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PresseReliquie, Ikone oder Schwindel? Erst im Sommer dieses Jahres konnte es wieder im Turiner Dom bewundert werden: das sagenumwobene Heilige Tuch. Grabtuch Jesu oder Werk eines Malers aus dem Mittelalter? Wann und wo es entstanden ist, konnte bis heute nicht geklärt werden. "Dass ich mich mit dem Turiner Grabtuch beschäftige, ist mehr ein Zufall", erzählt der 45-jährige Diplom-Ingenieur der Deutschen Telekom, Amardeo Sarma. "Es war mein erstes Thema." Zu den weiteren Forschungsgebieten Sarmas zählt das Thema Erdstrahlen und Wünschelruten sowie der Umgang mit Parawissenschaften. Unter dem Titel "Ein Tuch mit sieben Siegeln? Das Turiner Grabtuch als Forschungsgegenstand" hielt Sarma, Gründungsmitglied und Geschäftsführer der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften), einen Vortrag im Markushaus. Als Veranstalter fungierte der Lehrstuhl für Psychologie I der Otto-Friedrich-Universität. Doch was ist wirklich dran an den Thesen vom Grabtuch Christi oder einer mittelalterlichen Fälschung? Auch die Kirche, so der Referent, äußert sich vorsichtig und spricht nicht vom "Grabtuch Jesu", sondern vom "Heiligen Tuch". Gegen eine natürliche Entstehung vom Körper sprechen folgende Fakten: das Abbild ist zu gut im Detail, gleichzeitig aber auch zu schlecht, da beispielsweise die Finger unterschiedlich lang sind, die Füße liegen anders als erwartet. Das Blut ist zu rot und müsste dunkel sein. Einleuchtender erscheint Sarma die Erklärung, dass es sich um eine mittelalterliche Malerei handelt: "Juden bestatteten zur damaligen Zeit ihre Toten mit vor der Brust gekreuzten Händen. Über den Genitalien gefaltete Hände wie auf dem Grabtuch tauchen erst ab dem 11. Jahrhundert auf Gemälden auf." Auch die Mitte der 70er Jahre durchgeführten Partikel- und Bluttests konnten kein eindeutiges Ergebnis aufweisen. Für Aufsehen sorgten in den 80er Jahren die sogenannten "Turiner Protokolle". Mit den übereinstimmenden Ergebnissen von drei Labors, dass das Tuch nicht älter als 650 Jahre ist, schien das Problem gelöst. "Neue Aussagen aus dem Bereich der Parawissenschaften sowie die Nichteinhaltung von Protokollvereinbarungen lassen jedoch wieder Zweifel aufkommen", resümiert Sarma. Am Ende zieht Sarma Bilanz und beruft sich auf die Kohlenstoffdatierung und die Ergebnisse der drei Labors: "Ich denke, dass das Tuch zwischen 1260 und 1390 entstanden ist. Also ein Tuch aus dem Mittelalter ist, das von einem Maler auf noch nicht ganz geklärte Weise geschaffen wurde." Sonja Schlingensiepen (Quelle: "Fränkischer Tag", 12.12.2000) |
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