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| Die Mimikry-Hypothese - Verdeckte Kontaktaufnahme durch Außerirdische? |
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Klaus Richter EinleitungEs ist einer der faszinierendsten Gedanken der Menschheitsgeschichte: Sind wir allein im unendlich großen Universum, oder gibt es da draußen, jenseits unseres Sonnensystems auf den Planeten ferner Sterne noch andere intelligente Lebewesen, die wie wir staunen über die Wunder des Weltalls und versuchen, seine Geheimnisse zu ergründen? Gibt es sogar Kontakt mit solchen außerirdischen Intelligenzen? Dies ist eine Vorstellung, die sowohl die Wissenschaft wie auch die Grenzwissenschaft bewegt. In der Wissenschaft versucht man, den Nachweis außerirdischer Zivilisationen mittels des SETI-Projektes zu erbringen, neuerdings sogar in der Variante der Optical-SETI. Die Mimikry-Hypothesea. Grundlagen Um den Hintergrund der Mimikry-Hypothese näher darzulegen, muß ein wenig ausgeholt werden. Am Beginn steht die auch von Wissenschaftlern, ausgehend von Enrico Fermi, gestellte Frage: "Wo sind sie?" Der Nobelpreisträger Enrico Fermi folgerte, es gebe keine intelligenten Außerirdischen, denn gäbe es sie, müßten sie längst hier sein. Da sie es aber nicht sind, existieren sie nicht (6 - Fermi Paradoxon). aa. Tipler und Barrow Einen Schritt weiter gehen Tipler und Barrow. Mit ihrem 1986 entwickelten kosmologischen anthropischen Prinzip wird die Unwahrscheinlichkeit menschlicher Existenz belegt. Die Antwort der beiden Wissenschaftler auf das Fermi-Paradoxon lautet: "Wir sind allein, deshalb sind sie nicht hier." Tipler und Barrow gehen davon aus, daß sich intelligentes Leben nur auf Planeten entwickeln kann, die einen sonnenähnlichen Stern umkreisen. Diese Sterne haben eine Lebensdauer von etwa 10 Milliarden Jahren. Davon abhängig ist die Entwicklung intelligenten Lebens. Zwei Möglichkeiten gibt es: entweder, die Evolution der Intelligenz ist wesentlich kürzer als 10 Milliarden Jahre oder aber sie ist wesentlich länger als 10 Milliarden Jahre. Wendet man auf die erste Alternative das Prinzip der Mittelmäßigkeit an, dann müßte es bereits vor sehr langer Zeit auf der Erde Menschen gegeben haben - das ist aber nicht der Fall, der Mensch trat erst 3,8 Milliarden Jahren Evolution auf der Erde auf. Dieses Szenario steht vor der Schwierigkeit, daß es so lange dauerte, bis der Mensch entstanden war. Das Problem dabei ist nur, daß hier unsere Evolution als Maßstab genommen wird, was aber überhaupt nicht der Fall sein muß. Warum soll es nicht Intelligenzen geben, deren Evolution viel gradliniger als unsere verlief und die bereits 2 Milliarden Jahre nach Bildung der ersten Lebensformen entstanden waren? Doch schauen wir uns die zweite Alternative an. Sie besagt, die Evolutionszeit der Intelligenz sei wesentlich länger als 10 Milliarden Jahre. Das hat nicht zu bedeuten, daß sich intelligente Lebensformen immer so lange entwickeln, es kann, je nach Evolution, auch schneller gehen - wir sind ein gutes Beispiel dafür. Nimmt man an, es gibt 5x107 Planeten in der Galaxie, auf denen Leben entstanden ist, dann wäre die Wahrscheinlichkeit, daß sich auf einem dieser Planeten Intelligenz entwickelt, geringer als 2x10-3. Das bedeutet: Außer uns gibt es in dieser Galaxie keine weiteren intelligenten Lebensformen (6a). Das schwache Anthropische Prinzip ist unumstritten: Wenn wir in dieser Welt sind, um sie zu beobachten, muß sie so beschaffen sein, daß wir in ihr existieren können, d.h., alle Naturgesetze und Konstanten ermöglichen erst das Leben. Ändert man ein Naturgesetz oder eine Konstante, entsteht wahrscheinlich ein Universum, das völlig lebensfeindlich wäre. Soweit kann Tipler und Barrow noch gefolgt werden. Eigenartig mutet aber der Gedankengang an, wenn mit diesem richtigen und grundlegenden Prinzip argumentiert wird, außer uns könne es keine weitere Intelligenz in unserer Galaxie geben. Folgt man Tipler und Barrow, darf Intelligenz erst nach der mittleren Lebensdauer eines sonnenähnlichen Sterns auftreten, also nach etwa 5 Mrd. Jahren. Das, so wird argumentiert, sei die Antwort auf die Frage, warum der Mensch gerade jetzt, in der gegenwärtigen Evolutionsstufe des Universums entstanden ist. Und weil die Entstehung weiterer Intelligenzen rechnerisch nahezu unwahrscheinlich sei, gäbe es in unserer Galaxie keine weiteren Intelligenzen. Walter ist diesem Gedankengang sehr zugetan, auch wenn er ihn nicht als Glaubensdogma, sondern nur als Denkansatz versteht. Immerhin will er nicht die Existenz Außerirdischer in anderern Galaxien ausschließen. Das Problem dabei ist aber, daß unsere Evolution als Maßstab für die Evolution auf anderen Planeten genommen wird, ja, man sogar von einer sehr viel längeren Evolution ausgeht. Wie gesagt - wir wissen derzeit nicht, ob es Lebensformen auf Planeten ferner Sonnensysteme gibt, wir kennen nur unsere Erde mit der Evolution ihrer Lebensformen. Doch ist es wohl nicht angebracht, diese als generelles Modell zu nehmen, denn die Evolution auf der Erde wurde nicht zuletzt auch durch diesen Planeten geprägt. Wenn uns die Erforschung des Universums etwas gezeigt hat, dann ist es der Umstand, daß es uns immer wieder überrascht hat und alte, liebgewonnene Theorien über den Haufen geworfen werden mußten. So verwundert es auch nicht, daß sich alle mit solchen Erklärungen zufrieden geben wollten, warum auch: Unsere Galaxie ist riesig, ihr Durchmesser beträgt ungefähr 150.000 Lichtjahre und sie enthält etwa 400 Milliarden Sterne. Es könnte eben doch gut möglich sein, daß es irgendwo in dieser gigantischen Ansammlung aus Sternen, Nebeln und kosmischen Staub noch andere Zivilisationen gibt. So machte sich der bekannte amerikanische Astronom Carl Sagan Gedanken darüber, ob es nicht eine Art galaktische Enzyklopädie geben könnte, die Informationen über sämtliche technischen Zivilisationen der Galaxie bereit hält und uns zur Verfügung steht, wenn wir erstmals Kontakt mit einer außerirdischen Zivilisation aufgenommen haben (7). Es handelt sich dabei jedoch um ein Gedankenspiel Sagans für den Fall, daß wirklich einmal ein Kontakt zustande kommt. bb. Die Drake-Formel Eine echte Alternative könnte die berühmte "Green-Bank-Formel" von Frank Drake bieten. Diese Gleichung lautet ausgeschrieben (8): Es gilt, den Wert N zu ermitteln. Dieser bezeichnet die Anzahl der heute in unserer Milchstraße existierenden technischen Zivilisationen. Er ergibt sich aus der Multiplikation einer Reihe von Faktoren, die folgendes bedeuten: R*:Die Sternentstehungsrate einer Galaxie gemittelt über deren LebensdauerDie ersten drei Faktoren lassen sich heute recht gut bestimmen. Die mittlere Sternentstehungsrate in der Galaxie beträgt größenordnungsmäßig zehn bis zwanzig pro Jahr, wenn wir die Anzahl der Sterne in der Galaxis (ca. 400 Milliarden) durch das Alter des Universums (ca. 13 Milliarden Jahre) dividieren (9). Der zweite Faktor läßt sich ebenfalls berechnen. Jeder Stern ab einer bestimmten Größe kann eine Ökosphäre haben. Wie große die Ökosphäre in ihrer Ausdehung und wie weit entfernt sie von dem Stern ist, hängt davon ab, wie groß bzw. massehaltig der Stern ist. Eine Obergrenze gibt es nicht, wohl aber eine Untergrenze. So hat beispielsweise nicht jeder Stern eine Ökosphäre: Hat ein Stern weniger als 17% der Sonnenmasse, dann verschwindet die Ökosphäre gänzlich. Dies geht aus Berechnungen des NASA-Wissenschaftlers Michael Hart aus dem Jahr 1971 hervor. Je geringer also die Masse eines Sterns ist, desto näher rückt die Ökosphäre an ihn heran, desto schmaler wird sie auch. Bei Sternen, die 83% und weniger als die Sonnenmasse haben, gibt es keine Ökosphäre mehr. Damit fallen die meisten orangefarbenen Sterne des Spektraltyps K sowie alle roten Zwerge des Spektraltyps M weg - immerhin die weitaus größte Zahl aller Sterne in der Milchstraße (10). Es macht im Gegenzug übrigens keinen Sinn, bei heißen, massereichen Sternen nach außerirdischer Intelligenz zu suchen. Zwar gibt es dort eine Ökosphäre, doch gibt es zwei Hindernisse: Einmal sind massereiche Sterne sehr aktiv, sie dürften bereits kurz nach ihrer Entstehung alles Baumaterial für Planeten aus ihrer näheren Umgebung weggefegt haben, zudem sind sie sehr kurzlebig. Die Zeit, die sie existieren, würde gerade mal zur Bildung primitivster Lebensformen ausreichen, bevor der Stern für immer vergehen würde. Der dritte Faktor läßt sich erst seit 1995 annährend berechnen. Seitdem wissen wir nämlich, daß es auch um andere Sonnen Planetensysteme gibt. Diese unterscheiden sich allerdings von dem unsrigen frappierend, handelt es sich doch überwiegend um Systeme, in denen Planeten, die zum Teil größer als Jupiter sind, in extrem engen Abstand um ihre Sonne kreisen. Ob dies die Mehrzahl aller Planetensysteme in der Galaxis ist, ist derzeit nicht klar, da unsere Technologie bislang nur ausreicht, solche extremen Systeme ausfindig zu machen (11). Alle übrigen Faktoren lassen sich derzeit nicht aufgrund wissenschaftlich abgesicherter Basis berechnen, hier ist man auf Spekulation angewiesen. Und hier offenbart sich auch die eigentliche Schwäche der Drake-Formel, denn je nach persönlicher Einstellung des Nutzers werden sich zahllose Zivilisationen oder, wenn überhaupt, nur sehr wenige ergeben. Die Formel ist damit weniger eine Formel im exakten mathematischen Sinne, sondern eher ein Vehikel zur Auswertung der eigenen Weltanschauung. Eine Antwort auf die Frage "Wo sind sie?" liefert sie nicht.
cc. Weitere Erklärungsversuche Es gibt aber noch weitere Ansätze, wie man sich einer Antwort auf diese Frage annähren kann. Sie lassen sich untergliedern in die Paläo-SETI-Hypothese, die Zeithypothese, physische Gründe und soziale Gründe (12). Schauen wir sie uns der Reihe nach an. 1. Paläo-SETI-Hypothese: Diese geht davon aus, daß Vertreter einer außerirdischen Zivilisation noch vor nicht allzulanger Zeit - innerhalb der letzten 5000 Jahre - die Erde besucht haben, diese aber nicht kolonialisierten, sondern Einfluß auf die Evolution und Geschichte des Menschen nahmen. Auch wenn diese Theorie sehr viele Anhänger hat, so steht sie doch wissenschaftlich auf sehr wackeligen Füssen. Zum einen erscheint es schwer nachvollziehbar, warum eine außerirdische Zivilisation die ungeheueren Mühen des interstellaren Raumfluges auf sich nehmen sollte, um uns Menschen zu beeinflussen, sich aber nicht hier anzusiedeln. Man könnte natürlich argumentieren, daß der Kontakt nicht durch die Außerirdischen selbst, sondern durch Robotsonden hergestellt wurde. doch müssen dafür erst einmal Belege gefunden werden. Bislang konnten die Vertreter der Paläo-SETI-Hypothese trotz 30jähriger, mehr oder weniger seriös betriebener Forschung, keinen Beweis finden. Ein anderer Punkt ist, daß viele Autoren der Paläo-SETI bereits von einem Kontakt ausgehen, obgleich zur Zeit von wissenschaftlicher Seite aus noch nicht einmal eine außerirdische Mikrobe zweifelsfrei nachgewiesen wurde, geschweige denn eine außerirdische Zivilisation. Die Paläo-SETI-Hypothese, die mehr Wunschdenken als Wissenschaft in sich vereint, läßt sich demnach zur Beantwortung von Fermis Frage "Wo sind sie?" nicht heranziehen. 2. Zeithypothese: Die Kolonisierung der Milchstraße dauert länger als zehn Milliarden Jahre = 15 Milliarden Jahre (Alter der Galaxis) abzüglich 4.5 Milliarden Jahre (Entwicklung außerirdischer Intelligenz), oder unsere Kultur tauchte als erste oder vor dem Erscheinen der Kolonialisierung der ersten Kultur auf. Aus zeitlichen Gründen hätte uns die Kolonialisierung bislang also nicht erreicht. Diesem Ansatz stehen mehrere Argumente entgegen: Zunächst ist es überhaupt nicht sicher, ob auch eine andere außerirdische Intelligenz 4.5 Milliarden Jahre für ihre Entwicklung benötigt. Wir gehen bei solchen Zahlen immer von unserer Evolution aus, die - es sei nochmals gesagt - ein Produkt unserer Erde ist. Intelligenzen könnten auch sehr viel schneller entstanden sein und mit der Kolonialisierung der Galaxie begonnen haben. Der zweite Punkt ist die Motivation einer solchen Intelligenz. Nehmen wir einmal an, es existiert neben uns in unserer Galaxie mindestens eine weitere Zivilisation, sie mag uns technologisch überlegen sein und des interstellaren Raumflugs fähig sein. Wer sagt, daß sie andere Welten kolonisieren wollen? Nur weil wir zur Zeit - theoretisch - davon ausgehen, daß der Mensch eines Tages in die Milchstraße vordringen würde, heißt das nicht, daß auch andere Kulturen so denken müssen (13). Das dritte Argument betrifft die Dauer der Kolonisierung der Milchstraße: Dieses Projekt würde, Berechnungen zufolge, etwa 50 Millionen Jahre in Anspruch nehmen. Für uns ist das ein gewaltiger Zeitraum, gemessen am Alter des Universums und der Galaxie ist es ein Klacks (14). Die Frage bleibt im Raum stehen: Wo sind sie? 3. Physische Gründe: Es gibt physikalische, biologische oder technische Schwierigkeiten, die den interstellaren Raumflug unmöglich machen. Eine Entfernung über Lichtjahre hinweg kann sich, wenn man in kosmischen Maßstäben denkt, sehr gering anhören - denken wir nur einmal an Alpha Centauri: Er ist nur 4.5 Lichtjahre von uns entfernt, verglichen mit unserer Nachbargalaxie, dem Andromedanebel, geradezu ein Katzensprung. Doch die Entfernungen im Kosmos sind so gewaltig, daß unsere Vorstellungskraft nicht mehr ausreicht. Nehmen wir ein einfaches Modell als Grundlage, um uns eine Vorstellung von kosmischen Distanzen machen zu können. Das Sonnensystem soll darin die Größe von 1:100 Milliarden haben, so daß 1cm im Modell einer Entfernung von 1 Millionen Kilometer in der Natur entspricht (15). Die Sonne hat danach einen Durchmesser von 1.4 cm, die Erde wäre 1.5 m, der Jupiter 8 m und Pluto 59 m entfernt. Der Durchmesser der Erde betrüge 0.1 mm, Jupiter wäre 1.4 mm groß, Pluto dagegen nur 0.02 mm. In diesem Modell wäre unser Nachbarstern Alpha Centauri 410 km, Sirius dagegen bereits 820 km entfernt. Das hört sich, verglichen mit unseren gewohnten irdischen Maßstäben, durchaus machbar an. Gehen wir dazu nochmals in unser Modellsonnensystem. Die bislang längste von Menschen durchgeführte Reise in der Geschichte ist das amerikanische Mondflugprogramm. Eine beeindruckende Leistung! Setzen wir diese in unser Modell ein, dann wird klar, welch ungeheuere Distanzen bereits unser Sonnensystem aufweist: Der Mond wäre von der Erde nur 0.384 cm entfernt ! Jetzt erst wird einem die Herausforderung klar, die sich bereits für einen bemannten Marsflug stellt - von eine Reise zu den Sternen ganz zu schweigen. Die Sterne, die für uns unverrückbar am Nachthimmel stehen, sind unvorstellbar weit entfernt. Dennoch ließe sich eine solche Reise theoretisch bewerkstelligen. Theoretische Pläne gibt es bereits jetzt. Doch um Menschen innerhalb ihrer Lebenszeit zu den fernen Orten zu bringen, muß man sich der Lichtgeschwindigkeit - 299792.458 km/s - annähren. Theoretisch wäre dies durch ein sogenanntes "Stauschaufelraumschiff" möglich. Der erforderliche Treibstoff - Wasserstoff - wird mittels einer großen "Schaufel" direkt aus dem All aufgesaugt, man könnte so in der Tat beinahe Lichtgeschwindigkeit erreichen und so im Lebensalter eines Menschen beispielsweise zum Sirius hin- und wieder zur Erde zurückfliegen. Doch es stellen sich zwei Probleme: Erstens läuft die Zeit an Bord des Raumschiffes langsamer als auf der Erde. Dieses als Zeitdilatation bezeichnete Phänomen ergibt sich aus Einsteins spezieller Relativitätstheorie, sie wurde auch schon experimentell bestätigt (16). Je weiter man mit einem solchen "Relativitätsraumschiff" in das Weltall vordringt, desto stärker wirkt sich der Effekt aus. Theoretisch könnte man so in etwa 20 Jahren zum Zentrum unserer Galaxie reisen, doch auf der Erde wären inzwischen 30.000 Jahre vergangen. Bei einer Reise beispielsweise zum Alpha Centauri würde sich die Zeitdilatation nicht so dramatisch auswirken, wäre aber dennoch für Reisende und Zurückgebliebene spürbar. Das zweite Problem ergibt sich aus Einsteins berühmter Formel "e=mc2": Je mehr man sich mit einem Raumschiff der Lichtgeschwindigkeit annährt, desto größer wird die zu bewegende Masse. Das aber bedeutet, daß man entsprechend mehr Energie benötigt, um beschleunigen zu können. Bislang läßt sich nicht klären, wie man die dafür erforderlichen Energiemengen aufbringen könnte. Außerdem darf nicht übersehen werden, daß Flüge im Weltraum durch äußere Einflüsse gefährdert sein können. Man stelle sich vor, ein beinahe lichtschnelles Raumschiff wird unterwegs von einem kleinen Meteoriten getroffen: Bei der hohen Geschwindigkeit wären die Folgen katastrophal. Man könnte sich natürlich eine Art Schutzschild vorstellen, doch würde dieser wiederum Energie benötigen. Sollte es gelingen, alle diese Probleme zu lösen, wäre ein Flug zu den Sternen immens teuer. Es fragt sich, ob es sich eine Zivilisation überhaupt leisten kann und will, derartige Risiken und Bürden auf sich zu nehmen. Man könnte natürlich an Generationenschiffe denken, die mit Unterlichtgeschwindigkeit fliegen, doch stellt sich auch hier das Problem der Motivation. Immerhin würde ein solcher Flug mehrere Generationen dazu zwingen, in einer künstlichen Umgebung mit dem Wissen zu leben, niemals auf einem Planeten existieren zu können. Doch ist nicht auszuschließen, daß es Zivilisationen gibt, die durchaus motiviert sind, derartige Generationenreisen durchzuführen. Auch wenn für lange Zeit ein Leben auf einem Planeten für die Reisenden ausscheidet, so ist doch vorstellbar, daß an Bord des Raumschiffes eine planetenähnliche Umgebung geschaffen wird, die den Reisenden das Leben erträglich macht und für genügend Abwechslung sorgt. Rein theoretisch ist die Kolonisierung der Galaxie auf diese Weise in ca. 50 Millionen Jahren möglich (17). Natürlich muß die Motivation, eine solche Reise anzutreten, den Aufwand und die Kosten zur Herstellung mindestens eines solchen Raumschiffes decken - auch eine außerirdische Zivilisation dürfte nur über begrenzte Rohstoffe verfügen. Motivationen wären zur genüge denkbar: Überbevölkerung auf dem Heimatplaneten oder im Sonnensystem, drohendes Ende der Heimatsonne oder andere kosmische Katastrophen, beispielsweise eine bevorstehende Supernova in der Nachbarschaft. Solche Ereignisse könnten sich bereits in unserer Milchstraße abgespielt haben. Bislang hat sich jedoch kein Kolonistenschiff hier blicken lassen, so daß diese Annahmen reine Spekulation bleiben. Die Frage von Fermi steht also weiter im Raum: Wo sind sie ? 4. Soziale Gründe: Hier gibt es eine ganze Palette von Argumenten, die gegen das Fermi-Paradoxon vorgebracht werden. Ulrich Walter hat diese in drei Unterpunkten zusammengefaßt: Beschaulichkeitshypothese, Selbstzerstörungshypothese und Zoohypothese (18). Emmanuel Davoust fügt noch weitere Unterpunkte hinzu: Die ökologische Hypothese, die Hypothese vom geistigen Horizont, die Hypothese der fehlenden Reife und die Mißtrauenshypothese (19). Und noch eine weitere Hypothese wurde von Johannes Fiebag und James W. Deardorff ins Rennen geworfen: Die Leaky-Embargo-Hypothese (20). Werfen wir einen näheren Blick auf diese Hypothesen, bevor wir uns kritisch mit ihnen befassen.
Alle diese Hypothesen klingen faszinierend, sind jedoch leider nicht geeignet, auf Fermis Paradoxon eine eindeutige Antwort zu geben. Zunächst einmal implizieren sie die Existenz außerirdischer Zivilisationen, die in einer ganz bestimmten, durchaus irdischen Weise denken. Das große Problem dieser Hypothesen ist ihre fehlende Falsifizierbarkeit. Wissenschaftliche Hypothesen müssen so vorgebracht werden, daß sie überprüfbar und damit auch falsifizierbar sind. Bislang ist das bei all den oben genannten Hypothesen nicht der Fall, zumal bislang noch nicht einmal die kleinste außerirdische Mikrobe nachgewiesen wurde. Aber nehmen wir einmal an, wir hätten die Existenz außerirdischer Zivilisationen nachgewiesen: Dann sind die genannten sozialen Gründe temporärer Art, sie können sich über das Entwicklungsstadium der Außerirdischen verändern und sich in das genaue Gegenteil verkehren. So bestand für unsere Zivilisation bis zum Ende des Kalten Krieges 1990 die erhebliche Gefahr eines allesvernichtenden Atomkrieges. Zur Zeit scheint diese Gefahr aufgrund der aktuellen politischen Entwicklung weitgehend gebannt zu sein. Warum sollen auch andere Zivilisationen nicht in der Lage sein, die Gefahr der Selbstvernichtung erfolgreich zu umschiffen? Außerdem: Einige Kulturen mögen tatsächlich soziale Gründe zur Vermeidung eines Kontaktes haben, doch muß das nicht auf alle zutreffen. Die Frage von Enrico Fermi bleibt also nach wie vor unbeantwortet. b. Die Mimikry-Hypothese 1990 Im Jahr 1990 veröffentlichte Johannes Fiebag die Mimikry-Hypothese erstmals in der Mitgliederzeitschrift der AAS, der "Ancient Skies (22)." Das besondere an dieser Hypothese ist, daß sie in einer grenzwissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht wurde und bislang auch nur im Bereich der Grenzwissenschaften kursiert. Der Einleitungssatz verdient bereits besondere Aufmerksamkeit: "Besuche und Eingriffe extraterrestrischer Intelligenzen (ETI) im Verlaufe der Erd- und Menschheitsgeschichte vorausgesetzt, muß eine derartige Hypothese auch in der Lage dazu sein, mögliche Schwachstellen in der Argumentation zu erkennen und zu erklären." Ausgangsgrundlage ist also die Annahme, es habe Besuche Außerirdischer in unserer Vergangenheit gegeben. Fiebag legt auch Indizien für einen Besuch oder eine Kontaktaufnahme durch Außerirdische vor, alles tragende Säulen der Paläo-SETI-Hypothese, von denen bislang zwar keine bewiesen, sondern eher entkräftet wurde, die aber dennoch in Kreisen der Paläo-SETI-Anhänger den Status feststehender Dogmen erreicht haben (23). Bereits zu Beginn seines Artikels macht Fiebag klar, daß für ihn die Besuche einer außerirdischen Zivilisation auf dieser Erde stattfanden (24). Aus der scheinbar bestehenden Diskrepanz zwischen der offenbarten Technologie der Außerirdischen und ihren tatsächlichen Möglichkeiten wird von Fiebag die Mimikry-Hypothese zunächst für die Paläo-SETI, später auch für die UFO-Forschung, in die Diskussion eingeführt. Sie besagt nach Fiebag folgendes (25): "Uns zu besuchen fähige außerirdische Intelligenzen besitzen einen so hohen technologischen ('magischen') Standard, daß sie ihr Erscheinen dem jeweiligen intellektuellen Niveau der Menschen unterschiedlicher Zeiten und unterschiedlicher Kulturen anpassen können. Gleichzeitig vermögen sie, künftigen, Raumfahrt betreibenden Generationen - d.h. in diesem Falle uns, die wir beginnen, ihre Spuren zu entdecken und dadurch auf einen Kontakt vorbereitet werden - Hinweise auf ihre Existenz, ihre Besuchstätigkeit und ihre Möglichkeiten zu geben." Mit der Mimikry-Hypothese lassen sich aus der Sicht der Paläo-SETI-Hypothese Begegnungen zwischen Angehörigen einer bestimmten irdischen Kultur und Außerirdischen erklären, ihre Voraussetzungen werden von Fiebag klar definiert: Die Existenz mindestens einer weit fortgeschrittenen Zivilisation in der Galaxis, die die Erde seit langer Zeit ausführlich beobachtet und die Entwicklung des Lebens lenkt und ein wohlwollendes Interesse gegenüber der Menschheit hat. Die Technologie dieser Zivilisation ist in unseren Augen "magisch", sie kann an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten Eingriffe vornehmen, die an das jeweilige Kulturniveau angepaßt sind. Dabei fahren die Außerirdischen zweigleisig: Den Empfängern ihrer Botschaft erscheinen sie als himmlischer Eingriff, späteren, technologisch fortschrittlichen Zivilisationen werden dadurch zur Aufnahme in einen "Galaktischen Club" angeleitet. Als sie 1990 erstmals erschien, war sie fest eingebettet in das Gedankengefüge der Paläo-SETI-Hypothese, obgleich Fiebag, wie er selbst schreibt, die Idee zu dieser Hypothese bei der Beschäftigung mit dem Phänomen der Marienerscheinungen kam (25 a). c. Die Entwicklung der Mimikry-Hypothese seit 1990 Das änderte sich mit dem Erscheinen von Johannes Fiebags Buch "Die Anderen" im Jahr 1994. Darin versucht Johannes Fiebag, Erklärungen für das UFO-Phänomen zu finden, unter anderem auch für das sogenannte Entführungsphänomen. Positiv ist hervorzuheben, daß Fiebag sich ernsthaft um eine Erklärung des UFO-Phänomens bemüht und sich dadurch deutlich von den übrigen Autoren dieser Sparte abhebt, die ihre Ausführungen weitgehend auf wüsten Spekulationen stützen. Fiebag war überzeugt davon, daß das UFO-Phänomen durch eine außerirdische Intelligenz gesteuert wurde, und die Mimikry-Hypothese schien dafür eine geeignete Erklärung zu bieten (26): "Diese Anderen gehen dabei sehr geschickt und sogar mit einem gewissen hintergründigen Sinn für Humor vor. Sie begegnen unseren Ahnen, die sie für Götter halten, nicht nur als lichtdurchflutete Wesen, sondern als 'Astronauten:' Sie benutzten Raumschiffe, die heute einwandfrei rekonstruierbar sind, sie gestalten Tempel zu Erdbasen um, deren Zweck erst jetzt erkannt werden kann, sie hinterlassen technische Geräte und andere Artefakte, denen abenteuerliche Wege durch die Geschichte bevorstehen, und lassen Bauwerke errichten, die sich nun als Datenträger zeitunverträglicher Informationen entpuppen. Das wäre fraglos nicht nötig gewesen, wäre damit auch eine konkrete Botschaft verbunden: die Botschaft, daß wir beginnen sollen, uns, unsere Herkunft und unsere Auffassung von der Welt wieder in Frage zu stellen, unter einem neuen und anderen Licht zu sehen. Es ist die Veränderung des Blickwinkels, die zu neuen Aus- und Einsichten führt." In dem Buch "Kontakt", das sich mit dem Entführungsphänomen im deutschsprachigen Raum befaßt, geht Fiebag nochmals auf die Mimikry-Hypothese ein (27): "Mimikry bedeutet 'perfekte Tarnung.' Wir wissen nichts oder nur sehr wenig über die Motivation jener Intelligenz, die sich hinter dem UFO-Phänomen verbirgt. Sie benutzt dieses Phänomen, es ist ihr Werkzeug, ihr Instrument. Es ist nichts weiter als die Maske, die wir sehen, eine schillernde Maske, voll bizarrer, glitzernder, verwirrender Züge. Wir lassen uns davon blenden, weil wir gar keine andere Möglichkeit haben. Wir können nur die Oberfläche sehen, der Blick ins Innere bleibt uns verwehrt. Und 'die Anderen' wissen wissen, wie wir auf diese Maske reagieren, eine Maske, deren Antlitz sich beständig ändert - je nachdem, was wir erwarten. Jene Bilder, die sich kollektiv im Unterbewußten der Menschen eingenistet haben, genau diese Bilder spiegeln sie uns wieder. Und darum sind es wir selbst, die wir uns in der Maske der Fremden sehen: Es sind unsere Gefühle, unsere Ängste, unsere Freuden und unsere Träume. (...) Diese Tarnung ist perfekt. Sie erlaubt den Fremden eine nahezu unbegrenzte Handlungsfülle." 1996 wurde die Mimikry-Hypothese dann nochmals in dem Buch "Sternentore" aufgegriffen (28): "Sie (die 'Anderen', Anm. KR) maskieren sich, sie tarnen sich, sie spielen uns etwas vor. Sie narren uns mit genau den Bildern, die wir gerne sehen möchten. Dies ist eine Art Mimikry-Verhalten (...) Die Anderen scheinen ein ganz ähnliches Verhalten uns gegenüber an den Tag zu legen. Auch sie tarnen sich, auch sie sind nicht das, was sie für uns zu sein scheinen. Wir sehen nur Bilder, Symbole, die wir akzeptieren, wenn auch nicht verstehen können. Viele glauben, diese Bilder seien die Fremden, die Symbole seien das, was real mit den Entführten kommuniziert." Einen wesentlichen Aspekt bei der Entwicklung und der Anwendung der Mimikry-Hypothese spielte für Johannes Fiebag und seinen Bruder Peter das Phänomen der Marienerscheinungen. 1991 veröffentlichten die Brüder das Buch "Himmelszeichen", in dem sie sich intensiv mit diesen Manifestationen auseinandersetzten und (29) "eindrucksvoll belegen konnten, daß 'Marienerscheinungen' nichts anderes sind als Offenbarungen einer außerirdischen Intelligenz, angepaßt dem Verständnis der kontaktierten Personen (...) Religiöse Verbrämung dort, wo es nötig ist; Maskierung, den soziokulturellen und gesellschaftlichen Bedingungen angepaßt; Rückgriff auf die Phantasien und Vorstellungen der Menschen selbst; Tarnung unter einem Deckmantel dessen, was wir selbst zu sehen wünschen: Dies ist nichts anderes als ein ausgeprägtes Mimikry-Verhalten (...) Und genau das ist es: Anpassung. Diese fremde, außerirdische Intelligenz paßt sich uns an: unserem Verständnis, unseren Vorstellungen, unseren Phantasien, Ängsten und Hoffnungen. Und in kaum etwas anderem wird dies so deutlich wie im Phänomen der 'Marienerscheinungen'." d. Kritik an der Mimikry-Hypothese Kann die Mimikry-Hypothese als eine Erklärung für eine mögliche Präsenz Außerirdischer auf der Erde oder im Sonnensystem herangezogen werden? Liefert sie eine befriedigende Antwort auf das Fermi-Paradoxon? Bei einer genauen Betrachtung der Hypothese und ihrer Entwicklung seit 1990 muß die Antwort "Nein" lauten.Doch Kritik soll nicht pauschal geübt werden, sie bedarf der Begründung. aa. Hypothese ? Zunächst einmal hat Johannes Fiebag selbst keinen Hehl daraus gemacht, daß es sich bei der Mimikry-Hypothese um eine Hypothese handelt (30): "Ich habe mit meiner 'Mimikry-Hypothese', wonach eine fremde, vermutlich außerirdische Intelligenz sich seit jeher unter verschiedenen Masken in unserer Welt manifestiert, viel Zustimmung erfahren, aber auch herbe Kritik einstecken müssen. Insbesondere die Analogie, wonach diese Intelligenz so weit über uns steht, daß sie in unsere Wirklichkeit eingreifen kann wie wir in die virtuelle Realität des Cyberspace, hat eine für mich selbst erstaunliche Polarität in der Diskussion erzeugt. Einige nahmen sie begeistert an, andere lehnten sie ab (allerdings, wie mir scheint, mit eher stark emotional statt rational begründeten Angriffen). Nun, wir werden sehen, ob sich diese Hypothese - und nur eine solche ist es! - weiter verifizieren lassen wird. Aber ich habe den Eindruck, wir werden im Endeffekt gar nicht darum herum kommen, genau das anzunehmen." Doch die Frage ist, ob die Mimikry-Hypothese als solche überhaupt den Anforderungen gerecht wird, die die wissenschaftliche Methodik an eine Hypothese stellt. Am Anfang stehen vielleicht Daten, Beobachtungen, Messungen, für die mehrere Erklärungen möglich sind. Eine Erklärung erscheint in der Hypothese als durchaus brauchbar, sie soll nun weitergehend untersucht werden. Dabei arbeitet man nicht mit dem Ziel, die Hypothese zu belegen, sondern muß eine gesunde Skepzis bewahren, denn am Ende einer Untersuchung kann auch die Falszifizierung der Hypothese stehen, wenn sich ein Argument als trügerisch erwiesen hat. Ein Beispiel aus der Archäologie soll dies verdeutlichen:
ad 1: Funktioniert jedes Glied in der Argumentationskette? Die Mimikry-Hypothese will eine Erklärung dafür liefern, wie sich eine außerirdische Intelligenz, die uns seit Jahrtausenden oder Jahrmillionen beobachtet, mit uns Kontakt durch Symbole, hinter einer Maske, aufnimmt und dabei auch Botschaften für spätere Generationen bereithält. Die Frage ist bereits: Besteht ein Kontakt zu einer außerirdischen Intelligenz? Das impliziert wiederum die Frage: Gibt es eine außerirdische Intelligenz, noch dazu eine, die in der Lage ist, die enormen Entfernungen zwischen den Sternen zurückzulegen? Die Antworten auf diese Fragen müssen - leider - nein lauten. Es gibt zur Zeit keinen Beweis für die Existenz außerirdischen Lebens. Astronomen vermuten, daß es auf dem Mars und dem Jupitermond Europa Leben geben könnte. Doch das müßte erstens bewiesen werden und wäre zweitens keine außerirdische Intelligenz, die Raumfahrt betreibt. Und bei fernen Sternen haben wir bislang keine Hinweise auf eine außerirdische Zivilisation finden können. Ein weiteres Glied in der Argumentationskette sind Argumente aus der Paläo-SETI, die auf einen Besuch in der Vergangenheit hindeuten sollen (23). Doch bislang gibt es für alle diese Argumente keinen wissenschaftlich überzeugenden Beweis, daß hier ein außerirdischer Einfluß im Spiel ist, im Gegenteil, bislang haben Archäologen und Völkerkundler keine Hinweise darauf finden können (35). Im Ergebnis bleibt also festzuhalten, daß die Mimikry-Hypothese keine Hypothese mit wissenschaftlich beachtlicher Aussagekraft ist. bb. Mutation: Von der Hypothese zur Tatsache In den Grenzwissenschaften herrschen andere Regeln als in der Wissenschaft. Dies gilt auch für die Paläo-SETI. In den letzten Jahren sind genug Belege zusammengetragen worden, die zeigen, daß hier weniger mit dem Ziel gearbeitet wird, den Erkenntnisgewinn zu steigern und eine wissenschaftlich akzeptable Alternativerklärung anzubieten, sondern vorrangig der Besuch außerirdischer Intelligenzen belegt werden soll. Die Paläo-SETI ist also weniger erkenntnisorientiert als vielmehr ideologisch motiviert. Auch die Mimikry-Hypothese dient diesem Zweck. Als erster Beleg mögen die Zitate oben unter c. dienen. Sie bezeugen, daß die Mimikry-Hypothese für ihre Vertreter längst nicht mehr nur Hypothese ist, sondern als feststehende Erkenntnis behandelt wird: Es ist eben so, daß außerirdische Zivilisationen die Menschheit beobachten und mit ihr hinter der Maske von Bildern und Symbolen Kontakt aufnehmen. Es scheint, als sei der Beweis längst geführt worden. Doch wo ist er? Er läßt sich in keiner der einschlägigen Publikationen finden, vielmehr werden als Belege problematische Indizien herangezogen (26) "Diese Anderen gehen dabei sehr geschickt und sogar mit einem gewissen hintergründigen Sinn für Humor vor. Sie begegnen unseren Ahnen, die sie für Götter halten, nicht nur als lichtdurchflutete Wesen, sondern als 'Astronauten:' Sie benutzten Raumschiffe, die heute einwandfrei rekonstruierbar sind, sie gestalten Tempel zu Erdbasen um, deren Zweck erst jetzt erkannt werden kann, sie hinterlassen technische Geräte und andere Artefakte, denen abenteuerliche Wege durch die Geschichte bevorstehen, und lassen Bauwerke errichten, die sich nun als Datenträger zeitunverträglicher Informationen entpuppen." Beginnen wir einmal mit der letzten Alternative: Bauwerke, die sich als Datenträger zeitunverträglicher Informationen entpuppen. Schauen wir uns die Fußnoten dazu an, finden wir Hinweise auf die Arbeiten von Wolfgang Feix, der beispielsweise in der Cheops-Pyramide in Giza ein kosmisches Zeichensystem sieht, eine Botschaft von Alpha Centauri (36). Diese Annahme wurde 1995 durch Frank Dörnenburg widerlegt, die Cheops-Pyramide enthält keine Hinweise auf eine kosmische Botschaft (37). Was ist mit dem Tempel, der zu einer Erdbasis umgestaltet wurde? Gemeint ist hier der Tempel, den der Prophet Hesekiel in den Kapiteln 40 - 42 beschreibt. Der Ingenieur Hans Herbert Beier rekonstruierte den Tempel nach den Angaben Hesekiels als Wartungsstation für ein Zubringerraumschiff, das wiederum nach den Angaben Hesekiels von Josef Blumrich, einem NASA-Ingenieur, rekonstruiert wurde (38). Seitdem gilt der Wartungstempel als eine feste Größe in der Paläo-SETI, allerdings verbunden mit einem wesentlichen Problem: Er konnte nicht lokalisiert werden. Nirgends auf der Welt fand sich ein Tempel, der den Ausmaßen und dem Aufbau entsprach, wie ihn Beier rekonstruiert hatte. Erich von Däniken unternahm beispielsweise einen Anlauf, den Tempel zu lokalisieren: Zunächst mußte die Tempelanlage von Chavin de Huantar als Tempel Hesekiels dienen (39), die jedoch keinerlei Gemeinsamkeiten mit Hesekiels Tempelvision hatte (40). Annette Pohlke gelang es, den Tempel Hesekiels als das zu beschreiben, was er war: Hesekiel beschrieb keine Wartungsstation für Raumschiffe, sondern in idealisierter Form den Tempel von Jerusalem, der durch die Babylonier zerstört worden war (41). Und natürlich überhaupt keine Belege gibt es dafür, daß uns Außerirdische in der Vergangenheit besucht haben und es derzeit noch tun. Dennoch wird dies wie eine bereits bewiesene Tatsache hingestellt, wie die unter c. aufgeführten Zitate zeigen. Dabei ist das Vorgehen der Autoren interessant und durchaus üblich in Publikationen der Paläo-SETI: Zunächst wird eine Erklärungsmöglichkeit angeboten und dies auch so gekennzeichnet. Im Laufe des Textes mutieren die Autoren die "Hypothese" zu einer bewiesenen Tatsache, so daß der Leser am Schluß des Textes glaubt, daß es einen außerirdischen Kontakt wirklich gibt. Interessant ist dabei auch, mit welcher Argumentation eine außerirdische Präsenz begründet wird (42): "Wie wahrscheinlich ist die Existenz einer solch überragenden Intelligenz? Da wir - wie Fogg belegt hat - davon ausgehen müssen, daß die gesamte Milchstraße bereits besiedelt war, als unser Sonnensystem erst entstand, ist die Wahrscheinlichkeit sogar als extrem hoch anzusetzen. Eine Intelligenz, die auf eine mehr als fünf oder sechs Milliarden Jahre andauernde bewußte und schließlich bewußt selbst gesteuerte Evolution zurückblicken kann, sollte nur noch wenig mit dem gemein haben, was wir unter 'biologischem Leben' verstehen. Die Manipulation mentaler Fähigkeiten (...) dürfte ihr vermutlich ebenso geläufig sein sie der Austausch mit anderen Seinsdimensionen oder (...) auch von Zeitreisen. Es ist zwar kaum zu vermuten, daß eine solche 'Rasse' sich seit Jahrmilliarden unserem Planeten widmet, aber bereits wesentlich unter diesem 'Maximumniveau' stehende Zivilisationen oder Zivilisationsgemeinschaften dürften in der Lage sein, die hier dargestellten Phänomene zu produzieren. Deardorff nennt einen um nur fünfhundert Jahre in die Zukunft projizierten Entwicklungsstand, bei dem uns bereits sämtliche Handlungen als 'magisch' erschienen." Diese Aussage genügt den Autoren bereits als Beleg für die Existenz mindestens einer hochentwickelten Zivilisation, die mit uns in Kontakt tritt, hier im speziellen Fall in Form der Marienerscheinungen. Zunächst einmal ist die Wahrscheinlichkeit, daß es sehr weit entwickelte Zivilisationen in unserer Galaxis gibt, gar nicht so hoch. Entgegen Fogg steht die Auffassung der STSCI-Mitarbeiter Villard und Livio, nach deren Theorie das Leben in unserer Galaxis spätestens vor 3, frühestens vor 7 Milliarden Jahren überhaupt eine reelle Chance hatte. Dann ist natürlich nach wie vor höchst spekulativ, ob es andere Zivilisationen gibt und wenn ja, wie deren technische Entwicklung verläuft und ob überhaupt eine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme besteht. Im Grunde haben die Aussagen der von den Fiebags zitierten Wissenschaftler keinerlei Wert, es sei denn, sie stützen sie auf Modellannahmen. Mangels auch nur der geringsten Kenntnis über außerirdische Zivilisationen kann man sich nämlich die Vorgehensweise Außerirdischer nur plausibel machen, wenn sie in den menschlichen Realitätstunnel verpackt werden, also vom menschlichen Horizont beurteilt werden. Doch davon erfährt man bei den Brüdern Fiebag nichts. ErgebnisAls Ergebnis läßt sich festhalten, daß es bislang keine überzeugende Antwort auf Enrico Fermis Frage "Wo sind sie?" gibt. Weder die Wissenschaft, schon gar nicht die Grenzwissenschaften - hier vertreten durch die Mimikry-Hypothese - vermögen zur Zeit darauf eine Antwort zu geben. Eine außerirdische Präsenz läßt sich vom wissenschaftlichen Standpunkt her nicht nachweisen, auch wenn dies nicht in so manches Glaubenskonzept passen mag. Ob allerdings die Annahme gerechtfertig ist, daß wir angesichts des fehlenden Kontakts die einzige technische Zivilisation in der Galaxis sind, erscheint voreilig. Nur weil wir bislang keine Hinweise auf außerirdische Zivilisationen gefunden haben, heißt das nicht, daß es sie nicht geben könnte. Vielleicht, so läßt sich vermuten, sind sie so weit von uns entfernt, daß wir nie die Gelegenheit haben werden, ihre Existenz zur Kenntnis zu nehmen. Die Suche nach außerirdischen Zivilisationen mag zwar aufregende Perspektiven bergen, aber es scheint zunächst einmal sinnvoller, in unserem Sonnensystem nach Lebensspuren zu suchen, beispielsweise auf dem Mars oder auf dem Jupitermond Europa. Dort werden wir keine intelligenten Lebensformen finden, wohl aber eine endgültige Antwort auf die Frage, ob Leben auch außerhalb der Erde entstehen kann. Dies wird das spannende wissenschaftliche Abenteuer sein, das uns in den nächsten zehn Jahren erwartet. Anmerkungen
Vorweg: Dank an Aleksandar Guzijan, der mir wertvolle Hinweise für diesen Beitrag gegeben hat. Literaturdtv-Atlas der Astronomie, 14. Auflage München 2000 Stand: 10. April 2001 |
















