![]() |
![]() |
![]() |
| Bamberger Skeptiker » Presse » Print |
PresseBamberger Skeptiker untersuchen X-Akten August 2002, mitten im medialen Sommerloch. Der "Fränkische Tag" (FT) druckt einen mehrspaltigen Artikel über die Sichtung eines unbekannten Flug-Objekts im Bamberger Osten. Quelle der vermeintlichen Ufo-Beobachtung ist ein anonymer Augenzeuge, der mit seinem Auto auf der A73 unterwegs war. Die Geschichte kann man nun glauben oder belächeln - die meisten Leser haben wahrscheinlich Letzteres getan. Nicht so Detlev Lück von der Skeptiker-Organisation GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V.). Der Doktorand und Projekt-Mitarbeiter am Lehrstuhl Soziologie I stellte Nachforschungen an, untersuchte den angeblichen Ufo-Landeplatz und verglich seine eigenen Beobachtungen vor Ort mit den Aussagen des Augenzeugen. Schließlich konnte Lück dem FT Entwarnung geben: Der Autofahrer hatte lediglich einen Bremsfallschirm gesehen, an dem das Startseil eines Segelflugzeugs vom benachbarten Aero-Club nach dem Ausklinken in luftiger Höhe wieder zu Boden schwebte. X-Akte geschlossen. "Die GWUP jagt natürlich nicht nur Ufos und Aliens hinterher", meint Lück. "Uns geht es allgemein um die Förderung des kritischen Denkens und die Popularisierung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden in der Bevölkerung. Dazu geben wir auch die Zeitschrift 'Skeptiker' heraus und laden Referenten zu skeptischen Vorträgen an die Uni ein." Ein Hobby, das nur auf den ersten Blick wie reines Amüsement wirkt. Die eher banale Entmystifizierung des Bamberger Ufos war zwar medienwirksam, tatsächlich sieht Lück die wissenschaftliche Aufklärung der Öffentlichkeit jedoch als ernsthafte und wichtige Aufgabe an. "Es gibt viele pseudowissenschaftliche Behauptungen, mit denen Scharlatane gutes Geld verdienen, beispielsweise Motivationstrainer. Andere sind aus gesundheitlichen Gründen mehr als bedenklich, etwa die Empfehlung, Krebs mit homöopathischen Mitteln behandeln zu lassen." Auch bestimmte weltanschauliche Gruppierungen seien für ihre Mitglieder eher Fluch als Segen, so Lück weiter. Allerdings gehöre es nicht zum Aufgabenbereich eines in erster Linie (natur-)wissenschaftlichen Vereins wie der GWUP, die metaphysischen Behauptungen der Religionen auf den Prüfstand zu stellen - es sei denn, sie schaden ihren Anhängern auf materieller, sozialer oder gesundheitlicher Ebene. Neben Lück arbeiten noch fünf weitere Wissenschaftler und Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen in der Bamberger GWUP-Dependance der insgesamt rund 630 Mitglieder starken Skeptiker-Gesellschaft. "Einige von uns haben ein ihrem Studium entsprechendes Spezialthema, zum Beispiel Para-Geologie oder fragwürdige Ansätze der Psychologie. Wir tauschen uns aber auch interdisziplinär aus." Doch wie wird der Soziologe dann zum Ufo-Jäger? Lück, leicht selbstironisch: "Mein Fach hat kein klar abgrenzbares parawissenschaftliches Gegenstück. Aber auch unter den Gesellschaftsanalysen finden sich einige eher auf Intuition basierende Ansätze, die einer empirischen Überprüfung kaum standhalten. Doch als Soziologe interessiert mich vor allem, warum viele Menschen offensichtlich Unsinniges bereitwillig glauben und sich nicht auf eine sachliche Diskussion einlassen. Oft kommt es mir vor, als gebe es da ein tiefes Bedürfnis, an Außerirdische und paranormale Kräfte zu glauben. Vielleicht, weil manchen die reale Welt nicht lebenswert genug erscheint?" Stefan P. Kirsch (Quelle: "unidoc", 02/2003) |
| Impressum | Disclaimer | Sitemap |
