Fortbildung zum Quacksalber: Bundesagentur für Arbeit verweist auf Esoterik-Kurse Drucken E-Mail
 16.04.2009 (GWUP) - Wer das Kursangebot der Bundesagentur für Arbeit durchsucht, stößt auf Dutzende Angebote aus dem Bereich der Alternativmedizin, die beim besten Willen nicht empfohlen werden können.

Gibt man auf der Suche nach Weiterbildungsmaßnahmen, für die die Bundesagentur eigentlich eine seriöse Quelle sein sollte, etwa die Begriffe Bildungsbereich: Berufliche Weiterbildung -> Bildungsziel: Therapeut (was noch nichts Anstößiges ist) und dann als Filter ein Bundesland ein (hier am Beispiel Bayerns durchgespielt), erhält man an Fortbildungsangeboten so ziemlich alles, wovor Verbraucherschützer heutzutage warnen: Von Antlitz-, Augen- und Irisdiagnose über Bach-Blütentherapie und Fußreflexzonenmassage kommt man, schön alphabetisch gegliedert und mit den Adressen der jeweiligen Anbieter verlinkt, weiter zur Kinesiologie, Reiki, Schüßler-Salzen und natürlich zur Traditionellen Chinesischen Medizin. Innerhalb dieser kann man sich im kuriosen Fach „Meridian-Ausgleichsmassage" fortbilden lassen. Anbieter, man lese und staune: die Würzburger Berufsfachschulen für Kosmetik- und Fußpflege.

Nun mag es jedermanns eigene Sache sein, sich auf dem Gebiet der Alternativmedizin „fortzubilden", eine völlig andere Qualität gewinnt es, wenn die aus den Sozialversicherungsbeiträgen finanzierte Bundesagentur für Arbeit Weiterbildungen zwar nicht selbst anbietet, aber präsentiert, vor denen eigentlich von staatlicher Seite aus gewarnt werden müsste. Da hilft es auch nichts, wenn die Kurse zur Förderung mit Bildungsgutscheinen nicht zugelassen sind. Allein dass sie auf der Website der Bundesagentur erscheinen, vermittelt den Anschein der Seriosität.

Andreas Dietz vom Humanistischen Pressedienst verweist in einem Kommentar ironisch darauf, dass man den Anbietern der Esoterik-Kurse, die ihr Angebot eigenständig in die behördliche Datenbank einpflegen können, jetzt auf keinen Fall Steine in den Weg legen dürfe - der Arbeitsplätze wegen. Auch stellt sich die Frage, ob in die Datenbank nicht nur solche Angebote aufgenommen werden sollten, die jeder Arbeitsvermittler auch guten Gewissens weiterempfehlen könnte - Antlitz-, Augen- und Irisdiagnose zählen sicherlich nicht dazu...

Holger von Rybinski

Dietz, Andreas (2009): Obskurantismus bei der Bundesagentur für Arbeit. Humanistischer Pressedienst, 07.04.2009




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