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24.11.2004 (GWUP) - Auf einer professionell konzipierten und gestalteten Webseite wird im Internet vor dem schädlichen Einfluss von Erdstrahlen durch den Besuch von Internetseiten, die Nutzung von Computern, Breitbandleitungen und teuren Flachbildschirmen gewarnt. Die Erdstrahlen hätten angeblich zersetzende Wirkung auf das menschliche Immunsystem.
Ferner werden Bandscheibenvorfall, Schuppenflechte, Kurzsichtigkeit, Verfolgungswahn, vorzeitige Ejakulation und Computer- und Spielsucht als Gefahr genannt. Doch es gibt Lösungen. Neben einem HTML-basierten Säuberungsprotokoll für Webseiten wird vor allem eine 189 EUR teuere Vorrichtung angeboten: Der patentierte RayWeck.Sie meinen, das kann nur ein schlechter Scherz sein? Recht haben Sie. Erst nachdem der unbedarfte Besucher der Seite den ersten intellektuellen Schock überwunden hat, stößt er auf eine erhellende Information: "Es wurden keine Daten übertragen. Es gibt keine Dr. Gernot Hochbürder Stiftung. Und es gibt keine Erdstrahlen im Internet - hoffentlich! Diese Internet-Seite ist Satire." Die GWUP findet diese Satire sehr gelungen und interviewt den Initiator der Webseite, Herrn Maisriml, zu seiner kreativen Idee.
Herr Maisriml, mit welcher Motivation haben Sie diese Satire ins Internet gestellt? Einfach die Lust, meine Werkzeuge und Fähigkeiten als Werbe-Graphiker „nachzuschärfen“; die Möglichkeiten, wie man Menschen über Sprache und Gestaltung der Werbung beeinflussen kann und diese dann aber gerade so weit zu dehnen und aufzubauen, dass es zur Satire wird. Es sind nur Details, die die Website von „ernst gemeinten“ unterscheidet; der gelegentlich doch etwas übertriebene Ton, das „Sex“-Bild („Wollen SIE so enden??“) und natürlich der fachliche Unsinn, den aber viele gar nicht durchschauen. Dass ich mir gerade dieses Thema ausgesucht habe, liegt an persönlichen Erfahrungen. Welche Erfahrungen waren das? Zum einen: Ich habe mich lange mit Elektrotechnik befasst und kenne mich von daher relativ gut aus. Und zu dieser Zeit hatte ich in meinem Umfeld Mitglieder einer Gruppierung im Bereich Esoterik/NLP/Scientology – den Begriff „Sekte“ halte ich für völlig ungeeignet – und lernte als Außenstehender über die Jahre die Motivation und Mechanismen dahinter recht gut kennen. Ein Schlüsselerlebnis war für mich ein Kontakt mit Scientology selbst: ein modifizierter Persönlichkeitstest, sehr geschickt aufgebaut, dessen Sinn es in Wahrheit war, die Manipulationsfähigkeit potentieller Mitglieder zu testen. Der sprachliche Stil dieses Tests kommt auch auf meiner Site stark zum Tragen. Was genau meinen Sie damit? Manipulative und autoritäre Fragen, deren Antwort bereits den nächsten Satz ergibt. Aber alles in einem seriösen, aufklärendem Umfeld und langsam heranführend: Identifikation, Aufklärung, Hilfe. Es war erschütternd für mich, wie schnell dieser Mechanismus gerade auch bei gebildeten Menschen greift. Wie erklären Sie sich den Erfolg von realen unseriösen Angeboten im Internet? Das hat an sich nichts mit dem Internet zu tun. Die Menschen wollen an etwas glauben, das schon im Diesseits wirkt: Die einen, dass es geheime Möglichkeiten gibt, die anderen, dass sie damit reich werden. Ich formuliere die Frage etwas um: Macht das Internet dubiosen Anbietern von solchen Produkten das Geschäft leichter? Dass solche Angebote im Internet leichter anzubieten und somit häufiger anzutreffen sind, liegt einfach an den geringen Einstiegskosten, an der Anonymität und natürlich an der Flexibilität. Schnell in die Höhe bringen, abkassieren, untertauchen, mit demselben Angebot wieder woanders auftauchen. Und das Ganze mit 100 Eisen gleichzeitig und reihum im Feuer. Meine Mini-Website ist derzeit mit dem Begriff „Erdstrahlen“ unter den ersten 20 Treffern bei Google platziert (Nr 1 ist übrigens GWUP - Themen Erdstrahlen). Bei den Anzeigen auf der rechten Seite tummeln sich die „kommerziellen Angebote“. Es liegt an der speziellen Art, wie Google und andere Suchmaschinen die Treffer auswählen, sodass die Erdstrahlen-Apologeten nicht die Top-Ten überschwemmen. Vielen Dank für das Gespräch
Rouven Schäfer
Quellen:
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