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19.11.2003 (GWUP) - Am Montag, 17.11.2003, wurde der erste Teil der sechsteiligen ARD-Doku "Dimension Psi" um 21.45 Uhr ausgestrahlt. Schöne Bilder und eine professionelle Aufmachung konnten jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass der Inhalt erstaunlich unkritisch war. Längst gelöste Rätsel wurden als vermeintlich ungelöst dargeboten. Der Wiener Psychologe Prof. Dr. Andreas Hergovich kommentiert für die GWUP die erste Folge der ARD-Dokumentation.
In der neuen ARD Doku-Serie „Dimension PSI“ kamen Para-Gläubige auf ihre Kosten. Spannend gemacht und durch passende - Mysterien vermittelnde - Musik untermalt, wurde ein kurzer Streifzug durch die Geschichte der Psychokinese innerhalb der Psi-Forschung geboten (Psi ist ein Sammelbegriff für Außersinnliche Wahrnehmung (ASW) und Psychokinese). Angefangen mit den großen Medien des 19. Jahrhunderts (z.B. Daniel Dunglas Home und Eusapia Palladino) bis hin zu den berühmtesten Medien des 20. Jahrhunderts (Nina Kulagina und Uri Geller). Die Filmaufnahmen von Geller und Kulagina waren für sich genommen sehr interessant, der Kommentar dazu wenig objektiv. So kommen Parapsychologen zu Wort, die selbst für die wiederholte Male des Betrugs überführte Palladino meinen, es wäre schwer gewesen, unter den strengen Bedingungen und Kontrollen der damaligen Sitzungen zu schwindeln. Uri Gellers Scheitern bei der Johnny Carson Show wird in den Kontext der persönlichen Krise gestellt. Geller war bei dem früheren Zauberkünstler Carson deshalb erfolglos, weil er die vorbereiteten Utensilien nicht präparieren konnte. Verschwiegen wird auch, dass der Ruf Gellers bereits Anfang der 70-iger Jahre in seiner Heimat Israel ruiniert war. So wurde er von der "Jerusalem Post" schon 1970 zum Schwindler erklärt. Leider erfährt der interessierte Zuschauer auch nichts über die zahlreichen Zauberer, die Gellers Tricks simulieren konnten und ihn auch aktiv beim Betrug zu ertappen meinten (am bekanntesten von ihnen ist sicherlich James Randi, der sich darauf spezialisiert hat, angebliche sensitive Medien zu entlarven). Näheres ist in der Literatur bei Hergovich (2001) nachzulesen.
Nach den Medien wurde im Zeitraffer die quantitative Erforschung der Psychokinese gestreift, von den Würfelexperimenten des Joseph Banks Rhine über die Schmidt´schen Experimente bis hin zur Gegenwart. Hier wurde vor allem auf die Studien des PEAR (Princeton Engineering Anomalies Research) und die Arbeiten von Nelson und Radin eingegangen. Daneben wurde auch über Arbeiten des Institut Métaphysique International in Paris berichtet, unter anderem über einen an sich witzigen Versuch, bei dem die Versuchsperson neben einem Tisch, auf dem sich ein lärmender kleiner Roboter befand, schlafen sollte. Ohne schlafende Person tobte der Roboter auf dem Tisch herum, mit Versuchsperson zog er sich brav in eine Ecke möglichst weit weg von der Versuchsperson zurück. Für die Forscher lag der Schluss nahe, dass
die Versuchsperson auf psychokinetische Weise den Roboter beeinflusst habe. Ähnliche in der Sendung nicht erwähnte Experimente wurden mit in einem kleinen Käfig befindlichen Küken durchgeführt, die auf den Roboter geprägt wurden und den Roboter angeblich so beeinflussen konnten, dass er sich in ihrer Nähe aufhielt. Auf die Replikation dieser Experimente durch unabhängige Forscher darf man gespannt sein. Höhepunkt und Rahmenhandlung für den gesamten Beitrag war der wiederholte und mit Bildern vom Ereignis garnierte Hinweis auf angeblich abnorm reagierende Zufallsgeneratoren in der ganzen Welt (das so genannte Global Consciousness Project) am 11.9.2001. Ein groß angelegter Wiederholungsversuch früherer interessanter Ergebnisse hatte bereits Ende der Neunziger Jahre nicht funktioniert (nachzulesen in einem Artikel in der ZEIT Nr. 26/2000 von Christoph Drösser). In der Sendung wurde das freilich verschwiegen. Insgesamt mag den eingeweihten Beobachter die scheinbar so unkontroverse Darstellung dieser Themenbereiche gewundert haben. Fakt ist, dass die Parapsychologie als Wissenschaft nicht anerkannt ist, und das Parapsychologen dies üblicherweise auch wissen, wenn sie nicht für das Fernsehen interviewt werden. Fakt ist, dass alle diese Medien und Experimente begründet und heftig kritisiert wurden, dass es prinzipielle ungelöste Probleme gibt (z.B. kann kein Mensch sagen, was Psi eigentlich sein soll, höchstens, was es nicht ist), und dass die meisten Studien auch nicht wiederholt werden konnten. Schade, dass hier die Chance vertan wurde, über ein an sich interessantes Thema seriös zu berichten. In der Zeit (47/2003) ist nachzulesen, wie die Sendung an den Wissenschaftsredaktionen vorbei geplant wurde und dass als (offenbar) einziger Fachberater ein ehemaliger Schüler des bekannten und bereits verstorbenen Parapsychologen Hans Bender aus Freiburg fungierte. Leidtragende sind in erster Linie die Parapsychologen selbst, deren Daten dieser Darstellung sicherlich nicht gerecht werden. Seriöse Berichterstattung hätte aber bedeutet, ein wenig auf Effekthascherei zu verzichten - der Interessierte sei eingeladen, die Forschungsarbeiten der Parapsychologie einmal in Ruhe zu studieren, die Ernüchterung wird riesig sein. Vor allem wäre es geboten gewesen, Kritiker dieser Experimente zu Wort kommen zu lassen. Einmal mehr bestätigt sich die These: Die Menschen wollen an diese Phänomene glauben und sie wollen Bedeutung in unerklärlichen (objektiv vielleicht zufälligen) Ereignissen sehen. Wie Adorno einst meinte: „Wenn die objektive Realität den Lebendigen taub erscheint wie nie zuvor, so suchen sie ihr mit Abrakadabra Sinn zu entlocken". In diesem Sinn hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland seine Zuschauerinnen und Zuschauer reich bedient. Wir dürfen auf die weiteren fünf Folgen gespannt sein.
Andreas Hergovich
Weitere Infos und Quellen:
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