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e-Skeptiker - Newsletter für Wissenschaft und kritisches Denken
herausgegeben vom "Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken" der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V." (GWUP)

Nr. 17/2005 (15.11.2005)

Leipziger Homöopathie-Studie zurückgezogen

Angebliche Beweise für Homöopathie sind gar keine

Im Jahre 2003 erregte eine Gruppe von Leipziger Forschern (die Apothekerin Franziska Schmidt sowie die Pharmakologen Prof. Dr. Karen Nieber und Prof. Dr. Wolfgang Süß) mit dem vermeintlichen Nachweis der Wirksamkeit homöopathischer Belladonna-Verdünnungen Aufsehen. Es war ihnen angeblich gelungen, die muskelentspannende Wirkung homöopathischer Belladonna-Dosen (D32, D60 und D100) an Muskelpräparaten aus Magen und Dünndarm von Ratten in Laborexperimenten nachzuweisen. Noch vor der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse in der Zeitschrift "Biologische Medizin" erhielten sie 2003 für Ihre Arbeit den mit 10.000 Euro dotierten, von der Internationalen Gesellschaft für Homotoxikologie e.V. und der Internationalen Gesellschaft für Biologische Medizin e.V. verliehenen Hans-Heinrich-Reckeweg-Preis; mit diesem Preis werden herausragende Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Homöopathie ausgezeichnet. Daraufhin wurden die Leipziger Experimente von Homöopathen weltweit als wichtiger Beweis für die Richtigkeit der Homöopathie gefeiert.

Nach Veröffentlichung der Studie wurde jedoch Kritik laut. Der Konstanzer Chemiker Dr. Klaus Keck erstellte eine ausführliche Analyse der Leipziger Experimente und veröffentliche diese zusammen mit dem Mathematiker Prof. Dr. Gerhard Bruhn (Darmstadt) und dem Geophysiker Prof. Dr. Erhard Wielandt (Stuttgart) auf seiner Webseite. Die Autoren warfen den Leipziger Forschern vor, dass ihre Ergebnisse nicht auf objektiven Messungen, sondern auf "vorurteils- und methodisch bedingten Messfehlern" beruhten. Dabei war vor allem von Interesse, ob mit den von den Leipziger Forschern angewandten Methoden ein Wirkungsnachweis mit naturwissenschaftlich fundierter Begründung möglich ist. Eine kompakte Version dieser Analyse wird übrigens in Heft 3/2005 der Zeitschrift "Skeptiker" erscheinen, die ab dem 18.11.05 erhältlich ist.

Wie jetzt die Deutsche Apothekerzeitung in ihrer Ausgabe vom 3.11.05 berichtet, haben die Leipziger Pharmakologen die Studie zurückgezogen und den Reckeweg-Preis zurückgeben. In der Tat verschwand der Hinweis auf die Auszeichnung zwischen dem 8. und 9. November 2005 kommentarlos von der Homepage von Prof. Nieber. Eine Anfrage des Zentrums für Wissenschaft und kritisches Denken der GWUP bezüglich dieser Vorgänge an die Pressestelle der Uni Leipzig vom 8.11.05 blieb bis dato unbeantwortet. Angesichts der großen Aufmerksamkeit, die der Untersuchung seinerzeit zuteil wurde, ist erstaunlich, wie gering bislang das Echo auf die Rücknahme der aufgestellten Behauptungen ist. Weder die Beteiligten selbst noch die verschiedenen homöopathischen Organisationen haben bislang eine Stellungnahme dazu abgegeben.

Nach der für die Homöopathie unerfreulichen Metaanalyse in der Zeitschrift Lancet vom August 2005 wurde die Homöopathie in dem Ende September 2005 erschienenen Handbuch "Die Andere Medizin" der Stiftung Warentest als "nicht geeignet" bewertet. Die Rücknahme der Leipziger Studien ist nun der dritte schwere Schlag, den die Homöopathen innerhalb weniger Monate hinnehmen müssen. Zudem findet sich in der oben genannten Ausgabe der Deutschen Apothekerzeitung eine Stellungnahme der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft mit der Überschrift "Homöopathie wirkt, aber nicht die homöopathische Arznei", was auf die rein psychische (sprich: Placebo-) Wirkung homöopathischer Mittel anspielt. Die DPhG fordert , dass "wissenschaftliche Aussagen zu homöopathischen Arzneimitteln äußerst kritisch zu überprüfen sind".

Quellen:

  • Schmidt, F.; Süß, W.G.; Nieber, K. (2004) In-vitro Testungen von homöopathischen Verdünnungen. Biologische Medizin 33: 32-36 [zurückgezogen]
  • [DAZ] (2005) Wirkung ohne Molekül. Deutsche Apotheker Zeitung 145(44), S. 24f.
  • Holzgrabe, U; Dingermann, T.; Schubert-Zsilavecz, M.; Mohr, K. (2005) Homöopathie wirkt, aber nicht die homöopathische Arznei. Deutsche Apotheker Zeitung 145(44), S. 25.
  • Das Handbuch "Die Andere Medizin"
  • Universität Leipzig: Preis für Wirkungsnachweis homöopathischer Mittel [Pressemitteilung vom 18.11.2003]

Diese Meldung der GWUP wurde erstmals am 15.11.2005 auf den Seiten der GWUP veröffentlicht. Weitere aktuelle Meldungen immer direkt auf der Startseite der GWUP unter http://www.gwup.org.


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