigt

Seit 45 Jahren sucht SETI nach außerirdischen Intelligenzen - aber der Erfolg blieb bisher aus

Freundlich winken, höflich die Hand reichen, vorsichtig abwarten oder gar präventiv drohen - wie grüßt Mensch den Alien? Weltbewegende Probleme, die nicht nur Science-Fiction-Autoren und Ufo-Fans die Köpfe rauchen lassen. Auf den alljährlichen "Contact"-Konferenzen der NASA disputieren auch Wissenschaftler über die interstellare Etikette beim ersten "Date" mit ET und Konsorten. Doch bevor es dazu kommt, müssen die grünen, grauen oder sonst wie kolorierten Männchen erst einmal gefunden werden. Der Astronomie-Professor Frank Drake, Pionier der Suche nach extraterrestrischen Intelligenzen (SETI), wurde am gestrigen Samstag 75 Jahre alt.

Die Fans von SETI haben dieser Tage allen Grund zum Feiern. Anlass ist aber nicht etwa das erste nette "Hallo!" aus der Peripherie unseres Sonnensystems, sondern der 75. Geburtstag von SETI-Vater Frank Drake. Er war es, der im April 1960 - also vor 45 Jahren - den großen Lauschangriff auf ET startete und im US-Bundesstaat West-Virginia das erste Radioteleskop auf den Stern Epsilon Eridiani ausrichtete, um ein außerirdisches Flüstern einzufangen. Doch die Aliens blieben und bleiben bis heute stumm - und das, obwohl die Suche nach ihren per Radiowellen versendeten Lebensäußerungen in den vergangenen Jahrzehnten immens intensiviert wurde.

In den 90er Jahren unterstützte der US-Senat das SETI-Projekt noch mit einem eigenen Etat - inzwischen aber sind die staatlichen Zuschüsse stark zusammengestrichen. Die Jagd auf Terroristen scheint für die USA ein notwendigeres Anliegen geworden zu sein als auf Extraterrestrische. Und dennoch: Das SETI-Institut erfreut sich heute als private Nonprofit-Organisation an einem großen öffentlichen Zuspruch und an einem Spendenaufkommen, das die einstigen Zuwendungen aus Steuergeldern weit in den Schatten stellt. Dieser Tage durchforsten weltweit über fünf Millionen Menschen mit dem Freeware-Programm "SETI@home" auf ihren Privat-Computern das Radiowellen-Chaos aus dem All nach künstlichen Emissionen und außerirdischen Botschaften.

"Die SETI@home-Analyse erfolgt dabei ausschließlich in den Zeiten, in denen am Rechner nicht gearbeitet wird und seine wertvolle Rechenzeit üblicherweise mit fliegenden Windows-Symbolen, bizarren Gummibandmustern, Sternenhimmeln oder anderen bunten Bildchen vergeudet wird", erklärt Setigermany.de das Prozedere. Das Programm holt sich Datenpakete vom Projektserver in Berkeley und analysiert diese, wenn am Rechner nicht gearbeitet wird. Das Ergebnis wird bei der nächsten Online-Sitzung nach Berkeley zurückgeschickt und ein neues Datenpaket geholt. Durch dieses Projekt, heißt es weiter, sei der bisher größte und leistungsfähigste Rechnerverbund aller Zeiten entstanden. Mindestens den Vorgarten unseres blauen Planeten, die rund 100 Milliarden Sternensysteme der Milchstraße, wollen die Forscher so bis zum Jahr 2030 abgehört haben.

Alle Hoffnung setzen die SETI-Fans bei ihrer Suche auf die so genannte "Green-Bank-Formel" ihres Mentors Frank Drake, mit der sich die Zahl der derzeit in der Milchstraße existierenden technischen Zivilisationen berechnen lassen soll. Drake schätzt, dass sich rund zehn Millionen außerirdische Zivilisationen im Universum tummeln. Doch nur etwa 10.000 seien nah genug, um ihre Radiowellen überhaupt aufschnappen zu können. Und: Nur wenige der acht Faktoren in seiner Gleichung lassen sich heute auf einer wissenschaftlich abgesicherten Basis kalkulieren. Der Rest ist Spekulation - und genau das ist auch die eigentliche Schwäche der Drake-Formel, wie Prä-Astronautik-Experte und GWUP-Mitglied Klaus Richter kritisiert: "Je nach persönlicher Einstellung des Nutzers werden sich zahllose Zivilisationen oder, wenn überhaupt, nur sehr wenige ergeben." Die Gleichung, so Richter weiter, sei damit weniger eine Formel im exakten mathematischen Sinne, sondern "eher ein Vehikel zur Auswertung der eigenen Weltanschauung".

Bereits im Jahr 1950 - also lange vor dem Start von SETI - erklärte der Kernphysiker und Nobelpreisträger Enrico Fermi, warum die Menschheit noch keine außerirdischen Bekanntschaften gemacht hat. Seine schlichte Antwort, formuliert im so genannten "Fermi-Paradoxon": ET existiert einfach nicht! Denn laut Fermi hätte eine Zivilisation, die über die Technik zu Weltraumreisen verfügt, angesichts des Alters des Universums bereits Zeit genug gehabt, um unsere Galaxie zu finden und zu kolonisieren. Innerhalb weniger Millionen Jahre hätten sich die Aliens die Milchstraße untertan gemacht, ähnlich wie die europäischen Eroberer die Neue Welt.

Nichtsdestotrotz: Frank Drake und SETI zelebrieren dieser Tage eine Art Doppeljubiläum - doch wie es scheint, müssen die Alien-Jäger auch in diesem Jahr wieder allein feiern: ET sendete bis heute weder Grüße noch Glückwünsche ...

Quellen:

Diese Meldung der GWUP wurde erstmals am 29.05.2005 auf den Seiten der GWUP veröffentlicht. Weitere aktuelle Meldungen immer direkt auf der Startseite der GWUP unter http://www.gwup.org.


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