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17.02-2004 (GWUP) - Gesundheit, Fitness und ein langes Leben gelten als wichtige Attribute in der modernen Leistungsgesellschaft. Vor allem asiatische Heilungskonzepte erleben einen beeindruckenden Erfolg in der Boombranche Gesundheit und Wellness. Rouven Schäfer befragte Bärbel Schwertfeger zu Ayurveda, einem Megatrend innerhalb dieses Bereiches
GWUP: Was halten Sie persönlich von Ayurveda?
Schwertfeger: Ich betrachte den Ayurveda als ein ernst zunehmendes Gesundheitskonzept, das insbesondere im Rahmen der Prävention und zur Behandlung bestimmter chronischer Krankheiten eine sinnvolle Ergänzung unserer westlichen Medizin sein kann. Allerdings gibt es bisher erst wenige wissenschaftliche Studien in Deutschland dazu. Das größte Problem ist es aber, einen seriösen und guten Anbieter zu finden. Denn Ayurveda ist keine „sanfte Medizin“, die sich auf ein paar angenehme Ölmassagen und Stirngüsse beschränkt. Dahinter steht eine sehr komplexe Gesundheitslehre. In Indien studieren Ayurveda-Ärzte daher mindestens sechs Jahre. Bei uns fühlen sich dagegen viele schon nach ein paar Wochenend-Kursen zum Ayurveda-Experten berufen. GWUP: Ihr Buch ist für einen Ratgeber erfrischend kritisch. War es schwierig einen Verlag zu finden? Schwertfeger: Natürlich möchten gerade die Ratgeber-Verlage am liebsten Bücher wie „Schlank durch Ayurveda“, in denen irgendwelche Wunderrezepte versprochen werden. Deswegen gibt es ja auch so wenige gute Bücher über Ayurveda. Entweder sind es komplizierte oder schwer verständliche „medizinische“ Handbücher oder sehr oberflächliche und zum Teil Pseudo-Ratgeber. Unser Buch soll daher ein echter Ratgeber für Leute sein, die sich ernsthaft für Ayurveda interessieren und nicht auf die zahlreichen Scharlatane hereinfallen wollen. Denn die meisten verbinden mit Ayurveda nur angenehme Ölmassagen und irgendwelche Wunderwirkungen. Schuld daran sind nicht zuletzt vor allem die Medien, die ja immer wieder suggerieren, dank Ayurveda werde man schnell schön, schlank und jünger. GWUP: Die Transzendentale Meditations-Bewegung (TM) berichtet von zahlreichen Studien in wissenschaftlichen Magazinen zum Thema "Maharishi Ayur-Veda", bspw. in dem renommierten Journal der American Medical Association (JAMA). Was ist davon zu halten? Schwertfeger: Gerade die Geschichte mit dem JAMA-Artikel ist einfach unglaublich. Die Autoren waren ja alle enge TM-Anhänger oder an TM-Firmen beteiligt, die die im Artikel beschriebenen Ayurveda-Produkte herstellen. Von unabhängiger Forschung konnte da kaum die Rede sein. Zum Glück flog die Sache auf und der amerikanische Journalist Andrew A. Skolnick schrieb dann einen bemerkenswerten Artikel im gleichen Magazin, der die Machenschaften der TM-Anhänger aufdeckte. Den Artikel kann man unter www.aaskolnick.com nachlesen. GWUP: Wie beurteilen Sie den deutschen Ayurveda-Markt? Schwertfeger: Der ist leider noch immer von den TM-Anhängern dominiert. Denn sie betreiben nicht nur das Promi-Kurhotel „Parkschlösschen“ in Traben-Trarbach und die Kurklinik in Bad Ems, sondern stecken auch hinter der Deutschen Gesellschaft für Ayurveda. Auch etliche Schulmediziner gehören zu ihren Anhängern. Inzwischen ist Ayurveda aber auch ein beliebter Tummelplatz für alle möglichen Gurus und Esoteriker, die das Interesse an Ayurveda nutzen, um ihre Heilslehren unter die Leute zu bringen.Dazu kommen natürlich Scharen von selbsternannten Ayurveda-Experten. Das reicht von der Kosmetikerin über den Masseur oder Ernährungsberater bis hin zum Heilpraktiker. Alle bieten Ayurveda an und nur die wenigsten haben sich intensiv damit beschäftigt. So gibt es zum Beispiel in Berlin sogar einen Arzt, der dort das „Deutsche Ayurveda Institut“ leitet und sich weigert, etwas zu seiner Ayurveda-Ausbildung zu sagen. GWUP: Das klingt nicht gerade hoffnungsvoll. Schwertfeger: Der „Ayurveda-Dschungel“ ist der Tat sehr groß. Aber mittlerweile gibt es zum Glück auch immer mehr seriöse Angebote von deutschen Ärzten, die in Indien Ayurveda studiert haben oder mit indischen Ayurveda-Ärzten kooperieren. Ich hoffe daher, dass sich der Markt in Zukunft etwas bereinigt. Voraussetzung dafür ist allerdings die seriöse Aufklärung. Denn nur wenn die Interessenten wissen, woran sie gute Angebote erkennen, können sie diese entsprechend auswählen. Das ist auch das Hauptanliegen unseres Buches. GWUP: Vielen Dank Frau Schwertfeger. Die Fragen stellte Rouven Schäfer für die GWUP. Frau Schwertfeger ist Diplom Psychologin und Journalistin. Sie ist u.a. Autorin der Bücher "Der Griff nach der Psyche - was umstrittene Persönlichkeitstrainer in Unternehmen anrichten" (1998) und "Die Bluff-Gesellschaft - Ein Streifzug durch die Welt der Karriere" (2002).
Quellen:
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