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Flinke Finger und eine Menge Blut

Als Statist bei einer illusionistischen „Wunderoperation“ von James Randi

Rouven Schäfer

„Kann man geistiges Heilen beweisen? Nein, aber wir können Daten über Heilerfolge erheben, die überzeugen.“ „Heilen heißt – psychodynamisch gesehen – heil werden, etwas ganz machen, die Einheit wiederherstellen – die innere Einheit von Leib – Seele – Geist wie die Einheit mit der ganzen Lebenswelt und mit dem allem zugrundeliegenden Geist des Lebens.“ So liest man auf den Internetseiten des Dachverbandes für Geistiges Heilen (Dachverband für geistiges Heilen 1996). Dieser Versuch, sich durch Immunisierung einer kritischen Überprüfung zu entziehen, ist symptomatisch für pseudowissenschaftliche Systeme, die einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten können.

Wie die Hoffnung unheilbar Kranker auf paranormale Heilung und ihre Bereitschaft zur Selbsttäuschung durch schlichte Taschenspielertricks ausgenutzt wird, zeigt sich bei einer näheren Betrachtung der so genannten Geistchirurgie. Im Internet finden sich zahlreiche Erfahrungsberichte, in denen die Wunderkräfte von Geistchirurgen auf den Philippinen und anderswo angepriesen werden. Diese behaupten, mit Fingern in den Bauch der Patienten eindringen und z. B. Tumore entfernen zu können, ohne dass eine Wunde oder Narbe an der Körperstelle zurückbleibt. Der Patient erhält keine Narkose und verspürt dennoch keine Schmerzen, Komplikationen gibt es keine. Unmöglich, sagen Sie? Das sagte sich auch der 1989 verstorbene Wissenschaftsjournalist Hoimar von Ditfurth. Er berichtete 1982 in der Zeitschrift GEO (v. Ditfurth 1982) ausführlich über den Schwindel mit den Wundern auf den Philippinen (siehe auch Skeptiker 1/1990, S. 4-9).

Auch der bekannte amerikanische Trickzauberer und Okkultaufklärer James „The Amazing“ Randi schrieb darüber in seinem Klassiker „Flim Flam“ (Randi 1982) und zeigte deutlich, wie einfach ein Zauberkünstler solche beeindruckenden, scheinbar paranormalen Effekte imitieren kann. Der Autor dieses Artikels erhielt im Sommer 2000 während eines Aufenthaltes bei der amerikanischen Skeptikerorganisation „Skeptics Society“ die Möglichkeit, als Statist bei einer illusionistischen „Wunderoperation“ Randis für einen kritischen Fernsehreport mitzuwirken. So nahm ich mit freiem Oberkörper meinen Platz auf einer Liege ein, und der „Wunderheiler“ wies mich an, einfach ruhig liegen zu bleiben (siehe Foto). Mit seinen Händen begann er dann meinen Bauch zu massieren. Während er das weitere Vorgehen für die Kamera mündlich skizzierte und so das Publikum ablenkte, schmuggelte er einen kleinen Beutel, gefüllt mit Rinderblut und Karottenstückchen, in seine linke Hand.

Im richtigen Augenblick durchstach er den Beutel mit einem Fingernagel der rechten Hand. Zugleich simulierte er das Eindringen seines Zeigefingers in meinen Bauch. Dazu bedurfte es nicht mehr als eines geschickten Abknickens der Finger, zumal das Blut bereits eindrucksvoll an meinem Bauch hinunter floss. Nach und nach brachte Randi nun die Karottenstückchen zum Vorschein und legte sie vor mir in eine mit Wasser gefüllte, durchsichtige Schüssel. Kein Zweifel, die blutigen Klumpen sahen wirklich schrecklich aus. Auch wenn unsere Zuschauer wussten, dass sie Zeugen eines Tricks waren, verblüffte der Anblick dieser Gebilde sie dennoch. Zum Schluss entsorgte Randi die Plastiktüte als klumpigen Fremdkörper, den er ebenfalls aus meinem Bauch herausgeholt zu haben schien. Anschließend wischte er das Blut etwas ab und fertig war die Wunderoperation.

Im Anschluss versicherten mir die Zuschauer, dass die Vorstellung sehr realistisch ausgesehen hätte. „Vor allem das Tierblut trug erheblich zum Aufbau der Illusion bei“, kommentierte Pat Linse, die Artdirectorin des Skeptic Magazine, ihren Eindruck. Wenn dies aber bereits für ein skeptisches Publikum verblüffend wirkte, welch ein Erlebnis muss solch eine vermeintliche Operation dann erst für unheilbar Kranke sein, die ihre letzten Ersparnisse für die verzweifelte Hoffnung auf ein Wunder ausgegeben haben?

Anhänger der Geistchirurgie würden jetzt vielleicht sagen: „Nur weil es künstliche Rosen gibt, heißt das noch lange nicht, dass keine echten existieren.“ Bei Rosen wissen wir jedoch, dass es echte gibt, bei solchen Operationen nicht. Es handelt sich bei Geistchirurgen schlicht um Trickzauberer (Federspiel u. Herbst 1996), die aber behaupten übernatürliche Fähigkeiten zu haben. Man kann prinzipiell an einer Idee festhalten, solange keine guten Gründe vorliegen, daran zu zweifeln. Solch eine Operation ist jedoch medizinisch nicht möglich, Gewebe- und Blutproben stellten sich als tierischen Ursprungs heraus bzw. wiesen bei der Untersuchung eine andere Blutgruppe auf als bei den entsprechenden Patienten (v. Ditfurth 1982, Federspiel u. Herbst 1996). Es gibt keine glaubwürdig dokumentierten Heilungserfolge, und schließlich imitieren Trickzauberer wie Randi die Operation perfekt: Wenn das keine Gründe zum Zweifeln sind!

Literatur

  • Dachverband für Geistiges Heilen (1996): www.dgh-ev.de/dok.html und www.dgh-ev.de/themen/heilen.html)
  • v. Ditfurth, H. (1982): Das Geschäft mit dem Wunder. Geo 11, 44 – 58
  • Federspiel u. Herbst (1996): Die andere Medizin – Nutzen und Risiken sanfter Heilmethoden. Stiftung Warentest, Berlin
  • Randi, J. (1982): Flim Flam. Prometheus, Buffalo, New York

Dieser Artikel erschien im "Skeptiker", Ausgabe 2/2001.



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