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Geisterjäger in Franken

Die Wissenschaften machen fast täglich neue und faszinierende Entdeckungen. Trotzdem scheinen es die vermeintlich unerklärlichen, unheimlichen Phänomene zu sein, die in Zeiten von "Akte X" auf offene Ohren stoßen. Wünschelrutengänger, Astrologen oder Ufogläubige haben Hochkonjunktur. Über den Kreuzzug der modernen Wissenschaften gegen Pendel & Co haben wir mit Mitgliedern der GWUP - der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. - gesprochen.

Auch wenn das alles ein wenig nach Ghostbusters klingt, arbeitet man bei der GWUP nicht mit Strahlenkanonen, sondern mit modernen wissenschaftlichen Forschungstechniken. Pseudowissenschaftliche Behauptungen und esoterische Heilslehren werden kritisch überprüft, um Menschen vor gesundheitlichem oder materiellem Schaden bewahren zu können. Dazu Psychologe Christoph Bördlein von der Bamberger Regionalgruppe: "Wir möchten im Sinne von Verbraucherschutz aufklären: Was ist wirklich dran an den Sachen, die da behauptet werden?"

Doch gerade in Franken scheint vielerorts die skeptische Auseinandersetzung mit bestimmten esoterischen oder alternativen Lehren gar nicht erwünscht zu sein. Rainer Wolf, Dozent am Biozentrum der Würzburger Universität und Vorstand der Würzburger GWUP-Gruppe, berichtet: "Man erzählte mir bei einem meiner Vorträge, dass es in Kitzingen sehr viele Esoteriker gebe. Daraufhin wollte ich an der dortigen Volkshochschule einen kritischen Vortrag halten. Sie haben mich prompt ausgeladen und gesagt, wenn man heute der Meinung sei, dass Homöopathie, Astrologie, Kinesiologie und ähnliche Dinge Unsinn seien, dann wäre man out."

Der Geologe Michael Link von der Bamberger GWUP-Gruppe kann diese Haltung nicht verstehen: "Das was wir mit 'wissenschaftlichem Denken' meinen, nimmt jeder unter dem Schlagwort 'gesunder Menschenverstand' für sich in Anspruch. Jeder, der einen Gebrauchtwagen kauft, fragt Bekannte, erkundigt sich nach dem Modell und seinen Schwachstellen. Und wenn dann der Verkäufer sagt: 'Das ist das Traumauto Ihres Lebens!', dann geht oben der Schalter an und man hinterfragt das. Warum aber an sich kritische Leute bei einem Para-Thema ihr Hirn einfach ausschalten und einen Sumpf, den man eigentlich sofort durchschauen kann, als die pure göttliche Wahrheit inhalieren und weiterverbreiten, das ist eine interessante Diskrepanz."

Dabei geht es der GWUP nicht um eine Art Hexenjagd. Rainer Wolf dazu: "Es wäre ja phantastisch, wenn man wirklich Wasser oder krankheitserregende Substanzen mit Pendel oder Wünschelrute finden könnte. Nach dem heutigen Erkenntnisstand ist das aber einfach nicht möglich. Trotzdem muss man seinen Geist immer offen halten, auch auf die Gefahr hin, dass viele Leute Müll hinein werfen. Es wird allerdings dort kriminell, wo solche Leute den Menschen Angst machen." Während Wolf in Würzburg bislang schon sechs erfolglose Wünschelrutengänger getestet hat, befasst sich Michael Link mit dem "Druidenhain" bei Wohlmannsgesees in der Fränkischen Schweiz. Dabei handelt es sich um ein natürlich entstandenes Felsen-Labyrinth. "Allerdings", so Link, "verliebten sich im letzten Jahrhundert einige Leute auf der Suche nach ihren keltischen Wurzeln in die Idee, dass das ein magischer alter Kultplatz sei. Dann hat auch das nicht mehr gereicht und es wurde ein atlantischer Kultplatz daraus ... Das hat sich dann immer weit er verselbständigt und mystifiziert."

Wer sich von Link einmal durch den Druidenhain führen lassen will oder mehr über die Arbeit der GWUP erfahren möchte, kann sich im Internet auf www.gwup.org oder www.gwup.org/bamberg informieren.

sp

(Quelle: "Trend", 07/2002)


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