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The Real Ghostbusters.
Ein Skeptiker-Verein zwischen Psi und Pendel

Gibt es Poltergeister, Hexen und Aliens? Funktionieren Wünschelruten? Haben Steine mystische Kräfte? Ist die Erde eine Scheibe? Lauern sockenfressende Monster in der Waschmaschine? Lügen die Sterne ... oder sagen sie gar nichts? FN-Mitarbeiter Stefan P. Kirsch traf Christoph Bördlein und Michael Link von der Skeptiker-Gesellschaft GWUP, um über die letzten Mysterien unserer Gegenwart zu diskutieren ...

Der Name der Organisation weckt nicht selten falsche Assoziationen: GWUP - das heißt "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V.". Ein Verein von Geisterjägern? In gewissem Sinne, ja. Doch wer sich nun Männer mit Strahlenwaffen vorstellt, die vom Dach eines Wolkenkratzers in Hollywood-Manier den Marshmallow-Mann grillen, der irrt gewaltig. Und dennoch bläst die GWUP zur Jagd: Zur Jagd auf die paranormalen Behauptungen von Spiritisten, Esoterikern, Para- und Pseudowissenschaftlern im Allgemeinen: Stimmen die Behauptungen? Sind sie getestet worden, und wenn ja, wie? Halten die Belege einer Überprüfung stand? Das Ziel der Skeptiker ist es, die Öffentlichkeit vor materiellen und gesundheitlichen Schäden zu bewahren.

"Es gibt viele, die irgendeinen mehr oder weniger absurden Schwachsinn verbreiten", meint der Geologe Michael Link. "Aber nur wenige sind bereit, sich die Finger schmutzig zu machen, wenn z.B. irgendein Astrologe behauptet, dieses oder jenes vorhergesagt zu haben. Es geht uns nicht darum, einen großen Kreuzzug gegen Esoteriker zu führen. Wir wollen den Stand der Dinge aus Sicht der Wissenschaft vermitteln." Seit der Vereinsgründung im Jahre 1987 gehen die Mitglieder der GWUP - inzwischen über 600 Wissenschaftler und interessierte Laien - paranormalen Behauptungen aller Art auf den Grund. Bei weitem kein deutsches Phänomen: Die Skeptiker-Gilden agieren weltweit.

"Was uns in Deutschland fehlt, ist eine Task-Force, z.B. wie die 'Ghostbusters': Wenn einer sagt, er habe einen Geist auf dem Dachboden, könnten wir mit erfahrenen Leuten vorbeikommen, eine Mess-Apparatur mitbringen und der Sache so lange nachgehen, bis wir eine vernünftige Erklärung haben. Ist es die verstorbene Oma oder soll man mal mit dem Architekten reden?"

Bewundernd blickt Link auf die aktiv forschende italienische Skeptiker-Bewegung, der es gelang, das "Blutwunder von Neapel" aufzuklären: Das vermeintliche "Wunder" - die Verflüssigung des angeblichen "Blutes" des Heiligen Januarius an bestimmten Tagen - sei nichts weiter als "eine Reaktion, die jeder Chemie-Student im ersten Semester vorführen kann." Ist da nicht der Konflikt mit der Kirche vorprogrammiert? Der Psychologe Christoph Bördlein meint nein: "Die katholische Kirche sagt, das sei anbetungswürdig - ob es nun erklärbar ist oder nicht. Sie hält sich raus, nachdem sie schmerzliche Erfahrungen mit Galilei und Darwin gemacht hat." Zudem: Der Glaube an sich sei kein Untersuchungsgegenstand der GWUP, da die metaphysische Frage nach der Existenz Gottes naturwissenschaftlich nicht beantwortet werden könne.

Besonders aktiv in der Öffentlichkeitsarbeit ist die GWUP-Regionalgruppe Bamberg unter der Leitung von Bördlein: "Man lernt eine interessante, lustige und knifflige Welt kennen, von der man nicht dachte, dass es sie gibt. Und man lernt, sein kritisches Denken zu schulen und bestimmte Dinge zu hinterfragen. Es gibt da z.B. die 'Flat Earth Society', die allen Ernstes behauptet, die Erde sei eine flache Scheibe - und sie haben auch gute Argumente dafür!"

Während Bördlein regelmäßig Spezialisten zu Themen wie "Okkultismus" und "Parapsychologie" zu Vorträgen lädt, führt sein fachkundiger Mitstreiter Link Neugierige jeder Couleur durch den "Druidenhain" bei Wohlmannsgesees. Die Esoterik-Szene vermutet dort einen keltischen Kultplatz mit geheimnisvollen Kräften. Doch der Geologe Link winkt ab: "Erstens sind die besagten Felsformationen natürlich. Zweitens existieren keine archäologischen Funde wie Scherben oder Skelettreste. Und drittens gibt es keinerlei historische Hinweise in Volkssagen oder anderen Überlieferungen." Also alles Unsinn? Schmunzelnd erzählt er von einem Test, der für sich spricht: Verschiedene Pendler, die Link im Druidenhain stets dieselben Steine auf ihre positive oder negative "Strahlung" hin auspendeln ließ, kamen zu jeweils ganz unterschiedlichen Befunden. "Wenn ich die Pendler darauf anspreche, dann erklären sie, dass sich die Strahlungsfelder verschoben hätten oder sonst etwas."

Ein Ergebnis, das den Geologen nicht besonders überrascht. Denn trotz des Mangels an Beweisen von "Erdstrahlen" sei der blinde Glaube an die Existenz des Phänomens weit verbreitet und spuke sogar in Köpfen herum, in denen man ihn nie vermutete: "Mir ist die Kinnlade heruntergefallen, als mir die Mitarbeiterin eines großen Unternehmens erzählte, dass ihre Firma vor jedem Neubau einen Geomanten beauftrage, der den Platz mit einer Wünschelrute abgehe. Die Dame fiel aus allen Wolken, als ich ihr erklärte, dass dies längst als Unsinn entlarvt ist!" Dem international guten Ruf des ortsansässigen Industrie-Unternehmens scheint das Vertrauen in diese Pseudowissenschaft allerdings nicht zu schaden.

Dabei ist skeptisches Denken keineswegs das Monopol engstirniger Akademiker. Es praktiziert jeder, der z.B. im Supermarkt die Preise vergleicht oder den Gebrauchtwagen vor dem Kauf auf Rost untersucht. Skeptizismus muss keine bierernste Angelegenheit sein. Im Herbst erscheint Bördleins Buch Das sockenfressende Monster in der Waschmaschine - eine "Anleitung" zum kritischen Denken. Der Autor: "Fast alle Single-Männer haben schon einmal bemerkt, dass sich mit der Zeit einzelne Socken im Schrank häufen. Ich habe dieses Phänomen mal im Internet diskutiert und erhielt auch folgende mögliche Erklärung: Es gibt ein sockenfressendes Monster in der Waschmaschine! - Hier weisen wir die fantastische Erklärung als lächerlich zurück. In anderen Bereichen - sei es bei der wahren Natur von UFOs oder bei esoterischen Heilmethoden - akzeptieren aber viele die abstrusesten Erklärungen, statt sich ihres Verstandes zu bedienen und kritisch zu denken." Und wenn dieses Mysterium niemals gelöst wird - sagte nicht schon Fox "Spooky" Mulder: "Die Wahrheit ist irgendwo da draußen"? - Wie Recht er doch hat!

Stefan P. Kirsch

(Quelle: "Fränkische Nacht", 09/2001)


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