Homöopath wegen Totschlags verurteilt Drucken E-Mail

13.06.2009 (GWUP) - Homöopathie gilt vielen als sanfte Alternative zur Schulmedizin. Wie gefährlich wirkungslose Alternativmedizin sein kann, zeigt der Fall eines im Alter von nur neun Monaten verstorbenen Säuglings mit einer schweren Hautkrankheit. Das Kind starb, weil die Eltern auf jede evidenzbasierte Behandlungsmethode verzichteten und ausschließlich Homöopathika verabreichten. Dafür wurden sie von einem australischen Gericht nun wegen Totschlags verurteilt.

Einem Artikel des Sydney Morning Herald zufolge litt die kleine Gloria Thomas an einem vermutlich erblich bedingten brennenden Hautausschlag. Nach Konsultation verschiedener Ärzte entschieden sich die Eltern, auf eine konventionelle Behandlung zu verzichten und ihre Tochter ausschließlich homöopathisch zu behandeln - mit fürchterlichen Folgen. Erst fuhren sie mit dem Kind in ihre frühere Heimat Indien, verweigerten auch hier den Rat eines Arztes, einen Hautarzt aufzusuchen. Kurzzeitige vermeintliche Erfolge der Alternativbehandlung konnten nicht verhindern, dass sich Glorias schmerzhafte Ekzeme verschlimmerten. Das Immunsystem des Kindes brach zusammen, es litt an Unterernährung. Nach einer zweimonatigen Behandlungsodyssee in Indien brachten die Eltern das Mädchen nach ihrer Rückkehr nach Australien doch ins Krankenhaus, als es an einem Auge Beschwerden entwickelte. Die Eltern glaubten, es handele sich nur um eine Bindehautentzündung. Tatsächlich litt Gloria zusätzlich noch an einer Entzündung, die die Hornhaut auflöste. Nach drei Tagen starb das Kind an einer Blutvergiftung. Zum Zeitpunkt seines Todes mit neun Monaten wog es gerade mal so viel wie ein drei Monate alter Säugling. Der begutachtende Pathologe meinte, er habe noch nie ein derart unterernährtes Kind gesehen. Umso tragischer als nach Aussagen eines Dermatologen vor Gericht das Mädchen mit moderner Behandlung innerhalb von 24 Stunden eine deutliche Verbesserung seiner Leiden hätte erfahren können. Die Medizinerin Susanne Cunningham äußerte angesichts der Schmerzen, die Gloria während ihres kurzen Lebens zu erleiden hatte, dies sei einer der Fälle, den sie nicht vergessen könne.

Trotzdem meinte der Vater - dem Blatt zufolge ein praktizierender und lehrender Homöopath - gegenüber der Polizei, dass die konventionelle Medizin Glorias Leben und Leiden höchstens verlängert, sie aber nicht geheilt hätte. Daran glaube er fest. Offenbar ebenso an die Wirksamkeit der Homöopathie, für die nach wie vor jeder wissenschaftliche Wirkungsnachweis fehlt. Das Gericht verurteilte die Eltern nun wegen Totschlags in einem Fall von besonderer Fahrlässigkeit.

Die Debatte über die Gefährlichkeit alternativer Behandlungsmethoden wird weitergehen. Dies wird Homöopathie-Gläubige allerdings nicht davon abhalten, an der Irrlehre festzuhalten.

Holger von Rybinski


Quellen:



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