Ausschlag bei Wasseradern? Drucken E-Mail

09.02.2007 - "Ausschlag bei Wasseradern". Unter dieser Überschrift, die zumindest beim Autor dieser Zeilen auch im übertragenen Sinne gilt, brachte die Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ) am 10. Juni 2006 einen ausführlichen Beitrag mit Foto über den „Geobiologischen Berater" Reiner Padligur aus Witten.

Der Artikel beginnt mit dem Satz: „Die heimische Toilette über Wasseradern in der Erde - kein Problem. Bett oder Bürostuhl sollte jedoch niemand über störende Erdstrahlen stellen." Ausführlich wird weiterhin beschrieben, wie der 46-Jährige bei einem Auftrag, beispielsweise den Grund von Schlafstörungen herauszufinden, »zunächst einige Runden ums Haus' dreht, und man erfährt, dass störende Erdstrahlen zu „Nervosität oder Migräne' führen können und dass er Rutengängern misstraut, „die nur ums Bett herumrennen". Die Frage nach Beweisen für sein Tun beantwortet der „seit 18 Jahren ausgebildete Geobiologische Berater" lakonisch mit dem Hinweis: „Die liefern ausgeschlafene Kunden." Bei der Wassersuche zur Nachspeisung eines Sees benutzt er andere Ruten als bei Schlafplatzstörungen. Es gibt sie aus Polyamid und aus Holz sowie in verschiedenen Formen. Sein Wissen und Können gibt er in Seminaren weiter. „Es ist jedem zu vermitteln", ist der Rutengänger in dem Zeitungsartikel überzeugt. „Und wenn es beim ersten Mal nicht klappt, heißt das nur noch mal probieren." Der erstaunte ausgebildete Geologe und Leser dieses Zeitungsartikels erfährt, dass die Arbeit mit der Rute anstrengend sei und tägliches Üben verlange. Viele Rutengänger würden ernsthaft krank. „Wenn ich vier Stunden nach Wasseradern oder Erdverschiebungen suche, bin ich geschafft", so Pradligur. Welcher Geologe wäre jemals so ehrlich gewesen?

Ich will nun nicht die sattsam bekannten Fragen stellen, um welche Art von Strahlung es sich denn handeln müsse, wenn Holz und Plastik gleichermaßen reagieren. Ich will nicht die immer wieder gestellte Frage wiederholen, warum denn die Rutengänger keine Karten zeichnen, sondern ihre Gebiete immer und immer wieder abklappern (bis zur Erschöpfung). Auch will ich nicht polemisieren, ob die Rutengänger ernsthaft krank würden oder ernsthaft krank seien. Ich will auch nicht die Frage nach der Ausbildung" stellen und schon gar nicht die Frage nach den Preisen für die Untersuchungen von „Landschaftswirkung und der emotionalen Wahrnehmung von Räumen". Schon eher interessierte mich der „Geomantie Berufsverband", rein beruflich versteht sich.

Vielmehr möchte ich Dipl.-Geol. Axel Nolte aus Witten zu Wort kommen lassen, der sich wundert, wieso es der Wittener Geobiologe so oft schafft, in die Zeitung zu kommen. Er schreibt:
"Vom Lesen des erneuten Artikels über die „Künste" des Wittener „Erdstrahlenberaters" kann man in der Tat Ausschtag bekommen. Nachdem unlängst zu einem an gleicher Stelle groß angekündigten Gratisseminar nur eine Handvoll Wittener Bürgerinnen und Büroer erschienen waren, musste nun wieder ein halbseitiger Werbeartikel her. Die Wittener „Wasseradern" sollten dringend auf ihren Gehalt an Vitamin B untersucht werden."

Jedoch beginne auch ich stutzig zu werden. Offenbar sind auch Bürostühle der verhängnisvollen Wirkung von Erdstrahlen ungeschützt ausgeliefert. Und das, wo ich im Büro doch so oft nervös werde und es bis heute nicht geschafft habe, dort ruhig zu schlafen. Ob der BDG als mein Arbeitgeber eine geobiologische Untersuchung bezahlt?

Klaus Olschewski

GWUP-Themeneintrag: Wünschelrute




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