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| Die Rückkehr der Graphologie |
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19.05.2008 (GWUP) - Wer in den achtziger Jahren an seiner mechanischen Schreibmaschine eine Bewerbung verfasste, musste seinen Unterlagen, so wurde es in der Schule gelehrt und von den Firmen verlangt, in der Regel noch einen handschriftlichen Lebenslauf beilegen, weil das Schriftbild angeblich etwas über die Eignung für den Job als Kaufmann, Techniker oder Florist aussagte. Durch die Computerisierung in den letzten Jahrzehnten und die gestiegenen Ansprüche bei der Form der Bewerbungsunterlagen schien diese Form der Personalanalyse verschwunden zu sein. Doch scheinen immer mehr Firmen wieder auf die Schriftdeutung zurückzugreifen.
So berichtet die Journalistin Claudia Hennen in einem Artikel des "Deutschlandfunks" über eine als Personalberaterin tätige Graphologin, die als Beispiel die Schriftproben eines potenziellen Geschäftsführers sowie eines Sachbearbeiters vergleicht. Aus der von ihr als eckig und kantig empfundenen Schrift der Führungskraft deutet sie auf einen Menschen mit "Ecken und Kanten". Die einfache Formung der Sachbearbeiterhandschrift lässt für sie Anpassungsbereitschaft erkennen. Etwa dreißig Schriftmerkmalen will die Graphologin Charaktereigenschaften zuordnen können. So heißt es in einer in dem (durchaus kritischen) Artikel zitierten Schriftanalyse für einen Bewerber: "Er hat gelegentlich Stimmungsschwankungen zu bewältigen, wobei er seine innere Lässigkeit nie verleugnen kann. Insgesamt ein strebsamer, in seiner Persönlichkeit aber wenig festgelegter Mensch, der Regeln und Normen freizügig auslegt." Wie die Graphologien zu solch weitreichenden Persönlichkeitsanalysen anhand der Schrift eines Menschen kommen will, bleibt offen. Nach ihrer Aussage nehmen in Deutschland fünf bis zehn Prozent der Firmen den Rat von Graphologen in Anspruch, in anderen Ländern offenbar deutlich mehr. Dies ist allerdings höchst bedenklich, fehlt der Graphologie doch jeder wissenschaftliche Nachweis, weshalb sie, früher Bestandteil der Psychologie, in den siebziger Jahren aus den Universitäten verbannt wurde. Die Aussagen der Graphologen über Persönlichkeitsmerkmale der Schreiber waren mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht vereinbar. So ließ Gershon Ben Shakhar von der Hebrew Univerity in Jerusalem die Schriftproben von 80 Bankangestellten von Graphologen bewerten. Deren Aussagen über berufliche Eignung und soziale Kompetenz wurden mit den Erfahrungswerten der Vorgesetzten, die ihre Mitarbeiter über viele Jahre beobachten und bewerten konnten, verglichen. Dabei waren die Ergebnisse nicht besser, als wenn sie mit dem Zufallsgenerator erstellt worden wären. Ben Shakbar gesteht den Gutachten der Graphologen denn auch nicht mehr Relevanz als Kaffeesatzleserei zu.
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