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e-Skeptiker - Newsletter für Wissenschaft und kritisches Denken
herausgegeben vom "Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken" der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V." (GWUP)

Nr. 02/2006 (10.02.2006)

Déjà-vu-Erlebnisse lassen sich erklären

Wahrscheinlich hat jeder diese Situation schon einmal erlebt: Man ist zum ersten Mal an einem Ort und hat das Gefühl, schon einmal dort gewesen zu sein. Man ist bei Freunden, jemand sagt etwas und man glaubt, genau diese Situation schon einmal erlebt zu haben. Wissenschaftler sprechen hier von einem "Déjà-vu" (dt. schon mal gesehen). Doch wie kommt dieses Phänomen zustande? Gibt es Menschen, die hellseherische Fähigkeiten haben? Haben wir alle diese Begabung?

Kaum bekannt ist, dass es Personen gibt, die ständig derartige Wahrnehmungen erleiden. Diese bedauernswerten Zeitgenossen sehen beispielsweise Nachrichten im Fernsehen und glauben, alles schon einmal gehört zu haben. Ihren Mitmenschen erzählen sie dann, dass sie wussten, dass diese oder jene Meldung kommen würde. Genau mit diesem Personenkreis haben sich nun Psychologen der Universität Leeds näher befasst. So schildert Dr. Chris Moulin von der Universität Leeds den Fall eines Mannes, der sich weigerte, zu ihm in die Klinik zu kommen, weil er meinte, bereits dort gewesen zu sein. Auch glaubte der Patient, Dr. Moulin persönlich schon früher einmal getroffen zu haben, obgleich dies nie geschehen war. Sogar wenn er einen Vogel singen hörte, meinte der Kranke, altbekanntes Gezwitscher zu vernehmen. Ausgeprägte Fälle wie dieser boten den Anlass, ein Testdesign und einen Fragenkatalog zur Überprüfung dieser seltsamen Phänomene zu entwickeln. Dann wurde versucht, Wege zu finden, diese belastenden Probleme zu reduzieren. Um derartige Ereignisse im Labor nachstellen zu können, wurden Versuchspersonen hypnotisiert und instruiert, sich an einzelne Wörter zu erinnern und diese dann zu vergessen. Dann wurden die Vokabeln den Testpersonen erneut gezeigt und sie mussten sagen, an welche sie sich zu erinnern glaubten. So konnte man unterscheiden, welche Wörter bereits wirklich präsent waren und bei welcher scheinbaren Erinnerung es sich um Einbildung handelte.

Mit diesem derzeit noch laufenden Forschungsprojekt, dem "Cognitive Feeling Framework (CFF)", hofft man, zu einem besseren Verständnis des Déjà-vu-Phänomens zu gelangen. Dr. Moulin sieht gerade bei Menschen, die chronisch an derartigen Erlebnissen leiden, eine Scheu darüber zu sprechen, um nicht als geisteskrank zu gelten. Nachdem ihnen der erste o.g. Patient über den Weg gelaufen war, fanden die britischen Forscher jedoch heraus, dass dieses Leiden häufiger vorkommt. Dies kann zu Depressionen führen; manche Patienten werden gar mit Medikamenten gegen Psychosen behandelt. Nach Überzeugung der Wissenschaftler handelt es sich hier jedoch nicht um einen Wahn, sondern um eine Störung der Gedächtnisfunktion. Das Interessante an diesen Patienten sei, dass sie sich detailliert an Dinge zu erinnern glauben, die nie stattgefunden haben. Dies lässt vermuten, dass das Gehirn Erinnerungen und Erlebnisse, die mit Erinnerungen verknüpft sind, auf verschiedene Art und Weise verarbeitet. Moulin glaubt, dass beim Erinnern ein Kreislauf in Gang gesetzt wird, der sowohl die Erinnerung hervorholt als auch die Selbstwahrnehmung in der Vergangenheit. Bei Deja-Vu-Kranken ist dieser Kreislauf gestört, sodass Gedächtnisinhalte von Erlebnissen kreiert werden, die gar nicht stattgefunden haben. Neue Informationen werden bei diesen Menschen dann von Gefühlen begleitet, sich zu erinnern. Mit bildgebenden Verfahren versucht man in Leeds nun herauszufinden, ob bei verschiedenen Personen beim Mitteilen von deren subjektiven Erfahrungen die gleichen Zentren im Gehirn aktiviert werden. 

An chronischem Déjà-vu Leidende bräuchten nach Dr. Moulin die Gewissheit, nicht mit ihrem Problem allein zu sein. Er versucht daher, weltweit ein Netz von Patienten aufzubauen, um mehr über die Ursachen dieser Erkrankung zu erfahren. Sollte es dem Team der Universität Leeds also gelingen, wirksame Behandlungsmethoden für dieses Leiden zu entwickeln, könnten Vorstellungen von Vorhersagen und übernatürlichen Ahnungen vielleicht bald der Vergangenheit angehören. 

Weitere Informationen

  • Blog von Dr. Chris Moulin
  • Déjà vu (Eintrag in der deutschen "Wikipedia")
  • Déjà vu (Beitrag in der "Skeptischen Ecke" von Tobia Budke)
  • Oesterle, Günter [Hg.]: Déjà-vu in Literatur und bildender Kunst.
    München: Fink 2005, 371 S., ISBN 3-7705-3828-5, 39,90 EUR

Diese Meldung der GWUP wurde erstmals am 05.02.2005 auf den Seiten der GWUP veröffentlicht. Weitere aktuelle Meldungen immer direkt auf der Startseite der GWUP unter http://www.gwup.org.


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