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| e-Skeptiker - Newsletter für
Wissenschaft und kritisches Denken
herausgegeben
vom "Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken" der
"Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von
Parawissenschaften e.V." (GWUP) Nr. 15/2006 (07.12.2006)
Edu-Kinestetik in Hessen: Kultusministerium und Schulämter fördern
Mit Sorge beobachtet die Gesellschaft zur wissenschaftlichen
Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) die Bereitschaft in Hessen, Pseudowissenschaften
amtlich zu fördern. Viele Schulämter in Hessen, etwa in den Landkreisen
Darmstadt-Dieburg, Lahn-Dill und Limburg-Weilburg empfehlen
"Edu-Kinestetik" - auch unter dem Namen "BrainGym" bekannt
- als pädagogische Maßnahme und fördern sie. Auf der Internetseite "Schule
und Gesundheit" des hessischen Kultusministeriums wird unter den Förderangeboten
ausdrücklich Motopädagogik/Edu-Kinestetik genannt. Und der Bildungsserver
Hessen listet für Januar 2007 als Fortbildungsveranstaltung für
Schulpsychologen ein Seminar über das Neurolinguistische Programmieren (NLP)
auf. Dies ist nun der dritte Fall, der nahelegt, dass Wissenschaftlichkeit im
hessischen Bildungswesen kleingeschrieben wird. Ausgangspunkt der Edu-Kinestetik ist die auf die
traditionelle chinesische Medizin zurückgehende Vorstellung, eine kosmische
Energie (Qi) fließe in bestimmten Leitbahnen (Meridianen) im menschlichen
Körper, welche mit Organen und Muskeln gekoppelt seien. Der
"richtige" Fluss dieser Energie sei Vorbedingung für Gesundheit sowie
Leistungs- und Lernfähigkeit. Zur Korrektur "energetischer
Ungleichgewichte" werden bestimmte Bewegungen sowie (in Anlehnung an
vermeintliche Akupunkturpunkte) ein Drücken bestimmter Körperstellen empfohlen.
Diagnostiziert werden diese vermeintlichen Ungleichgewichte durch einen Muskeltest
(siehe http://www.gwup.org/themen/texte/edu_kinestetik/media/edukinestetik.pdf). Die GWUP wendet sich ausdrücklich nicht gegen gymnastische
Übungen an sich, weist jedoch auf folgende Tatbestände hin:
Ähnliches gilt für das Neurolinguistische Programmieren:
Auch dieses steht im Widerspruch zu den Erkenntnissen der modernen Psychologie
und Neurobiologie. Das Bayerische Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) hat bereits 1997 die Edu-Kinestetik evaluiert und als esoterisch eingestuft. Sein Urteil: "Die Verbreitung derartiger Denkmodelle darf nicht staatlich gefördert werden; es darf nicht der Eindruck entstehen, es handle sich dabei um seriöse, allgemein anerkannte Wissenschaft." Als Fazit hält es fest: "Lehrer müssen heute verstärkt
nach ganzheitlichen, handlungs- und erlebnisorientierten und die Bewegung
einbeziehenden Methoden suchen und sie im Unterricht anwenden. Dies ist ein
schwieriges Unterfangen. Esoterisches Gedankengut und simplifizierende Methoden
sind dafür kein Ersatz." (ISB Arbeitsbericht Nr. 290, S. 56-57). Ein Gutachten der Ludwig-Maximilians-Universität München kommt zu dem Schluss, dass die biologischen Auffassungen der Edu-Kinesiologie unhaltbar sind: "Sie stellen eine derartige Simplifizierung und
Verfälschung der Vorgänge des zentralen Nervensystems und seiner komplexen
Organisation zur Regelung von Aktion und Perzeption dar, dass die Aufnahme so
erklärter diagnostischer und therapeutischer Techniken zum Umgang mit Kindern
in hohem Maße beunruhigen muss." (ISB Arbeitsbericht Nr. 290, Anlage 2, S.
5). Während diese
Beurteilungen in Bayern dazu führten, dass die Edu- Kinestetik als pädagogische
Maßnahme weitgehend verschwand, wird sie dessen ungeachtet in Hessen offenbar
mit Wissen des Kultusministeriums betrieben und gefördert. Folgende
Vorkommnisse in Hessen geben Anlass zu Sorge:
(Die entsprechenden Quellen liegen der GWUP vor.)
Quellen:
Hintergrundinformationen:
Diese Mitteilung der GWUP wurde erstmals am 07.12.2006 auf den Seiten der GWUP veröffentlicht. Weitere aktuelle Meldungen immer direkt auf der Startseite der GWUP unter http://www.gwup.org. Impressum: Herausgeber und Redaktionsanschrift: Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken, GWUP e.V., Arheilger Weg 11, 64380 Roßdorf. E-mail an die Redaktion bitte über unser Kontaktformular. Redaktion: Amardeo Sarma, Dr. Martin Mahner (V.i.S.d.P.). Alle Texte - soweit nicht andes gekennzeichnet - © 2006 GWUP. Die Weiterverbreitung dieses Newsletters zu nicht-kommerziellen Zwecken (bitte mit Quellenangabe und/oder diesem Impressum) ist erwünscht. Infos zum (Ab-)Bestellen des e-Skeptiker: http://www.gwup.org/mailman/listinfo/e-skeptiker-abo. Archiv: http://www.gwup.org/e-skeptiker/archiv.html. Für Inhalte auf anderen Servern als www.gwup.org wird keine Haftung übernommen. Unter http://www.gwup.org erfahren Sie mehr über die Ziele der GWUP sowie die von ihr herausgegebene Zeitschrift "Skeptiker". | ||||||||||||||
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