e-Skeptiker - Newsletter für
Wissenschaft und kritisches Denken
herausgegeben
vom "Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken" der
"Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von
Parawissenschaften e.V." (GWUP)
Nr.
08/2006 (18.05.2006)
Skeptische
Wissenschaftler fordern eine vernunftgeleitete Medizin
Angesichts leerer Kassen im Gesundheitswesen
wird die Frage immer
dringlicher, welche Therapien überhaupt sinnvoll sind und so von
den
gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden sollten. Seit Jahren wird der
Gesundheitsmarkt mit Verfahren überschwemmt, deren Wirksamkeit
trotz
teilweise vielfacher wissenschaftlicher Untersuchungen aber nicht
nachgewiesen wurde. Dies betrifft nicht nur die
abergläubisch-esoterischen Ansätze der Alternativmedizin,
sondern auch
vieles, was in der so genannten Schulmedizin genutzt wird.
Um das Problemfeld "Gute Medizin/ Schlechte Medizin" zu
analysieren, treffen sich skeptische Wissenschaftler beim
Jahreskongress der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von
Parawissenschaften (GWUP) e.V. vom 25.-27. Mai 2006 in Essen. Dort
stehen Themen im Mittelpunkt wie evidenzbasierte Medizin, Mythen und
Defizite in der Schulmedizin sowie der Aufstieg der Alternativmedizin,
der Fehldeutungen von Physik und Philosophie zu verdanken ist.
Nach ihrer Kritik der Homöopathie im letzten Jahr ruft die GWUP
nun
allgemein zu einer vernunftgeleiteten Medizin auf.
"Entscheidungsträger
der Politik haben jetzt bei der bevorstehenden Gesundheitsreform eine
hervorragende Gelegenheit, Vernunft über Aberglauben zu stellen",
so
GWUP-Geschäftsführer Amardeo Sarma. "Wer jedoch zulässt,
dass
Homöopathie und anthroposophische Medizin Kassenleistungen werden,
macht sich zum willfährigen Instrument der
pseudowissenschaftlichen
Medizin und den Geschäftsinteressen ihrer Vertreter." Der
Tagungsreferent Dr. Werner Hessel pflichtet dem bei: "Was dort an
Vorstellungen herrscht, ist durch die medizinischen Erkenntnisse der
letzten zwei Jahrhunderte vollkommen überholt". Dies hat auch das
2005
erschienene Buch "Die Andere Medizin" der Stiftung Warentest
bestätigt.
Die heftigen Angriffe, welche dieses Buch nach Erscheinen
ausgelöst
hat, zeigen, so Sarma, "auf welche Widerstände die
vernunftgeleitete
wissenschaftliche Medizin seitens einer auf Aberglauben gestützten
Medizin hierzulande trifft."
Leider ist festzustellen, dass auch in der Normalmedizin zunehmend
Geschäftsinteressen ins Spiel kommen, die Vorrang vor dem Wohl des
Patienten haben. Daher muss im Sinne der so genannten evidenzbasierten
Medizin gefordert werden, dass auch hier nur Verfahren und Medikamente
eingesetzt werden, deren Wirksamkeit nachgewiesen ist. Die GWUP lehnt
alle Versuche von Lobbygruppen ab, strenge wissenschaftliche
Untersuchungen abzuschwächen oder zu umgehen und so die Patienten
zu
Versuchskaninchen zu machen. "Sowohl der Binnenkonsens als auch die
Abkürzung von Zulassungsverfahren unter Umgehung strenger
Prüfungen
dienen lediglich dazu, das Gesundheitssystem zum Selbstbedienungsladen
von Interessengruppen zu machen", so Sarma.
"Ärzte und Patienten sollten gemeinsam daran arbeiten, die
wissenschaftlich fundierte Medizin ehrlicher, menschlicher und damit
auch wirksamer und nebenwirkungsärmer zu machen. Wir brauchen
keine
alternative Medizin, wir brauchen eine bessere Schulmedizin",
resümiert
Dr. med. Gabi Hoffbauer, Autorin von "Pillen, Kräuter,
Heilsversprechen", die über Defizite in der Schulmedizin
referieren
wird.
Das Programm der GWUP-Tagung kann unter www.gwup.org
eingesehen werden. Weitere Themen des Kongresses: Parawissenschaften im
Biologieunterricht sowie der Bibel-Code u.v.m.
Diese Meldung der GWUP wurde erstmals am
17.05.2005 auf den
Seiten
der GWUP veröffentlicht. Weitere
aktuelle Meldungen immer direkt auf der Startseite der GWUP unter http://www.gwup.org.