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| e-Skeptiker - Newsletter für
Wissenschaft und kritisches Denken
herausgegeben
vom "Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken" der
"Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von
Parawissenschaften e.V." (GWUP) Nr. 13/2006 (20.10.2006)
Angewandte Kinesiologie in der
Zahnmedizin hilft nicht weiter
Der
Zahnmediziner
Prof. Dr. Dr. Hans-Jörg Staehle hat die Ergebnisse einer Studie der
Universitätsklinik Heidelberg präsentiert, bei der untersucht wurde, ob
mittels
Kinesiologie die Verträglichkeit von zahnärztlichen Materialien
bestimmt werden
kann. Mit
der von ihren Verfechtern auch "Applied Kinesiology
(AK)" genannten Methode soll mittels Muskeltests ermittelt werden, ob
jemand krank ist oder allergisch auf bestimmte Stoffe reagiert. Bei der
Heidelberger Studie wurden 112 Testpersonen untersucht. Zwei Zahnärzte,
die
zusätzlich zu ihrer fachmedizinischen Ausbildung über Qualifikationen
zur
Kinesiologie verfügten, testeten bei den Probanden die Verträglichkeit
zweier
zahnärztlicher Restaurationswerkstoffe. Nachdem sich 31 Personen als
für die
Versuche nicht geeignet erwiesen, ermittelten die Zahnärzte in der
ersten
Testphase 34 Probanden, die die Werkstoffe vertrugen; sieben vertrugen
sie nicht.
Bei 40 Testpersonen wurde ermittelt, dass sie Präparat I vertrügen,
Präparat II
jedoch nicht bzw. umgekehrt. Bei der zweiten Gruppe wurde nun in einem
zweiten
verblindeten Test ermittelt, ob die Tester die gleiche Verträglichkeit
/ Unverträglichkeit
herausfinden konnten wie beim ersten Mal -- mit vernichtendem Ergebnis.
Die
AK-Diagnosen waren nicht zutreffender, als wenn sie mit einem Würfel
ermittelt
worden wären. Interessanterweise wurde mittels der Kinesiologie auch
eine
höhere Unverträglichkeitsrate von Zahnwerkstoffen ermittelt, als sie in
der Praxis
tatsächlich auftritt. Mit
der Heidelberger Untersuchung liegen nun auch für die
Zahnmedizin Ergebnisse vor, wie sie bislang nur aus dem Bereich der
Allgemeinmedizin ermittelt wurden. Staehle, der die Arbeit zusammen mit
zwei
Kollegen verfasst hat, bemängelt in einem Artikel der
"Zahnmedizinischen
Mitteilungen-online" denn auch das Fehlen nachvollziehbarer
wissenschaftlicher Überprüfungen zur Applied Kinesiology durch deren
Vertreter
selbst, obwohl die Methode schon seit etwa 40 Jahren praktiziert und
allein in
Mitteleuropa von schätzungsweise 1000-2000 Anwendern zur
Verträglichkeitsprüfung
von Zahnmaterialien herangezogen wird. Dabei wären wissenschaftliche
Strudien
in diesem Falle einfach und kostengünstig durchzuführen. Laut Staehle
werde dem
Willen und der Überzeugung bei Anhängern von alternativmedizinischen
Verfahren
mehr Wert beigemessen als wissenschaftlich- rationaler Erkenntis und
Nachweisführung. Dabei kennt der Zahnmediziner aus seiner Arbeit in
Heidelberg
zahlreiche Fälle, in denen Patienten zur Behandlung kamen, denen
aufgrund von
alternativmedizinischen Fehldiagnosen gesunde Zähne beschädigt oder
entfernt
wurden, ohne dass sie eine Besserung ihrer Beschwerden erfahren hätten.
Er schließt sich deshalb der Aussage von Edzard Ernst an, der bereits vor einiger Zeit nach Auswertung der Literatur zu AK und ähnlichen Verfahren zu dem Schluss kam, dass derjenige, der finanziell von einer alternativen Heilmethode profitiere, auch deren Wirksamkeit belegen müsse. Könne dieser positive Nachweis nicht erbracht werden, "sollte vor dem Verfahren mit allem Nachdruck gewarnt werden". Quellen:
Diese Meldung wurde erstmals am 20.10.2006 auf den Seiten der GWUP veröffentlicht. Weitere aktuelle Meldungen immer direkt auf der Startseite der GWUP unter http://www.gwup.org. Impressum: Herausgeber und Redaktionsanschrift: Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken, GWUP e.V., Arheilger Weg 11, 64380 Roßdorf. E-mail an die Redaktion bitte über unser Kontaktformular. Redaktion: Dr. Martin Mahner (V.i.S.d.P.), Holger von Rybinski. Alle Texte - soweit nicht andes gekennzeichnet - © 2006 GWUP. Die Weiterverbreitung dieses Newsletters zu nicht-kommerziellen Zwecken (bitte mit Quellenangabe und/oder diesem Impressum) ist erwünscht. Infos zum (Ab-)Bestellen des e-Skeptiker: http://www.gwup.org/mailman/listinfo/e-skeptiker-abo. Archiv: http://www.gwup.org/e-skeptiker/archiv.html. Für Inhalte auf anderen Servern als www.gwup.org wird keine Haftung übernommen. Unter http://www.gwup.org erfahren Sie mehr über die Ziele der GWUP sowie die von ihr herausgegebene Zeitschrift "Skeptiker". | ||||||||||||||
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