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Satanismus – Geht die Jugend zum Teufel?

"Teufel, der - Urheber all unserer Leiden und Besitzer aller guten Dinge dieser Welt."
(Ambrose Bierce: Des Teufels Wörterbuch)

"Es ist gar hübsch von einem großen Herrn, so menschlich mit dem Teufel selbst zu sprechen."
(Mephistopheles in: Johann Wolfgang Goethe: Faust I)

Termin: 7. November 2003

Referent: Bernd Harder, geb. 1966, Studium der Politikwissenschaft in Saarbrücken. Seit 1993 Redakteur für verschiedene Zeitschriften. Pressesprecher und Vorstandsmitglied der GWUP, Mitglied der Skeptiker-Redaktion und verantwortlicher Redakteur des "Skeptiker-Magazins". Zahlreiche Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen im Bereich Jugendliteratur, Esoterik/ Parawissenschaften/ Okkultismus/ Nostradamus u.a.

 

 

Kurze Zusammenfassung des Vortrags

Ist der Leibhaftige die neue Gefahr für die Jugend? Verführt "Harry Potter" zum Bösen? Was fasziniert junge wie erwachsene Menschen am Teufelskult? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Bernd Harder in seinem Vortrag "Satanismus – Geht die Jugend zum Teufel?". Die "Bamberger Skeptiker" hatten den fachkundigen Journalisten und Buchautor zu diesem Thema in die Otto-Friedrich-Universität eingeladen.

"Befragen Sie vier selbst ernannte Satanisten zu ihren Glaubensinhalten, und Sie werden vier verschiedene Antworten bekommen", so Bernd Harder. Ein für alle Satanisten gültiges Credo sei aus der Masse der Ansichten und Einstellungen kaum herauszufiltern. Auch stehe nur für sehr wenige Anhänger die kultische Verehrung des personifizierten Bösen im Vordergrund. Der moderne Satanismus predige vielmehr sozialdarwinistische Strategien für das alltägliche Leben und egozentrische Erfolgsstreben des Menschen: Selbstfindung, Durchsetzung und sexuelle Befreiung seien keine transzendenten Werte, sondern charakterisierten den Satanismus als "Genuss- und Power-Religion für das Diesseits", so Harder. Da verwundert es kaum, dass der "Schwarze Papst" und Autor der "Satanischen Bibel", Anton LaVey, den Satanismus in einer kapitalistischen Leistungs- und Spaßgesellschaft hoffähig machen konnte: Seit Mitte der 60er Jahre ist die "Kirche Satans" in den USA eine anerkannte Religionsgemeinschaft und zählt Gerüchten zufolge auch Hollywood-Größen zu ihren Mitgliedern. Jugendliche dagegen fänden im Satanismus eine Möglichkeit zum Protest gegen elterliche und gesellschaftliche Werte und Moralvorstellungen. Harder: "Der Jugend-Satanismus ist eine Patchwork-Religion mit vielen Elementen aus unterschiedlichen Quellen, die je nach individueller Vorliebe ausgesucht werden." Jugendliche suchten im Teufelskult nach eigenen Angaben "Thrill, Provokation und Mystik", wie es ihnen das Christentum beispielsweise nicht bieten könne. Hier grenzte Harder den Jugend-Satanismus scharf von der so genannten "Schwarzen Szene" der Grufties ab, denen – entgegen populärer Meinung – keine prinzipiell satanistischen Tendenzen unterstellt werden könnten. Dennoch hält er die düstere Weltsicht der Grufties für bedenklich: "Aus der spielerischen Beschäftigung mit Tod und Verlust wird noch früh genug im Leben dieser verwöhnten Wohlstandskinder bitterer Ernst."

Harder konzentrierte sich bei seinen Ausführungen auf eine wissenschaftlich-nüchterne Beschreibung des Phänomens Satanismus, ohne sich in theologischen oder gar metaphysischen Erklärungsmodellen zu verlieren. Er schürte weder Ängste, noch verharmloste er das schwer kriminelle Potenzial mancher Teufelsanhänger, die im Satanismus ihre Hassgefühle und Sadismen ausleben. Als völlig unhaltbar jedoch entlarvte der Referent den Vorwurf einiger fundamentalistischer Christen, "Harry Potter" verführe bereits im Kinderzimmer zum Bösen: An einem Filmausschnitt konnte Harder eindeutig belegen, dass die Protagonisten in Joanne K. Rowlings Bestseller sich vielmehr durch humanistische Werte wie Freundschaft und Opferbereitschaft auszeichneten, als bei jungen Lesern satanistische Allmachtsfantasien zu schüren. (sk)

 

 

Literatur und Links zum Thema

  • Harder, Bernd (2002): Die jungen Satanisten. Pattloch-Verlag.
  • Fromm, Rainer (2003): Satanismus in Deutschland. Olzog-Verlag.
  • Christiansen, Ingolf et al. (2006): Brennpunkt Esoterik. Okkultismus, Satanismus, Rechtsradikalismus. Hg. von Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde
    für Inneres - Landesjugendbehörde. (PDF-Datei, 850 kb)
  • Christiansen, Ingolf (2000): Satanismus. Gütersloher Verlagshaus.
  • Biewald, Roland (2000): Okkultismus, Satanismus. Evangelische Verlagsanstalt.
  • Mallinkrodt-Neidhardt, Sylvia (1992): Satanische Spiele. Neukirchener Verlag.

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