Skeptiker 4/2000: Erfundenes Mittelalter, Parapsychologie und explodierende Menschen Drucken E-Mail

15.01.2001 (GWUP) - Astronomische Argumente gegen die Legende vom erfundenen Mittelalter des Autors Heribert Illig, ein skeptischer Bericht über die Jahrestagung der Parapsychological Association und ein kritischer Blick auf die Behauptung, Menschen könnten spontan in Flammen aufgehen ("Spontaneous Human Combustion") - dies sind einige der Themen, die in der neuesten Ausgabe 4/2000 der Zeitschrift "Skeptiker" behandelt werden.
Die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift "Skeptiker" hat zum Ziel, mit wissenschaftlichen Methoden aus einer interdisziplinären Perspektive heraus parawissenschaftliche Behauptungen zu untersuchen und in der Öffentlichkeit kritisches Denken und Verständnis für wissenschaftliche Methoden zu fördern.

Seit Jahren erregt der Buchautor Heribert Illig Aufsehen mit der These, die Jahre 614 bis 911 hätten gar nicht existiert, sondern seien eine Fälschung des Deutschen Kaisers Otto III. Im Skeptiker 4/2000 untersucht der Astronom Dieter B. Herrmann, Leiter der Archenhold-Sternwarte und des Zeiss-Großplanetariums Berlin, diese These aus astronomischer Sicht. Er beschreibt die astronomischen Grundlagen der Chronologie und stellt fest, dass die zeitliche Abfolge des Geschichtsverlaufes durch historisch überlieferte Sonnen- und Mondfinsternisse gesichert ist, sodass für die "größte Zeitfälschung der Geschichte" kein Platz bleibt.

In einem weiteren Artikel berichten die Skeptiker-Redakteurinnen Inge Hüsgen und Dr. Andrea Kamphuis von der Jahrestagung der Parapsychological Association in Freiburg/Breisgau im August 2000, deren Vorträge ein breites Themenspektrum von Spuk und Reinkarnation bis hin zu streng kontrollierten, methodisch sauberen Laborexperimenten umfassten. Doch trotz einiger interessanter Ansätze bleibt der Eindruck, dass die Parapsychologie von einer Anerkennung durch die Mainstream-Wissenschaft noch weit entfernt ist - und sich durch einige der auf der Tagung vorgestellten "Wege aus der Krise" eher noch weiter entfernen dürfte.

Dem Mythos der "Spontanen menschlichen Selbstentzündung", nach der Menschen gelegentlich ohne äußeren Anlass in Flammen aufgehen sollen und fast bis zur Unkenntlichkeit verbrennen, geht der Kriminalbiologe Mark Benecke nach. Er diskutiert mögliche Theorien aus der Sicht der forensischen Erfahrung mit Verbrennungsleichen - und kommt zu dem Schluss, das kein Mechanismus dafür bekannt ist. In einem weiteren Beitrag beschreibt Todd Venezia detailliert den Fall einer angeblich durch spontane menschliche Selbstentzündung ums Leben gekommenen Frau. Doch die Untersuchungen des FBI ergaben: eine fallen gelassene Zigarette war schuld.

Weitere Artikel in Skeptiker 4/2000 behandeln u.a. Ayurveda, Klimaveränderung, Homöopathie und Diäten. Der Skeptiker erscheint seit 1987. Frühere Ausgaben der vierteljährlichen Zeitschrift beschäftigten sich beispielsweise aus psychologischer Sicht mit der so genannten Bestätigungstendenz (confirmation bias), die dazu führt, dass Menschen vorwiegend bestätigende Informationen suchen (Skeptiker 3/2000), mit dem Grabtuch von Turin (2/2000), mit Wahrnehmungs- und Gedächtnistäuschungen (4/1999) und vielen anderen Themen.

Der Skeptiker kostet pro Heft DM 8,50 (ab 1/2001: Euro 4,90 = DM 9,58), das Jahreabbonnement kostet Euro 19,60 (DM 38,33). Einige Artikel sind im Internet unter http://www.gwup.org einsehbar. Herausgegeben wird der Skeptiker von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. (GWUP). Ihr gehören heute über 600 Wissenschaftler und wissenschaftlich Interessierte an, deren gemeinsames Ziel es ist, paranormalen Behauptungen möglichst unvoreingenommen auf den Grund zu gehen. Seit 1999 betreibt die GWUP das "Zentrum für Wissenschaft und kritisches Denken", dessen Ziel die Bereitstellung von kritischen Informationen zu Parawissenschaften ist. Eine Mitgliedschaft in der GWUP kostet Euro 60,- (DM 117,53) oder ermäßigt Euro 25,- (DM 48,90; für Studenten, Geringverdiener usw.). Der Bezug des Skeptiker ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.



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