| e-Skeptiker - Newsletter für
Wissenschaft und kritisches Denken
herausgegeben
vom "Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken" der
"Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von
Parawissenschaften e.V." (GWUP) Nr. 17/2006 (15.12.2006)Der WM-Titel stand nur in den Sternen "Deutschland wird Fußball-Weltmeister": Während
Fußballfans sich den Titel nur erhofften, waren sich einige Wahrsager und
Astrologen vorab so sicher, dass sie den Klinsmann-Kickern den Titelgewinn
voraussagten. Aber der Titelgewinn blieb aus, und auch die anderen Prognosen
für das vergangene Jahr, die die Gesellschaft zur wissenschaftlichen
Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) traditionell zum Jahresende
ausgewertet hat, wurden durch die Wirklichkeit widerlegt. Beim neuen Fußball-Weltmeister - Deutschland natürlich -
waren sich mehrere Astrologen, Kartenleger oder andere Wahrsager zu Beginn des
Jahres 2006 sicher. Die Sterndeuter Monika Transier, Edeltraud Lukas Möller,
Albert Lehmann, Michael Allgeier und der Schweizer Hellseher Mike Shiva lagen
mit dies er WM-Prognose aber ebenso daneben wie sein österreichischer Kollege
Johannes Höber, die für ihre Fehlprognosen bekannte "Reiseastrologin"
Patricia Bahrani oder ihre Kollegin Asmi Nardo, die den Kickern aus England,
Brasilien bzw. Ghana den begehrten Titel vorausgesagt hatten. Insgesamt über 150 Prognosen von knapp 50 vermeintlichen
Zukunftskennern hat der Mathematiker Michael Kunkel ausgewertet und mit der
Realität konfrontiert - sein Fazit ist eindeutig: "Die Zukunft lässt sich
offensichtlich nicht aus den Sternen, Tarotkarten oder durch irgendwelche
Hellseher voraussagen." Das gilt unabhängig vom Thema der Voraussagen:
Naturkatastrophen, Prominente und politische Ereignisse dominieren neben gerade
aktuellen Themen wie derzeit Terroranschlägen üblicherweise die Vorhersagen -
nennenswerte Treffer sind Fehlanzeige. Einige Vorhersagen scheinen vielmehr der
Werbung zu dienen gemäß dem Motto: "Besser schlechte Werbung als überhaupt
keine." Spektakuläre Vorhersagen verschaffen ihren Urhebern zumindest für
kurze Zeit Aufmerksamkeit; eine kritische Würdigung oder gar der ausbleibende
Erfolg der Vorhersage wird weit weniger beachtet. Offensichtlich und
zum Glück daneben lagen wie in jedem Jahr die professionellen Schwarzseher, die
das Ende der Welt durch einen "atomaren Holocaust" (Michael Drosnin
in seinem Buch Bibelcode II) oder einen abstürzenden Riesenasteroiden (Eric Julien,
Annie Stanton) vorhergesehen haben. Ein großes Erdbeben in Kalifornien fiel gar
zwei Mal aus: Der Amerikaner James Kingsley hatte es für den 25. Januar angekündigt,
während der Astrologe Martin Schmid bedeutungsschwanger fabulierte, im Juni
2006 könne die Gefahr bestehen, dass San Francisco durch eine Erdbebenkatastrophe
"endgültig vernichtet wird". Rosalinde Haller aus Wien erwartete "Erdunruhen,
Erdbeben, Vulkane, Muren, Hochwasser" für "Chile (und weitere Teile Südamerikas),
Japan, Indonesien, Thailand, Kambodscha, Vietnam, Indien, Süd- Italien, Westl.
Küste USA/Mittelamerika-Mexiko, Los Angeles/Bereich San Franzisko." Eine
entsprechende Wetterprognose würde in etwa so lauten: "Irgendwo auf der
Welt wird es innerhalb der nächsten 6 Wochen regnen." Etwas weniger häufig als in den Vorjahren waren für 2006 die
Terror- und Attentatsprognosen. Patricia Bahrani sagte Anschläge in Paris
(August) und Madrid (September) voraus, Rosalinde Haller wollte Attentate auf
George W. Bush, Wladimir Putin und sogar Angela Merkel nicht ausschließen.
Andererseits sollte es bei unserer Bundeskanzlerin "in der Liebe
prickeln" - das zumindest schrieb die RTL-Astrologin Antonia Langsdorf.
Während eine Bestätigung für dieses Prickeln wohl nicht so leicht zu erhalten
sein wird, kann eine andere Vorhersage von Frau Langsdorf leicht überprüft
werden: Der 1. FC Köln, so sagte sie dem ehemaligen Trainer Uwe Rappolder,
würde mit seiner Geißbock-Elf den Klassenerhalt schaffen - dieses Vorhersage
hat sich definitiv nicht erfüllt. Daneben lag auch Kurt Allgeier, der bei Prinz
Albert von Monaco im Oktober die Hochzeitsglocken läuten hören wollte und der bei
Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann einen Rücktritt noch vor der WM nicht ausgeschlossen
hatte. Andere Astrologen wagen sich an die ganz große Politik:
Angela Gassmann aus Heiligenthal prognostizierte für 2006 nicht weniger als die
Vereinigung von Ost- und Westeuropa, während Martin Banger eher Unklares über
Deutschland im Jahre 2006 raunte: "Überraschende Konfrontationen im
Zusammenhang mit unseren militärischen Auslandseinsätzen sind denkbar, ebenso
harte Spannungen in der Kommunikation und in Vertragsangelegenheiten mit
Nachbarstaaten". Was "harte Spannungen in der Kommunikation"
bedeuten könnte und um welche Vertragsangelegenheiten es gehen könnte,
verschweigt der Autor der Prognose allerdings. Das "Experiment" des Freiburger Astrologen Karsten
Krönke kann ebenfalls nur als Flop bezeichnet werden: Er will für jeden
Handelstag des folgenden Monats voraussehen, ob der DAX steigt oder fällt -
zwischen Juni und Anfang Dezember lag seine Trefferquote dabei ziemlich genau
bei 50%. "Mit dem Werf en einer Münze hätte man die gleiche Quote
erhalten", so Kunkel. Echte und eindeutige Prognosetreffer waren wie immer
Mangelware. Jocindo Nobrega da Luz aus Brasilien hatte tatsächlich den
WM-Gewinn der Italiener vorausgesehen, wahrscheinlich nicht als einziger. Die
italienische Seherzunft dürfte ebenso wie ihre deutschen Kollegen nicht selten
auf die eigene Mannschaft gesetzt haben. Andere Prognosetexte waren zumindest
nicht ganz falsch. Der Astrologe Christian-Lestat Dietrich sagte korrekt zwei
Treffer in der ersten Viertelstunde des Spiels Deutschland gegen Schweden
voraus - allerdings nicht für wen, und der prognostizierte Treffer in der 2.
Hälfte fehlte völlig. Dass Dietrich einen verschossenen Elfmeter
"astrologisch" als Tor wertete, dürfte Fußballfans eher amüsieren als
beeindrucken. Immer wieder interessant ist es, wie die Auguren selbst ihre Fehlprognosen kommentieren. Monika Transier bewertete ihre Prognose "Deutschland wird Weltmeister" auf ihrer Webseite als eingetroffen (hat diesen Kommentar aber wieder entfernt) und Edeltraud Lukas Möller schiebt das Nichteintreffen ihrer ähnlichen WM- Prognose darauf, dass "Klinsmann eine Falle gestellt wurde" (Thorsten Frings wurde vor dem Halbfinale gesperrt). Warum sie dies nicht vorausgesehen hat, teilt sie nicht mit. Dafür war sie sich sicher, dass 2006 als "Jahr der Musik in die Geschichte eingehen wird". Laut der Vertreterin der "ägyptischen Originalastrologie" deuteten die Sterne auf einen neuen "Sound von großer Einfachheit", der "weltweit unsere Ohren erobern" sollte. Sie wollte sogar schon den Titel des Liedes kennen: "Der Zyklenvergleich macht auf das Lied `Alle meine Entchen' aufmerksam". Falls es einen Preis für die skurrilste Vorhersage gäbe, wäre diese sicherlich ein heißer Kandidat. Detailinformationen zum Prognosencheck 2006 finden Sie auf den GWUP-Seiten in der Rubrik "Wahrsager".Impressum: Herausgeber und Redaktionsanschrift: Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken, GWUP e.V., Arheilger Weg 11, 64380 Roßdorf. E-mail an die Redaktion bitte über unser Kontaktformular. Redaktion: Michael Kunkel, Dr. Jochen Bergmann, Dr. Martin Mahner (V.i.S.d.P.). Alle Texte - soweit nicht andes gekennzeichnet - © 2006 GWUP. Die Weiterverbreitung dieses Newsletters zu nicht-kommerziellen Zwecken (bitte mit Quellenangabe und/oder diesem Impressum) ist erwünscht. Infos zum (Ab-)Bestellen des e-Skeptiker: http://www.gwup.org/mailman/listinfo/e-skeptiker-abo. Archiv: http://www.gwup.org/e-skeptiker/archiv.html. Für Inhalte auf anderen Servern als www.gwup.org wird keine Haftung übernommen. Unter http://www.gwup.org erfahren Sie mehr über die Ziele der GWUP sowie die von ihr herausgegebene Zeitschrift "Skeptiker". | ||||||||||||||
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