Wahrsager Drucken E-Mail

Als Wahrsager bezeichnet man Personen, die behaupten, sie könnten künftige Ereignisse vorhersagen oder Wissen erlangen, das den bekannten Formen der Wahrnehmung verborgen ist. Verbreitete Wahrsagetechniken sind Handlesen, Kartenlegen und Astrologie. Die Wahrsagerei hat eine lange Tradition. Schon Quellen aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. erwähnen die Zukunftsdeutung aus den Eingeweiden von Opfertieren, die Deutung von Wahrträumen und andere Methoden.

In kontrollierten Tests sind Wahrsager nicht erfolgreicher, als der Zufall erwarten lässt. Dass dennoch viele Klienten von verblüffenden Treffern berichten, wird von Psychologen vor allem auf die Technik des „Cold Reading“ zurückgeführt, mit der Wahrsager beim Gesprächspartner den irreführenden Eindruck erwecken, sie seien umfassend über seine Persönlichkeit und seine Lebenssituation informiert. Im Kern besteht Cold Reading darin, aus dem Erscheinungsbild und dem Verhalten des Klienten (beispielsweise Kleidung, Körperhaltung, Sprechweise, scheinbar harmlosen Bemerkungen) Rückschlüsse auf die betreffende Person zu ziehen. Dies kann unbewusst geschehen oder aber gezielt eingesetzt werden, um den Zugang zu übernatürlichen Informationsquellen vorzutäuschen. Hinzu kommt, dass Wahrsager häufig allgemein gehaltene Aussagen verwenden, die der Klient auf seine individuelle Situation bezieht und als zutreffend bewertet (Barnum-Effekt).

Ferner bewirken Klienten nicht selten unbewusst das Eintreffen von vorhergesagten Ereignissen, etwa indem sie sich an einem Tag, für den ihnen ein Unfall vorausgesagt wurde, besonders unsicher verhalten und tatsächlich einen Unfall auslösen (selbsterfüllende Prophezeiung). Aufgrund dieses Mechanismus warnen Kritiker vor Beratungen durch Wahrsager, von denen nur sehr wenige eine fundierte Ausbildung im Hinblick auf Lebensberatung absolviert haben.

Inge Hüsgen, Wolfgang Hund

Links:

Literatur:

  • Minois, George (1998): Geschichte der Zukunft : Orakel, Prophezeiungen, Utopien, Prognosen. Artemis & Winkler, Zürich.
  • Hyman, Ray (2007): Cold Reading. Skeptiker 1/2007, S. 4-12.
  • Molz, Günter (2007) : Die psychologische Analyse des „Cold Reading“ durch Ray Hyman – 30 Jahre danach. Skeptiker 1/2007, S. 13- 15.

Stand: 12.11.2011



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