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PresseFernsehenInterview mit Dr. Christoph Bördlein Am 09. März 2002 sendete "Oberfranken TV" das hier protokollierte Interview mit Dr. Christoph Bördlein, dem Gründer und Ansprechpartner der Bamberger Skeptiker. Das Gespräch führte Cederik Watermann. |
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C. Watermann: "Fast jeder hat schon einmal einen Wünschelrutengänger bei der Arbeit beobachtet und sich natürlich gefragt: 'Gibt's das wirklich? Kann der das? Kann der das vielleicht sogar wissenschaftlich erklären, was der macht?' Heute habe ich einen Mann zu Gast von einer Gesellschaft, die's auch bei uns in Bamberg gibt, nämlich von der 'Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften': Dr. Christoph Bördlein. Wenn die Wissenschaft die Parawissenschaft untersucht, da merkt man ja schon: Da gibt es eine Trennlinie, wo irgendwo das eine in das andere übergeht. Warum tut man das überhaupt? Was ist denn überhaupt Parawissenschaft?" |
| C. Bördlein (re.) im Gespräch mit C. Watermann. |
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C. Bördlein: "Parawissenschaft ist eine Form von Wissenschaft, wo nicht ganz klar ist, ob da jetzt was dran ist oder nicht. Das ist auch ein fließender Übergang, würde ich sagen. Es gibt zum Beispiel Bereiche, die man als 'parawissenschaftlich' bezeichnet, die hoch seriös arbeiten und sich aller wisenschaftlichen Methoden bedienen, aber der untersuchte Gegenstand umstritten ist. Da gibt's zum Beispiel die Parapsychologen, wie sie in Freiburg forschen und sich mit Telepathie und solchen Dingen beschäftigen: Die tun das auf einem wissenschaftlich durchaus sehr hohen Niveau. Nun ist da, wie gesagt, so ein allmählicher Übergang in den pseudowissenschaftlichen Bereich. Dann spricht man von einer Pseudowissenschaft: Wenn allen schon klar ist, dass da eigentlich nichts dran ist, aber manche tun noch immer so, als wäre das eine Wissenschaft. Man sagt dann, die betreiben 'Wissenschaftsmimikry': Da gibt's dann Leute, die heißen 'Institutsdirektor', treten wichtig auf und verwenden viele Fremdwörter, aber in Wirklichkeit ist das alles nur Show und keine eigentliche Wissenschaft dahinter. Da werden dann Geräte, Messgeräte, Strahler und sonstwas verwendet, aber das ist so ungefähr auf Science-Fiction-Niveau." C. Watermann: "Wenn man sich sozusagen spaßig damit auseinandersetzt - die X-Akten sind ja ein Beispiel dafür: Die Leute kucken das wahnsinnig gerne, Außerirdische und so -, dann kann man ja daran glauben. Kein Thema. Aber problematisch wird's ja, wenn's in tatsächliche, aktuelle Dinge umschlägt. Beispiel: Die ganze Diskussion um das Strahlen von Masten in Sachen Mobilfunk. Da gibt's Menschen, die glauben daran, dass das gefährlich ist. Andere wollen es wissenschaftlich erforschen. Stand der Dinge ist im Moment: Noch gibt es keinen Beweis dafür, dass es wirklich gefährlich ist. Wie greifen Sie da in das Spiel ein?" C. Bördlein: "Sagen wir so: Wir versuchen zu vermitteln, was die Wissenschaft zu diesen Dingen weiß. Sie haben gerade das Wort 'Beweis' eingeführt: Einen Beweis in diesem strengen Sinne gibt's auch in der Wissenschaft nicht, aber man kann irgendwann einmal sagen: 'Gut, es ist so extrem unwahrscheinlich, dass da höchstwahrscheinlich nichts dran ist.' Die Mobilfunk-Geschichte ist auf dem Weg dahin - so zeichnet sich das allmählich ab. Es ist natürlich noch immer nicht ganz sicher und natürlich muss man noch weiterhin forschen und untersuchen, aber man sollte nicht vorschnell - wenn also noch gar nichts erwiesen ist - Panik verbreiten. Denn die Frage ist eigentlich: Was ist gefährlicher? Das gewisse Risiko, das man aus wissenschaftlicher Sicht noch nicht ausschließen kann - oder die Schäden, die aus dem reinen Glauben an Schäden auftreten?" C. Watermann: "Nun kann ich mir vorstellen, dass bei diesem Thema sehr schnell emotional diskutiert wird und auch Ihnen und Ihren Kollegen zum Einen unterstellt wird: 'Das sind die Wissenschaftler in ihrem Elfenbeinturm - die wollen uns andere bloß nicht dabei haben, dass wir uns auch Wissenschaftler nennen!' Und man wird Ihnen auch schnell unterstellen: 'Das ist ja alles bezahlt. Da kommt irgendeiner und schreibt mal einen großen Scheck aus und dann behaupte ich halt, das sei alles harmlos.' Wie wehren Sie sich gegen solche Argumente?" C. Bördlein: "Eines der satzungsmäßigen Ziele der GWUP ist die Verbreitung und Popularisierung von Wissenschaft. Wir versuchen den Leuten also auch beizubringen: Wissenschaft ist nicht etwas, was im Elfenbeinturm stattfindet, sondern kann auch ansatzweise im Alltag betrieben werden. Der große Vorteil von Wissenschaft ist: Wenn jemand Unrecht hat, dann kann ich ihm das auch nachweisen. Wenn ich aber auf Wissenschaft verzichte, dann habe ich nur Meinungen: Der Eine behauptet dieses, der Andere jenes - und entscheiden tut im Endeffekt der, der lauter schreit oder die größere Klientel hinter sich bringt. Wir wollen den Leuten zeigen: Sich mit Wissenschaft zu beschäftigen ist eine Möglichkeit, ein mündiger Bürger zu werden - und wenn ein Wissenschaftler Unrecht hat, dann kann man ihm das auch nachweisen." C. Watermann: "Also man merkt insgesamt: Ein faszinierendes Thema, bei dem sich durchaus auch der Laie noch mehr beteiligen kann. Ich danke erstmal für die Information und dafür, dass Sie heute bei uns waren." (Quelle: "Oberfranken-TV", 09.03.2002) |
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