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Fragen und Antworten zum „Schweizer Appell" Drucken E-Mail

13.06.2014 (GWUP): Letzte Woche veröffentlichten Schweizer Skeptiker einen Aufruf an die schweizerische Regierung, um gegen Pläne, unbewiesene „alternativmedizinische" Heilverfahren  künftig von den gesetzlichen Krankenkassen erstatten zu lassen, zu protestieren. Wir fragten eine der Unterzeichnerinnen, die Molekularbiologin Jasmin Barman-Aksözen, nach den Gründen für diese Aktion.

 
Schweizer Wissenschaftler kritisieren Erstattung von „Alternativmedizin" Drucken E-Mail

08.06.2014 (GWUP):  Vor einem Monat verkündete das Schweizer Innenministerium, dass künftig verschiedene „alternativmedizinische" Verfahren trotz fehlender Belege für deren Wirksamkeit in den Erstattungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden sollen. In einem Appell kritisieren skeptische Wissenschaftler diese Pläne.

Die Unterzeichner des vom „Verein für kritisches Denken" veröffentlichten Aufrufes halten den Beschluss des schweizerischen Bundesrates für höchstproblematisch. Als 2009 ein Volksentscheid zu dieser Thematik durchgeführt wurde, war das Ziel, Komplementärmedizin auf ihre Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit zu prüfen, um dann über deren Erstattung durch die gesetzlichen Kassen zu entscheiden. Nach Ansicht der Schweizer Skeptiker wird mit der Erstattung von Homöopathie, traditioneller chinesischer Medizin, anthroposophischer Medizin und Phytotherapie Vertretern dieser Therapierichtungen eine Sonderbehandlung gewährt und damit  ,,der Volkswille verhöhnt". Außerdem werde rationale, evidenzbasierte Medizin durch diese Entscheidung untergraben. Es dränge sich die Frage auf, warum Wissenschaft als Kriterium für andere Fachrichtungen beibehalten werden solle. ,,Warum nicht allen Therapiemethoden Tür und Tor öffnen? Warum überhaupt noch kontrollieren, ob Medikamente, welche von großen Pharmaunternehmen hergestellt werden, eine nachweisbare Wirkung haben?", so die Unterzeichner des Appells, darunter zahlreiche Mediziner sowie die auf der Skepkon 2014 als Referentin vertretene Molekularbiologin Jasmin Barman- Aksözen. Die Wissenschaftler verweisen in ihrem Appell auf die gewaltigen Fortschritte der medizinischen Forschung in den letzten hundert Jahren, die einen Zuwachs an Lebensqualität, zielgerichtete Behandlung von Krankheiten sowie Erfolge bei der Rettung von Leben gebracht habe. Diese Fortschritte seien nur möglich, wenn evidenzbasierte, also auf dem wissenschaftlichen Nachweis von Wirkung basierende Medizin das Fundament bleibe. Der Bundesrat solle daher nicht Politik auf Kosten von Wissenschaft betreiben, das oberste Kriterium zur Berurteilung von medizinischen Diagnosen und Therapien müsse auch künftig deren wissenschaftlich belegte Wirkung sein.

Damit stellt sich in der Schweiz das gleiche Problem wie in Deutschland, wo einzelne Therapien unabhängig von einer belegten Wirksamkeit erstattet werden können, wenn sie nach Ansicht von Vertretern dieser Methoden zum Behandlungsstandard gehören.
Den vollen Wortlaut des „Schweizer Appells", der online von Unterstützern unterzeichnet werden kann, lesen Sie hier.


Holger von Rybinski
 
 

 
GWUP im Radio - Kornkreise Drucken E-Mail

28.05.2014 (GWUP):  Das Team vom „GWUP-Magazin", der komplett von GWUP-Mitgliedern gestalteten Radiosendung, hat eine neue Episode fertiggestellt. Thema diesmal: Kornkreise.

 
Buntes Programm auf der Skepkon 2014 Drucken E-Mail

27.05.2014 (GWUP): Anlässlich der am Donnerstag beginnenden Skepkon möchten wir noch einmal auf die vielfältigen Programmpunkte im Umfeld der Konferenz hinweisen.

 
,,Medien-Doktor Medizin" unterstützt kritische Berichterstattung Drucken E-Mail

18.05.2014 (GWUP): Aufmerksame Leser der GWUP-Seiten wissen, dass wir gerne auf andere Webseiten mit kritischen Informationen verweisen. Heute werfen wir einen kurzen Blick auf das Portal „Medien-Doktor Medizin“.

Nicht erst seit der Verbreitung des Internets werden wir tagtäglich mit Meldungen aus dem Bereich der Medizin überschwemmt. Diese wiederum werden von anderen Journalisten aufgegriffen und weiterverbreitet. Irritiert über die unterschiedliche Qualität der Artikel zu Medizinthemen und der möglichen Irreführung oder Gefährdung von Lesern, wurde nach ausländischem Vorbild am Dortmunder Lehrstuhl Wissenschaftsjorunalismus schließlich „Der Medien-Doktor“ ins Leben gerufen.

Dieses Projekt hat sich zur Aufgabe gemacht, medizinjournalistische Beiträge durch Wissenschaftsjournalisten zu bewerten, um, wie es auf der Website heißt, „Lesern, Zuhörern und Zuschauern“ Informationen zu liefern, die es ihnen ermöglichen, sich „ein vollständiges Bild über eine medizinische Therapie, eine Behandlungsart, ein medizinisches Produkt oder einen diagnostischen Test" zu machen. Vorrangig dient das Portal allerdings der Hilfestellung für Journalisten. Wenn also von einer vielversprechenden neuen Therapie berichtet wird, wäre es doch interessant zu wissen, auf welchen Informationen diese Behauptung beruht. Deshalb bemühen sich die „Medien-Doktoren“ um Belege und suchen nach den Quellen für diese Behauptungen. Wer sind die ,,Experten", die diese Meldungen in die Welt gesetzt haben? Handelt es sich bei der Quelle möglicherweise nur um die Pressemitteilung einer Firma, eines Interesseverbandes? Liegen wissenschaftliche Studien vor, sind diese seriös, wie war das Studiendesign? Werden wirklich evidenzbasierte Studienergebnisse oder Anekdoten als Belege für den Nutzen einer Behandlung präsentiert? Auch mancher Journalist dürfte bei der Berichterstattung zu derartigen Themen manchmal unsicher werden. Deshalb stellt der „Mediendoktor Medizin“ die Frage: „Wie unabhängig sind die Informationen und wie plausibel ist die Expertise?“

Die kritischen Wissenschaftsredakteure des Portals weisen beispielsweise darauf hin, dass zur Propagierung bestimmter Therapien ein regelrechtes Erfinden von Krankheiten (Disease Mongering) betrieben wird. Da werden normale Begleiterscheinungen des Lebens wie Falten, Haarausfall oder Schüchternheit gerne mal zu Krankheiten stilisiert, gegen die es natürlich ein Gegenmittel gebe. Oder aber tatsächliche Beschwerden werden in einem Artikel nicht korrekt oder übertrieben dargestellt. Deswegen werden Medizinartikel auch danach abgeklopft, wie relevant oder originell das Thema ist und ob der Beitrag die wesentlichen Fakten richtig wiedergibt.

Zur ersten Orientierung werden die Artikel mit Sternen bewertet (ein Stern: 1-20 Prozent der Kriterien erfüllt,  fünf  Sterne: 81- 100 Prozent).

Seit 2010 bewerten die Wissenschaftsjournalisten medizinische Pressemeldungen, darunter so schöne Artikel wie „Botox für die Seele“, der die Frage behandelt, ob Botox möglicherweise auch als Mittel gegen Depressionen eingesetzt werden könnte. Weitere Artikel untersuchen, ob es stimmt, dass Erdbeeren und Heidelbeeren das Herzinfarkt-Risiko bei Frauen senken können, oder ob Weißdorn gegen Herzschwäche wirklich hilft. Wie zuverlässig ist ein Bericht, demzufolge Sexualhormone angeblich gegen das Altern helfen? Wie bewerten die Autoren den Artikel einer Heilpraktikerin, die die fitmachenden Eigenschaften von Spargel preist? Bei einem Text zur angeblich krebshemmenden Wirkung von Erdbeeren wird beispielsweise auf das Sponsoring der zugrundeliegenden Studie durch Erdbeerproduzenten hingewiesen - ein Hinweis, der im besprochenen Text selbst fehlt. Naturgemäß fallen viele der aufgegriffenen Artikel auch in den Bereich „alternativer“ Heilverfahren. Für eine wissenschaftlich-kritische Bewertung sorgt dabei das namhafte Gutachter-Team des Medien-Doktors Medizin, darunter auch Nicole Heißmann und Dr. Christian Weymayr, Autoren des vieldiskutierten Buches „Die Homöopathie-Lüge“.

Vorrangig dient das Portal Wissenschaftsjournalisten als Orientierung. Zumindest der aktuelle Artikel „Die trügerische Kraft des Einzelfalls“ sollte, wenn es nach Skeptiker-Chefreporter Bernd Harder geht, „auch für Homöopathen und ,,Alternativheiler” jedweder Couleur Pflichtlektüre sein". Für alle anderen ist es auf jeden Fall eine interessante Lektüre und Hilfestellung im weiten Bereich der Medizinberichterstattung.

Holger von Rybinski

 
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