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10.12.2002 (GWUP) - Kennen Sie „Triskaidekaphobie“? Mit diesem Fachbegriff, der bei Günther Jauch durchaus für die Millionen-Frage geeignet wäre, ist die weit verbreitete Angst vor der Zahl 13 geadelt worden. Ex-„Dallas“-Star Audrey Landers leidet angeblich ebenso an Triskaidekaphobie wie der Soft-Pianist Richard Claydermann oder der Schauspieler Al Corley („Denver Clan“). In vielen Hotels folgt auf den 12. Stock gleich der 14. Auch in Flugzeugen fehlt oft die Reihe 13. Genaue Zahlen daüber, wie weit die Angst vor Freitag, dem 13. verbreitet ist, gibt es nicht. Die aktuellste Umfrage dazu (von Instutit für Demoskopie, Allensbach) stammt aus dem Jahr 2000 und zeigte, dass 19 % der Männer und 26 % der Frauen der Zahl 13 eine besondere Bedeutung beimessen (dem Freitag übrigens nur 7 % bzw. 10%).
Wieso eigentlich? Statistisch gesehen passieren an den berüchtigten „schwarzen“ Freitagen nicht mehr Unfälle als an normalen Freitagen. Eine anderslautende Studie des ADAC aus dem Jahr 1984 ist längst als methodisch fehlerhaft widerlegt: Von den drei dreizehnten Freitagen, die der Automobilclub in jenem Jahr unter die Lupe nahm, zeigten zwei den normalen Durchschnittswert der freitäglichen Unfallhäufigkeit auf unseren Straßen. Verantwortlich für das vermeintliche Desaster war allein Freitag, der 13. Juli. An diesem Tag aber begannen in mehreren Bundesländern die Sommerferien, und das stark erhöhte Verkehrsaufkommen führte natürlicherweise auch zu mehr Unfällen. Freitag, der 13. - das ist kaum mehr als „ein Kokettieren mit dem Unglück“, hat auch der Volkskundler Dr. Gunther Hirschfelder von der Uni Bonn festgestellt. Ähnlich wie Muttertag oder Halloween ist Freitag, der 13. eine modische Erfindung, die keineswegs auf uraltes Erfahrungswissen und Überlieferungen zurückgeht. In früheren Zeiten maßen die Menschen nahezu allen Zahlen und Wochentagen eine spezifische Symbolik zu - und sowohl der Freitag wie auch die 13 waren je nach Region ebenso häufig positiv wie negativ besetzt. Erst im 20. Jahrhundert machte Freitag, der 13. als Unglückstag und postmoderner Markierungspunkt Karriere, als findige Journalisten ihn mit dem Börsencrash vom Mai 1927 und der beinnahe gescheiterten Apollo-13-Mission von 1970 in Verbindung brachten. Die bekannte Krimi-Autorin Patricia Highsmith dagegen bringt eine beachtliche Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion auf: „Mir brachte dieser Tag nur dann Pech, wenn ich ihn überhaupt bemerkte. Und das war selten.“ In der Tat sorgt die unheimliche Macht der so genannten selektiven Wahrnehmung dafür, dass bestätigende Ereignisse und eingetroffene Orakel erheblich besser in Erinnerung bleiben als Nieten. „Das ist so wie mit unseren Schwammerl-Fundstellen im Wald“, erklärt der AZ-Journalist Reinhold Dörrzapf: „Stellen, an denen wir einmal vor 20 Jahren drei Steinpilze auf einem Fleck aufgespürt hatten, halten wir noch immer für einen erstklassigen Steinpilz-Platz, auch wenn wir danach 19 Jahre lang vergebens vorbeigeschaut haben.“ Höchst wahrscheinlich ist es nur unsere innere Einstellung, die an einem Freitag, dem 13. diffuse Ängste so verstärkt, dass wir tatsächlich möglicherweise vom Fahrrad fallen oder irgendwo ausrutschen. Und so wird wohl nicht nur das Schlagersternchen Pia Zadora am Freitag, dem 13., auch weiterhin im Bett bleiben und den grausigen Tag verschlafen. Ob sie allerdings jemals ein 13. Monatsgehalt zurückgewiesen hat, ist nicht bekannt. Bernd Harder
Bernd Harder ist Autor des Buches "Junge Satanisten“. Weitere Informationen zu Freitag, dem 13.: Gunther Hirschfelder: Freitag der 13. - ein Unglückstag? (PDF, 734 KB) aus Skeptiker 1/2002.
Nachtrag: In der urspünglichen Meldung wurde der Prozentsatz derjenigen, die der Zahl 13 oder dem Freitag eine besondere Bedeutung beimessen, zu hoch angegeben. Die GWUP bedauert diesen Fehler. |