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| Bamberger Skeptiker » Events |
EventsHomöopathie: Mehr als nur Placebo-Effekt?"Homöopath, der - Der Humorist unter den Medizinern." (Ambrose Bierce: Des Teufels Wörterbuch) Termin: 11. Februar 2005 Referent: PD Dr. Rainer Wolf, geb. 1941, Studium von Biologie und Physik in Würzburg. Nach der Promotion 1968 Postdoc am Heiligenberg-Institut für Experimentelle Biologie, ab 1972 am Zoologischen Institut der Universität Würzburg, 1985 Habilitation. Forschungsaufenthalte in Eugene/Oregon und Moskau. Arbeitsgebiete: Experimentelle Analyse der Entwicklung von Insekten mit Zeitraffer- und elektronenmikroskopischer Technik, Entwicklung neuer mikroskopischer und experimenteller Methoden sowie psychophysische Untersuchungen zur Wahrnehmungs-"Zensur" beim binokularen Tiefensehen. Ansprechpartner der Würzburger Skeptiker. Mitglied im Wissenschaftsrat der GWUP und als Beisitzer im GWUP-Vorstand. |
| Kurze Zusammenfassung des Vortrags Wie wirken homöopathische Wässerchen und Pillen? Warum schwören in Deutschland so viele Heiler und Patienten auf Hahnemanns "Globuli"? Kann die Theorie der Homöopathie stimmen? Oder wirkt hier nur der Glaube an den Heilerfolg? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Rainer Wolf vom Biozentrum der Universität Würzburg in seinem Vortrag "Homöopathie: Mehr als nur Placebo-Effekt?". Die Bamberger Skeptiker hatten den habilitierten Biologen und Privatdozenten zu diesem Thema an die Otto-Friedrich-Universität eingeladen.
Falls das Konzept der Homöopathie wahr sei, dann müsse diese Lehre aufgenommen werden in die Universitäten, forderte Rainer Wolf gleich zu Anfang seines Vortrags - fair und unvoreigenommen. Zuvor aber stelle sich die Frage, ob die Wirksamkeit der Homöopathie über den Placebo-Effekt hinausgehe, so der Biologe weiter. Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand scheint das aber nicht der Fall zu sei, wie viele Studien belegen: Der "wissenschaftliche Mainstream" erkennt die Homöopathie nicht an, die "scientific community" verweigert diesem kruden Lehrgebäude die Aufnahme in ihre Gemeinschaft. Denn nach intensiver Forschung lautet das Urteil heute: "Die Homöopathie ist eine Außenseitermedizin, einzureihen neben anderen para- und pseudowissenschaftlichen Methoden wie Geistheilung, Pendeln, Bach-Blüten und Voodoo", sagt der Skeptiker. Punkt. Und dennoch: In der öffentlichen, oft mehr emotional als logisch gefärbten Diskussion schwelt ein Grabenkampf zwischen angeblich "verstaubter" Schulmedizin und ihrem vermeintlich "sanften, alternativen, komplementären und biologischen" Gegenstück. - Schicke, moderne Euphemismen für die harte Realität: Diese verweigert der Homöopathie nämlich bisher die Anerkennung. Denn Wissenschaft ist kein demokratisches System, in dem die Meinung der lautesten Mehrheit gilt: Hier zählen Fakten, nicht marktschreierische Leserbriefe in der Lokalpresse oder das Stimmungsbild der Durchschnittsbürger. Allerdings sei die Entwicklung der Homöopathie durch Samuel Hahnemann zumindest damals - vor rund 200 Jahren - durchaus ein großes Verdienst gewesen, meint Wolf. "Als Alternative zu Drastika wie Blei und Quecksilber waren verdünnte Mittel sicherlich gesünder, schließlich kann sogar die absurdeste Kur noch eine Placebo-Wirkung entfalten", so der Biologie weiter. Wie weit dieser Effekt gehen kann, zeigen Placebo-Operationen, wie sie in den 60er Jahren in den USA durchgeführt wurden: Die Placebo-Patienten empfanden dieselbe Besserung wie die tatsächlich Operierten. Und: Je teurer, bunter, größer, komplizierter, invasiver und exotischer das Placebo, desto besser seine Wirkung, wie diverse Studien zeigen. Doch die Wissenschaft hat sich seit Hahnemann weiterentwickelt. Seine "Simile-Regel" und der Glaube an "Hochpotenzen" stehen heute längst nicht mehr unkritisiert im Raum. Deshalb sei es auch mehr als fraglich, ob und wie sich das "geistige Wesen" der Ur-Substanz durch Schütteln und Verdünnen auf die Trägersubstanzen wie z.B. Wasser oder Alkohol übertragen könne. "Die homöopathische Verdünnung D20 beispielsweise entspricht einer im Atlantik aufgelösten Aspirin-Tablette", illustriert Wolf. Wie soll sich da noch eine Wirkung entfalten können - falls es überhaupt eine solche jenseits des Placebo-Effekts geben sollte? "Homöopathie ist keine Wissenschaft, sondern eine reine Glaubenssache", so Rainer Wolf in seinem Fazit. Das sei keine Dogmatik, Arroganz oder Hybris, sondern eine verlässliche wissenschaftliche Erkenntnis - die sich schon übermorgen jedoch als überholt erweisen könnte. Bis dahin aber ist sie gültig - auch wenn (finanziell involvierte) Homöopathen, unkritische Patienten und die steigende Zahl der "Wissenschaftsanalphabeten" das nicht so wahrhaben wollen ... (sk) Lesen Sie hier die Presse-Resonanz. |
| Literatur und Links zum Thema
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GWUP-Resolution zur Homöopathie Wir fordern Verbände, insbesondere solche im medizinischen Bereich, sowie Politik und Behörden dazu auf:
Die GWUP-Resolution lesen, unterschreiben und absenden! |
ReaktionenNur wenige Tage nach dem Vortrag von Rainer Wolf erschien dazu ein Bericht (Titel: "Irrationale, autoritäre Heilslehre") im Lokalteil des "Fränkischen Tags", Ausgabe A (17.02.2005): Der Artikel gab die wesentlichsten Inhalte der Veranstaltung wieder, doch schien auch die gedruckte Rekapitulation der Homöopathie-Kritik nicht jeden Anhänger der Außenseitermedizin überzeugen zu können. Ganz im Gegenteil, provozierte der Artikel doch rekordverdächtige zehn mehr oder weniger seriös formulierte Leserbriefe von verstörten, gereizten und beleidigten Homöopathie-Gläubigen in den folgenden Ausgaben des Blattes. Der Wortlaut dieser Beiträge kann aus urheberrechtlichen Gründen an dieser Stelle leider nicht gänzlich zitiert werden. Festzuhalten aber ist, dass ihr Duktus eher emotional als logisch stringent war. Manchen Autoren mangelte es nicht nur an wissenschaftlichen Grundkenntnissen, sondern sogar an ganz leicht recherchierbaren Basis-Informationen über die Veranstalter des Vortrags. Hier einige der schönsten und bizarrsten Zitate aus der Welt der Para-Mediziner und ihrer Anhänger und im Folgenden die Repliken von Rainer Wolf, Christoph Bördlein und Stefan Kirsch: |
Sylvia S. aus B.: "Was soll diese Verwirrtaktik? Es würde mich nicht wundern, wenn die Bamberger Skeptiker im Auftrag der Pharma- bzw. Mobilfunkkonzerne arbeiten. [...] Für mich sind seine [d.h. Rainer Wolfs] Worte nur ein Zeichen dafür, [...] dass Menschen wie die 'Bamberger Skeptiker' dazu da sind, uns in unserer Erkenntnis aufzuhalten. [...] Glücklicherweise falle ich auf solche Negativpropaganda nicht mehr herein." (FT vom 26.02.2005, S. 16) Dr. Christoph S. aus S.: "Wie bereits in verschiedenen Fernsehmagazinen berichtet, wurde am Pharmakologischen Institut der Universität Leipzig im Jahr 2003 eine wissenschaftliche Versuchsreihe im Reagenzglas mit homöopathischen und nicht homöopathischen Belladonnalösungen an der glatten Muskulatur des Rattendarms durchführt. [...] Es ist bedauerlich, dass die 'Bamberger Skeptiker e.V.' [sic!] einem Dozenten aufgesessen sind, der nicht über fundierte Kenntnisse der homöopathischen Behandlungsweise verfügt." (FT vom 04.03.2005, S. S6) - Nachträgliche Anmerkung: Inzwischen wurde die Leipziger Homöopathie-Studie von den Autoren selbst zurückgezogen, siehe auch hier. Wilma H. aus B.: "Die Erfolge der Bioresonanz, der Edelsteinfrequenztherapie, zum Beispiel, sind doch gar nicht mehr wegzudiskutieren. Nur alles zum richtigen Zeitpunkt anzuwenden ist die Schwierigkeit. [...] Was sollen also die unqualifizierten Aussagen gegen Homöopathie?" (FT vom 08.03.2005, S. 13) Jürgen K. aus S.: "Wohl eine Erscheinung unserer modernen Zeit, in der viele Menschen meinen immer noch alles besser wissen zu müssen. Sie [d.h. Rainer Wolf] sollten sich in dieser christlichen, vorösterlichen Zeit bei dem Humanmediziner Herrn Dr. med. Ernst Trebin für Ihre unverschämten Unterstellungen entschuldigen. [...] Ich wünsche Ihnen besonders zu unserem christlichen Osterfest, an dem Jesus aus lauter Ungläubigkeit ans Kreuz geschlagen wurde, dass Sie mehr Verständnis fürs Gesamte entwickeln können und nicht nur mit Ihrem offenbaren 'Dickkopf' an so genannte stoffliche Dinge 'scheuklappenartig' herangehen." (FT vom 15.03.2005, S. 13) Rolf K. aus B.: "Ist nicht der Glaube an Gott auch Homöopathie? Obwohl man Gott doch weder sehen, messen noch wiegen kann. Trotzdem hat er sicherlich schon vielen Gläubigen geholfen. So ist es auch mit der Homöopathie. [...] Es ist etwas, was im Bereich des Geistes stattfindet. Auch bei der Homöopathie wirkt meist der Geist des Medikamentes." (FT vom 16.03.2005, S. 16) Lydia L. aus H.: "Homöopathie als Placebo-Effekt hinzustellen, ist der Versuch, etwas zu diffamieren, mit dem man nicht umgehen kann, das 'unheimlich' erscheint, weil man es nicht ausgiebig mit Geräten messen kann. [...] Aber wie gesagt: Homöopathie ist auch (Welt)-Anschauungssache. [...] Im Übrigen möge er [d.h. Rainer Wolf] bedenken: Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde ..." (FT vom 18.03.2005, S. 15) |
| Homöopathen: Schamanen unserer Zeit?
(Antwort auf den Leserbrief von Dr. Ernst Trebin zu dem Artikel von Rudolf Görtler "Irrationale, autoritäre Heilslehre".) Der Titel des Leserbriefs "Aus dem Bauch heraus geurteilt" (FT vom 19.02.2005), den der Homöopath Dr. med. Ernst Trebin schrieb, trifft genau auf diesen Leserbrief selbst zu. Den Zorn des Verfassers kann ich ja verstehen. Da hat man sein Leben lang in eine Heilmethode investiert, sich einen Namen damit gemacht, und gelernt, die komplexen Details der homöopathischen Lehre zu durchschauen. Und jetzt kommt ein Wahrnehmungsforscher daher, der nicht einmal Mediziner ist, und behauptet, alles dies sei Unfug - und das auch noch begründet. Kein Wunder, dass einem da der Hut hoch geht und man, mangels sachlicher Argumente, wild um sich schlägt und versucht, den Überbringer der Nachricht zu disqualifizieren. Ein Urteil kommt in der Tat nur dem Fachmann zu. Denn ob die Homöopathie über Placebo-Effekte hinaus heilen kann, das ist keine Glaubenssache, die jeder nach Gutdünken entscheiden kann, sondern eine Frage, die mit wissenschaftlichen Methoden vorurteilsfrei und undogmatisch zu klären ist, nämlich durch Experimente. Das Ergebnis der überwältigenden Mehrheit aller Untersuchungen: Es gibt Placebo-Effekte, die durchaus Heilwirkung haben können, aber keine Wirksamkeit darüber hinaus: Die sorgsam ausgesuchten, individuell verordneten, hochpotenzierten Globuli können unbemerkt durch beliebige andere ausgetauscht werden, der Heilerfolg bleibt gleich! Dass diese wissenschaftlich logische Methode der einzige Weg zu verlässlicher Erkenntnis ist, hat Herr Trebin offensichtlich nicht verstanden. Und so täuscht er als Homöopath nicht nur die Patienten über die Seriosität seiner Methode, sondern - durch seine Erwartungshaltung - auch sich selbst. Diese Selbsttäuschung fällt in das Fachgebiet des Wahrnehmungspsychologen und ist unter dem Namen "therapeutische Illusion" wohl bekannt. Erkennbar und vermeidbar wird sie erst durch Testmethoden mit doppelter Verblindung, bei denen das zu testende, z.B. homöopathische Medikament oder aber ein Scheinmedikament (z.B. reiner Milchzucker) verabreicht wird, aber weder Patienten noch Therapeut wissen, wer was bekommt. Und bei solchen Tests sind homöopathische Mittel regelmäßig gescheitert – auch wenn Homöopathen dies nicht wahrhaben wollen. Dr. habil. Rainer Wolf |
Faire Skeptiker sind keine bezahlten Dogmatiker! (Zu den Leserbriefen bezüglich des Vortrages von Dr. Rainer Wolf in der Universität Bamberg.) Wissenschaftsfundamentalisten meinen, Homöopathie ist eine Quacksalberei, die von Wissenschaftsanalphabeten betrieben wird, und sie widmen ihr auch keinerlei Aufmerksamkeit. Die Bamberger Skeptiker vertreten dagegen den Standpunkt, dass auch bei außergewöhnlichen Behauptungen (wie der, dass eine milliardenfach verdünnte Substanz überhaupt irgendeine Wirkung entfalten kann) eine faire und unvoreingenommene Prüfung möglich ist. Unabhängig davon, wie Homöopathen die angebliche Wirkung ihrer Behandlung erklären, lässt sich prüfen, ob diese Behandlung überhaupt eine über den Placeboeffekt hinausgehende Wirkung entfaltet. Einigen wenigen Zuhörern scheint über stetem Kopfschütteln und dummen Zwischenrufen die Kernaussage von Dr. Rainer Wolfs Vortrag entgangen zu sein: Es ist in zahlreichen Untersuchungen, auch in solchen, die sich streng an die Vorgaben homöopathischer Behandler hielten (vgl. bspw. NHS Centre for Reviews and Dissemination, 2002, Homeopathy. Effective Health Care, 7, 3), geprüft worden: Homöopathie ist nicht mehr als eine Placebotherapie. Das heißt, es ist offenkundig egal, ob ein Homöopath dem Patienten die speziell ausgesuchten Kügelchen verabreicht oder beliebige andere: Der Effekt ist derselbe! Welches Licht dieser Befund auf die Theorie der Homöopathen wirft, möge jeder selbst beurteilen. Wem das angesichts der selbst erlebten subjektiven Heilerfolge unglaubwürdig erscheint, der frage sich doch des Weiteren, warum es keine homöopathische Notfallmedizin gibt (wer möchte schon beim Blinddarmdurchbruch zum Homöopathen gehen?) und warum es vor allem so genannte Befindlichkeitsstörungen und Allerweltserkrankungen sind, die vom Homöopathen "geheilt" werden. Ergreifende Geschichten von Homöopathen und anderen Alternativmedizinern, die bei hoffnungslosen Krankheitsgeschichten anscheinend doch noch die Wende brachten, gibt es einige. Millionenfach aber werden tagtäglich Menschenleben durch die wissenschaftliche Medizin gerettet, ohne dass darum großes Aufheben gemacht wird. Sicher gibt es auch Beispiele von "Schulmedizinern", die Schaden angerichtet haben. Dagegen aber kann man Beispiele von unfähigen oder betrügerischen Alternativmedizinern stellen. Um feststellen zu können, was wirklich Sache ist, welche Methode also hält, was sie verspricht, bedarf es der Wissenschaft. Mir fällt hier das schizophrene Verhältnis auf, das Esoteriker zur Wissenschaft haben. Zwar möchten sie gerne als "wissenschaftlich abgesichert" gelten und nicht auf das damit verbundene Prestige verzichten. "Wissenschaftlich abgesichert" ist jedoch kein Etikett, das man sich nach Belieben anhängen kann, sondern das Ergebnis einer Prüfung an der Realität, die die Möglichkeit der Täuschung weitgehend ausschließt. Wenn die Realität dem Esoteriker die Bestätigung verweigert, ist der nächste Schritt vorprogrammiert: Dann gibt es eben gute Wissenschaftler (Bekannte mit Doktortitel, die die Position des Esoterikers bestätigen) und böse, von der Industrie gekaufte Wissenschaftler, die man auch, wie Dr. Trebin Herrn Dr. Wolf, mal eben als Pseudowissenschaftler diffamieren kann, ohne freilich zu wissen, was Pseudowissenschaften eigentlich sind. Zu den Leserbriefen: Herr Ott möchte lieber irrational geheilt werden als rational leiden - und er hat Recht. Man muss nur hinzufügen: Wenn er denn geheilt wird und wenn es denn die irrationale Heilmethode war, die tatsächlich die Besserung gebracht hat. Ich selbst kenne das Gegenbeispiel einer homöopathiegläubigen Bekannten, die mal gesund, aber auch recht häufig krank ist. Gerechtfertig wird das vom behandelnden Homöopathen so: Ist sie gesund, hilft die Homöopathie. Ist sie krank, bringt die Homöopathie nur die ganzen Krankheiten zum Vorschein, die sonst verborgen in ihr lauern. DAS nenne ich irrational leiden. Ein Wort an Frau Scheinost: Die Bamberger Skeptiker sind eine Regionalgruppe der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) e.V., einem wegen Förderung der Volksbildung als gemeinnützig anerkannten, bundesweit tätigen Verein mit gegenwärtig über 700 Mitgliedern, größtenteils Wissenschaftler, Ärzte, Ingenieure und Journalisten. Ihre Mitglieder sind praktisch ausnahmslos ehrenamtlich tätig. Wir ziehen keinerlei finanziellen Vorteil aus dieser Tätigkeit, im Gegenteil, unser Einsatz für kritisches Denken und Aufklärung bringt uns immer mal wieder mehr Ärger als Freude. Im Gegensatz zu dem homöopathisch praktizierenden Allgemeinmediziner und dem Naturkostladenbesitzer, die hier schon ihre Meinung kundtaten, haben wir nichts davon, uns pro oder contra Homöopathie zu äußern. Die Pharma- und Mobilfunklobby hat mich und meine Kollegen bislang noch nicht mit Bestechungsangeboten in Versuchung gebracht. Und auch die CIA und die Außerirdischen haben uns nichts dafür gegeben, als wir vor drei Jahren ein angebliches UFO über Bamberg als Segelfliegerschlepphaken enttarnten und so die etwaige Besorgnis über eine Gefahr aus dem All zerstreuten (siehe www.bambergerskeptiker.de). Dr. Christoph Bördlein |
Leipziger Homöopathie-Studie: pseudowissenschaftliche Falschmeldung (Zum Leserbrief "Wirksamkeit homöopathischer Arzneien wissenschaftlich nachgewiesen" von Christoph Schumm im FT vom 4. März.) Christoph Schumm behauptet, die Wirksamkeit homöopathischer Arzneien sei wissenschaftlich nachgewiesen. Dabei bezieht er sich auf die Berichterstattung "in verschiedenen Fernsehmagazinen" über eine angeblich "wissenschaftliche Versuchsreihe" an der Universität Leipzig. Wissenschaftliche Weiterbildung zwischen "Marienhof" und "Tatort"? Telekolleg "Homöopathie"? Bleibt zu hoffen, dass der Arzt und Homöopath Schumm seine medizinischen Kenntnisse nicht alle aus der Flimmerkiste zieht. Denn die "detaillierte Publikation" des Leipziger Forschertrios Karen Nieber, Wolfgang Süß und Franziska Schmidt steht keinesfalls unkritisiert im Raum. Drei Wissenschaftler anderer deutscher Universitäten - Prof. Gerhard Bruhn, Prof. Erhard Wielandt und Dr. Klaus Keck - haben die Studie geprüft und vernichtend beurteilt: "Pseudowissenschaften", "Desinformation" und "Falschmitteilung" sind nur einige der kaum schmeichelhaften Etiketten, die der Leipziger Studie anhaften (siehe unter www.xy44.de/belladonna oder - auch aus dem Fernsehen - bei www.3sat.de/nano). [Nachträgliche Anmerkung: Inzwischen wurde die kritisierte Veröffentlichung von Nieber, Süß und Schmidt von den Autoren selbst zurückgezogen und der Preis ebenfalls zurückgegeben, siehe auch hier.] Hier nur einige Kritikpunkte, aus Platzgründen in homöopathischen Dosen sinngemäß zitiert: 1) Die homöopathischen Lösungen (Belladonna D60 und D100), welche das Leipziger Team angeblich untersucht hat, lassen sich gar nicht herstellen. Denn jeder Wasserlauf nimmt unzählige feine Substanzen auf, die intensiv vermischt, "geschüttelt" und verdünnt werden. Nach magisch-homöopathischen Vorstellungen entstehen dadurch "Abbilder" dieser Substanzen im Wasser. Aber woher soll das Wasser im Leipziger Labor "wissen", welches der vielen in ihm enthaltenen "Abbilder" potenziert werden muss? 2) Die Hemmwirkung von konzentrierter Belladonna bzw. von Atropin auf die glatte Muskulatur ist medizinisches Grundwissen. Nach homöopathischem Glauben müsste eine Belladonna-Verdünnung aber das Gegenteil bewirken, nämlich Kontraktion. Es widerspricht also der Homöopathie selbst, wenn die Belladonna-Verdünnung den Rattendarm stattdessen tatsächlich entspannt haben sollte! 3) Die Leipziger Forschungsergebnisse beruhen nicht auf objektiven Messergebnissen, sondern auf psychologisch und methodisch bedingten Messfehlern. Die Versuchsdaten wurden durch Selektion an das erwartete Ergebnis angepasst. (Details: siehe obige Quellen!) 4) Die "Internationale Gesellschaft für Homotoxikologie e.V." hat den Autoren ein Preisgeld von 10.000 Euro für ihren vermeintlichen Nachweis der Homöopathie gespendet. Diese Gesellschaft ist eng verbunden mit der Firma "Biologische Heilmittel Heel GmbH" (derselbe Gründer!), die nach eigenen Angaben der größte Hersteller von Homöopathika in Deutschland ist. - Profitiert diese Firma nicht beträchtlich von einer solchen (bezahlten?) Pro-Homöopathie-Studie? Das sind aber nicht die einzigen bedauerlichen Recherche-Pannen, die Christoph Schumm unterlaufen sind: Denn nebenbei bemerkt, handelt es sich bei den "Bamberger Skeptikern" nicht um einen "e.V." (nachzulesen unter www.bambergerskeptiker.de), sondern um eine Regionalgruppe der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP). Diese ist ein e.V., und zwar ein gemeinnütziger. Und im Fernsehen war die GWUP auch schon oft. Also beim nächsten Mal: Genauer hingucken! Schließlich beschädigt mangelnde Kompetenz in Details die Glaubwürdigkeit des Leserbriefs im Ganzen. Stefan Kirsch |
| Abschließend sei noch anzumerken, dass selbst der längste Leserbrief nicht ausreichen dürfte, um alle Anhänger der homöopathischen Außenseitermedizin von ihrem Irrtum zu überzeugen - vor allem dann, wenn zwischen den Zeilen auch noch das Einmaleins grundlegender wissenschaftlicher Methoden dargelegt werden muss. Denn der fundierte wissenschaftliche Diskurs spielt sich leider fernab von den Lesegewohnheiten des Durchschnittsbürgers in der einschlägigen Fachliteratur ab - und nicht auf Seite 16 der Lokalpresse, irgendwo zwischen Partei-Protesten, Architekturkritik, Mobilfunk-Panik und Forderungen nach mehr Kindergartenplätzen. (sk) |
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