Wahrnehmungstäuschungen Drucken E-Mail

Entgegen einer verbreiteten Ansicht treten Wahrnehmungstäuschungen bei allen Menschen auf, unabhängig von Eigenschaften wie Leichtgläubigkeit oder Intelligenz. Es können alle Sinne betroffen sein.

Wahrnehmungstäuschungen lassen sich grundsätzlich nicht ausschalten. Sie entstehen in Situationen, in denen bewährte Methoden der Informationsverarbeitung im Gehirn falsch eingesetzt werden. Auf Grundlage von Informationen der Sinnesorgane konstruiert das Gehirn Hypothesen über die Außenwelt. Dabei folgt es Leitlinien, von denen sich einige evolutionär, andere im Verlauf der individuellen Entwicklung bewährt haben.

Ein Beispiel: Wenn regelmäßige oder vertraute Gestalten nur teilweise zu sehen sind, ergänzt das Gehirn die fehlenden Elemente. Dieser Mechanismus ermöglicht eine schnelle Reaktion. Beispielsweise wird ein gefährlicher Beutegreifer bereits erkannt, ehe er vollständig zu sehen ist.

In bestimmten Sonderfällen jedoch greifen diese Leitlinien nicht. Die Hypothesen des Gehirns sind falsch, es entsteht eine Wahrnehmungstäuschung.

Künstler und Wahrnehmungsforscher haben in den letzten Jahrzehnten Konstruktionen und Zeichnungen entworfen, die das Gehirn und die Sinne bewusst in die Irre führen und so die Arbeitsweise des Wahrnehmungsapparates verdeutlichen.

Wahrnehmungstäuschungen spielen bei vielen wissenschaftlich umstrittenen Behauptungen eine Rolle, etwa wenn die individuelle Wahrnehmung irrtümlich als Abbild der Außenwelt gedeutet wird. So lässt sich etwa ein großer Teil der Ufo- und Monstersichtungen durch Wahrnehmungstäuschungen erklären. Umgekehrt bergen Wahrnehmungstäuschungen die Gefahr, dass Forscher Befunde ignorieren, die nicht in ihr Weltbild passen. Die Wissenschaften haben deshalb eine Reihe von Methoden entwickelt, um dennoch zu verlässlichen Aussagen über die Welt zu kommen.

Inge Hüsgen, Dr. Rainer Wolf

Links:

Literatur:

  • Ditzinger, T. (2006): Illusionen des Sehens. Eine Reise in die Welt der visuellen Wahrnehmung. Spektrum Akademischer Verlag.
  • Gregory, R.L. (2001): Auge und Gehirn. Rowohlt, Reinbek.
  • Maelicke, A. (Hrsg, 1990): Vom Reiz der Sinne. VCH, Weinheim.
  • Skeptiker 4/1999: Schwerpunktheft Wahrnehmungstäuschungen

Lesen Sie außerdem bei den Skeptikern:

Stand: 11.09.2009



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