Negativpreis für Dr. Hubers "Positivliste" Drucken E-Mail
01.04.2000 (GWUP) - Wissenschaftler kritisieren Irreführung von Patienten und Lobbyismus
Dr. Ellis Huber, Ex-Präsident der Berliner Ärztekammer, ist der diesjährige Preisträger des "Verbogenen Löffels", den die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) zum 1. April für die peinlichste pseudowissenschaftliche oder esoterische Simpelei vergibt.

Als Initiator einer sogenannten "Positiv-Liste" "Notwendige Arzneimittel" habe Huber sein Wissen nicht zur Aufklärung über Möglichkeiten und Risiken der Alternativmedizin genutzt. Vielmehr habe er "zur Vernebelung" beigetragen und diene allein den Interessen der Hersteller, erklärte GWUP-Geschäftsführer Amardeo Sarma am Freitag in Rossdorf bei Darmstadt. Hubers "Empfehlungen zum Gebrauch pflanzlicher, homöopathischer und anthroposophischer Arzneimittel" stellten lediglich eine als Information getarnte Werbung für bestimmte pharmazeutische Produkte dar. Dr. Krista Federspiel, Mitglied des GWUP-Wissenschaftsrates und Mitherausgeberin des Stiftung-Warentest-Buches "Die Andere Medizin" weist auf das Arznei-Telegramm 2000, Jg. 31, Nr. 3, S. 29, hin: "Obwohl für die in der Liste genannten Produkte kein Nutzen belegt ist, können die Firmen nun auf die Einstufung als ,notwendiges Arzneimittel’ hinweisen." Es handelt sich hier um 430 pflanzliche, 180 homöopathische und 40 anthroposophische Heilmittel. Patienten und Verbraucher werden auf diese Weise subtil in die Irre geführt.

Im günstigen Fall sind die gelisteten Produkte unnütz – im Einzelfall sogar gefährlich. Letzteres gelte vor allem für die "empfohlenen" Mistel-Präparate. Sarma: "Neuere Forschungen fördern zunehmend Hinweise zutage, dass die Mistel-Therapie statt gegen Tumore zu wirken möglicherweise mit ihrem unkontrollierten immunstimulierenden Effekt auch deren Wachstum fördern könnte." Ellis Huber fungiert derzeit als Geschäftsführer der kommerziellen "Securvita Gesellschaft zur Entwicklung alternativer Versicherungskonzepte" in Hamburg. Als "besonders kurios" hebt die GWUP hervor, dass Huber nun für zwei völlig konträre "Positiv-Listen" stehe, da er noch 1995 in Berlin eine "erfreulich kritische" Arzneimittel-Empfehlung veröffentlicht habe.

Die Preisverleihung findet während der GWUP-Konferenz vom 2. bis 4. Juni 2000 statt, zu der Herr Dr. Huber persönlich eingeladen wird.


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