Bamberger Skeptiker.

Bamberger Skeptiker » Events

Events

"Sag' mir deinen Namen, und ich sag' dir, wie du heißt ...":
Sagen Wahr-Sager die Wahrheit?

"Hellseher, der - Person, meistens eine Frau, die das sehen kann, was ihr Kunde zu sehen unfähig ist - nämlich, daß er ein Trottel ist."
(Ambrose Bierce: Des Teufels Wörterbuch)

Termin: 28. Oktober 2005

Referent: Wolfgang Hund, geb. 1948, ist Seminarrektor (Lehrerausbilder) in Bayern und Zauberkünstler (Schwerpunkte: "Zaubern" für Kinder und okkulte Tricktechnik). Seit mehreren Jahren klärt er in Veranstaltungen (Vorträge mit praktischen Demonstrationen) über okkulte Phänomene auf, wozu er zwei Schuljahre lang auch von bayerischen Kultusministerium offiziell beauftragt war. Wolfgang Hund ist außerdem GWUP-Fachbereichsleiter "Okkultismus und Sekten" und Mitglied im Wissenschaftsrat der GWUP.

 

 

Kurze Zusammenfassung des Vortrags

Kristallkugel, Tarot, zerfurchte Linien in der Handfläche - was ist dran an Hellseherei und den vollmundigen Behauptungen so genannter Wahrsager? Welche psychologischen Tricks wenden die Spökenkieker an, um zu scheinbar erstaunlichen Ergebnissen zu kommen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Okkultismus-Experte und Amateur-Zauberer Wolfgang "Hundini" Hund in seinem Vortrag "Sagen Wahr-Sager die Wahrheit?". Die Bamberger Skeptiker hatten den GWUP-Mitbegründer zu diesem Thema an die Otto-Friedrich-Universität eingeladen.

Sagen Wahr-Sager die Wahrheit?

"Nennen Sie mir eine Zahl: zwischen 0 und 50; beide Ziffern müssen ungerade sein; und die Ziffern dürfen nicht gleich sein?! Haben Sie eine? Wollen Sie noch einmal tauschen? Nein? Gut. An welche Zahl haben Sie gedacht? Die 37?!"- Wolfgang Hund hat das vorhergesehen. Aber wenn er sich sichtlich anstrengt, die Gedanken seiner Publikumskandidatin deutlicher zu erkennen, geht bestenfalls der Hobby-Magier und Bühnen-Entertainer in ihm durch. Telepathische Fähigkeiten maßt er sich nicht an. Im Gegenteil: Er will demonstrieren, dass Wahrsagen durchaus ohne paranormale Fähigkeiten auskommen kann.

Sechs gute Gründe stellt Hund vor, warum Wahrsagen funktioniert. Sechs Strategien, die ein guter Wahrsager beherrschen sollte. Die rund 150 Zuhörer im Saal werden dabei nicht nur gut informiert, sondern auch gut unterhalten. Denn natürlich beherrscht Hund jede der sechs Techniken auch selbst. Skeptischer Vortrag und Zauber-Show, Redner-Pult und Bühne - an diesem Abend ist das schwer auseinanderzuhalten.

Selbsttäuschung heißt der erste Grund. Wir sehen, wir hören, was wir sehen und hören wollen. Und wer zum Wahrsager geht, erwartet, dass dieser Wahres sagen kann. Das gilt auch für die Medien: Wenn ein Wahrsager einmal eine richtige Prognose abgeliefert hat, steht das in der Boulevard-Presse auf Seite Eins. Dass er aber vorher 99 mal daneben lag, ist kein Thema.

Eine positive Erwartung hat auch die Frau, die beim Privatsender "Neun-Live" in der Sendung anruft, um sich live die Tarotkarten legen zu lassen. Zwar entwickelt die Kartenleserin in dem Videomitschnitt einen wahren Redeschwall, der ob mancher Fehldiagnose (und mancher Worthülse) phasenweise unfreiwillig komisch wirkt. Doch ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn. Zufall, das ist der zweite Grund, warum Wahrsagen funktioniert. So liegt eben auch die Kartenleserin irgendwann mal richtig. Und das lässt sie sich dann natürlich auch nachdrücklich bestätigen: "Nicht wahr, so ist es doch?!" - Die Treffer wirken eindrucksvoll. Die Fehlversuche werden vergessen. Und ob der arbeitslose Mann der depressiv wirkenden Anruferin tatsächlich bald einen neuen Arbeitsvertrag erhalten wird, bleibt offen.

Wolfgang Hund kann das auch. Er lässt sich von seiner Kandidatin einen persönlichen Gegenstand geben. Einen Ohrring. Dann beginnt er hellzusehen. Mit leidenschaftlich gespielter Konzentration tastet er sich durch die private Welt der Kandidatin und zählt auf, was er sieht: "Eine schwere Tür, mit Eisen beschlagen. In der Kommode, rechts oben in der Schublade, ist ein Gegenstand. Er ist kaputt, doch Sie heben ihn auf, weil er eine persönliche Bedeutung für Sie hat. An der Wand hängt ein Bild. Fünf Personen sind darauf, drei weiblich, zwei Männlich, und daneben ist ein kleiner schwarzer Hund. Auch eine Narbe am linken Knie sieht Hund." - Natürlich hat er genauso selten Treffer wie die Frau bei "Neun-Live". Und im Gegensatz zu ihr kann Hund sein Publikum damit wenig beeindrucken. Denn das erwartet eben, dass er nicht hellsehen kann. Es ist kritisch und sucht das Haar in der Suppe. Doch an anderem Ort, in anderer Atmosphäre musste Hund schon Acht geben, nicht in die falsche Rolle zu gesteckt zu werden. So hat er einmal einen Gast durch die Beschreibung des Bildes zu Tränen gerührt. "Es waren nur vier Menschen auf dem Bild; und das Tier war eine weiße Katze. Aber sonst ..." - Heutzutage hat Wolfgang Hund deswegen immer einen schriftlichen Ausdruck seiner "Sehung" dabei, um für alle Fälle beweisen zu können, dass er jedes Mal das Gleiche "hellsieht".

Der dritte Grund ist Vieldeutigkeit. Barnum-Effekt, wie der Fachmann sagt. Wer wahrsagt, darf nur nicht zu präzise werden. Zum Beispiel die Tarotkarten-Frau bei "Neun-Live": Sie sieht nicht etwa, dass dem Ehemann am vergangenen Dienstag von Kollegen eine tote Ratte in den Spind gelegt worden sei oder dass sie beide sich seit 74 Tagen nicht mehr geküsst haben. Nur: "Da am Arbeitsplatz und in der Beziehung ... da ist irgendwas ... nicht ganz so ... oder?!" - Sicher! Die Details erzählt die Anruferin selbst. Ähnlich verfährt auch Winfried Noe, einer der prominentesten deutschen Astrologen, den die WDR-Sendung "Quarks & Co." beobachtet hat. Allerdings wirft er vorher noch mit vielen astrologischen Fachbegriffen um sich, die ihm den Hauch des unhinterfragbaren Experten verleihen.

Auch da kann Hund mithalten. Auf einer Folie hat er eine ausführliche Personenbeschreibung dabei. Dieser Gast, so hat er vorausgesehen, wird heute zum Vortrag kommen. Er ist mittelgroß, nicht zu dünn, nicht zu dick, freundlich, humorvoll ... eine ganzseitige Beschreibung dessen, was jeder im Saal von sich behaupten würde. Das Zuckertüten-Horoskop lässt grüßen!

Um den vierten Grund zu präsentieren, darf Wolfgang Hund endlich tief in die Trickkiste greifen. Denn nun geht es um bewusste Täuschung. Oder freundlicher ausgedrückt: Es geht um Jahrmarkt- und Taschenspieler-Tricks. Drei Symbole bietet Hund seiner Kandidatin an: das Plus, das Quadrat, den Kreis. "Haben Sie eines gewählt? Wollen Sie noch einmal tauschen?" - Ein bisschen Show muss sein. "Sagen Sie mir, was Sie gewählt haben!" Das Plus. Und siehe da: Hund knipst den Overhead-Projektor an. Und die Folie, die dort bereitliegt, bestätigt, dass er es schon vorher gewusst hat: "Sie werden das Plus wählen!"

Doch was Hund als Zauberer niemals tun würde, hier tut er es: Er nötigt einen zweiten Kandidaten, das Quadrat, und einen dritten, den Kreis zu wählen. Und auch diese beiden Entscheidungen hat er "nachweislich" vorausgesehen. Dass das Quadrat gewählt werden würde, steht nämlich auf der Quadrat-Karte hinten drauf (während die beiden anderen Karten auf der Rückseite weiß sind). Dass der Kreis die Wahl seines Kandidaten sein würde, steht in einem großen Couvert mit der Aufschrift "Lösung", das für alle sichtbar seit Vortragsbeginn an der Wand gehangen hatte. In jedem Fall hätte Hund "beweisen" können, dass er das Symbol schon am Vortag gesehen hat. Als das Publikum begreift, wie es an der Nase herumgeführt worden ist, bekommt Hund Zwischenapplaus.

Gute Menschenkenntnis ist ein fünfter Weg zum erfolgreichen Wahrsagen. Wer seinen Kunden aufmerksam beobachtet, kann vieles über ihn erfahren - oder doch zumindest erahnen: Der Ehering am Finger, das Alter, ein bestimmter Kleidungsstil, der missmutige Gesichtsausdruck. Ein Star-Astrologe wie Noe muss das natürlich spontan beherrschen. Wenn seine Kandidatin beginnt, die Stirn zu runzeln, weil seine Geschichte nicht so recht auf sie passen will, biegt er die Aussage noch im Nebensatz ab, bis seine Worte wieder von leichtem Kopfnicken begleitet werden.

Wahrscheinlichkeiten - das ist der sechste Grund. Im Alltag erscheinen uns viele Dinge überraschend, die gar nicht so unwahrscheinlich sind. Wir müssen uns nur einmal die Zeit nehmen nachzurechnen: Wie viele Zahlen gibt es eigentlich, die zwischen 0 und 50 liegen, zwei ungerade und nicht gleiche Ziffern haben. Das sind acht. Aber die Erfahrung lehrt, dass Menschen nicht alle acht gleich häufig wählen. Die 37 ist schön; sie hat so gar nichts Symmetrisches oder Regelmäßiges an sich. Mit der Prognose liegt man meistens richtig.

Solche nüchternen Berechnungen werden auch kommerziell genutzt. So weiß Hund von einer Börsen-Beratungsagentur zu berichten. Umsonst und ohne jede Verpflichtung wird einem eine Prognose ins Haus geschickt: 16.000 Menschen wird prophezeit, der DAX steigt. 16.000 anderen wird prophezeit, der DAX sinkt. Die korrekt Informierten erhalten auch in der zweiten Woche eine Auskunft: 8.000 Menschen wird prophezeit, der DAX steigt. 8.000 anderen wird prophezeit, der DAX sinkt. So geht das sechs Wochen zum kostenlosen Schnupperangebot. Am Ende bleiben, ganz egal was der DAX tut, 500 Leute, die sechs zutreffende Prognosen über die Entwicklung der Börsenkurse erhalten haben. Sechs mal hintereinander frei Haus mit hundertprozentiger Treffsicherheit! "Wenn ihnen jetzt angeboten wird, den Dienst gegen Gebühr fortzusetzen", fragt Hund das Publikum, "würden Sie da zögern?" So gehen auch die nachdenklichen Töne in einer ansonsten sehr heiteren Veranstaltung nicht unter.

Überzeugend ist ein Experiment, das die Sendung "Quarks & Co." nach Hunds Vorschlägen umgesetzt und ausgestrahlt hat. Von einer beliebigen Person - im Experiment ist es ein Schwerverbrecher - werden Geburtsdatum und -uhrzeit recherchiert, Alles, was der Astrologe wissen muss. Ohne sich als Wissenschaftssendung zu erkennen zu geben, lassen sich die Redakteure mit diesen Daten ein astrologisches Gutachten anfertigen: von "wahren" Astrologen auf dem Postweg. Das mehrseitige Gutachten wird kopiert und weiterverschickt. Denn die Redakteure haben ihrerseits über Zeitungsannoncen angeboten, astrologische Gutachten auszustellen. Hunderte Leser gehen auf das kostenlose Angebot ein. Sie alle schicken ihre Daten. Sie alle erhalten das gleiche astrologische Gutachten eines Schwerverbrechers. Und anbei liegt ein Fragebogen, in dem sie um Rückmeldung gebeten werden: Fühlen Sie sich treffend beschrieben? Nur neun Prozent können sich in dem Dokument nicht wiedererkennen. Die beeindruckende Zahl von 91 Prozent der Kunden sind zufrieden bis "Stimmt alles ganz genau!".

Ach ja. "Denken Sie sich eine Zahl: zwischen 50 und 100; beide Ziffern müssen gerade sein; und die Ziffern dürfen nicht gleich sein! Haben Sie eine? Wollen Sie noch einmal tauschen? Nein? Gut. An welche Zahl haben Sie gedacht? Die 68?!" - Wieder getroffen. Und hätte es nicht gestimmt, dann wäre es eben die Sitznachbarin gewesen, die zu laut "68" gedacht hätte. Da hätte sich mindestens eine finden lassen. (dl)

 

 

Presse-Stimmen zum Vortrag

"Ein Blick in die Anzeigenspalten vieler Zeitungen und in die esoterischen Bestseller beweist: Vorgebliche 'Wahrsager' und 'Hellseher' haben Hochkonjunktur. Aber Vorsicht! Oft ist nichts so wie es scheint. Das versuchte Wolfgang Hund bei einem Vortrag zu zeigen, zu dem ihn die 'Bamberger Skeptiker' eingeladen hatten." (Fränkischer Tag, 01.11.2005) - Lesen Sie hier den ganzen Artikel.

"Bekannt geworden als Okkultismus-Experte ist Wolfgang Hund [...], als er zusammen mit einem Journalisten in eine Schulklasse gerufen wurde und er dort von diesem bei einem seiner Pendelversuche fotografiert wurde. Seitdem fehlt der profunde Kenner in fast keiner Fernsehsendung, in der es um Wahrsager und Scharlatane geht." (Bamberg Stadt und Land, 05./06.11.2005) - Lesen Sie hier den ganzen Artikel.

 

 

Literatur und Links zum Thema


Impressum | Disclaimer | Sitemap
GWUP
Grafikcounter