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PresseDruidenhain. Anscheinend ist heute ein schlechter Tag für esoterische Erwartungen. Der Parkplatz ist leer. "Richtige Menschenpulks gibt es hier selten. Aber ein paar Leute, die Rituale durchführen, sind meistens schon da", sagt Michael Link, während er auf die andere Straßenseite blickt. In Richtung des fränkischen Stonehenge. Für das halten es zumindest einige. Andere dagegen sehen in der teilweise bizarr anmutenden Gesteinsformation lediglich ein natürlich entstandenes Felsenlabyrinth. Diplom-Geologe Michael Link gehört zu letzteren. Für ihn ist der so genannte Druidenhain in der Fränkischen Schweiz, nahe der Ortschaft Wohlmannsgesees, ein idyllischer Ort, aber sicherlich keine frühere Kultstätte keltischer Priester. Daran ändern auch die klangvollen Namen, die einige der Steine tragen, nichts. "Einzelnen Felsen wurden hier willkürlich Begriffe aus dem Dunstkreis der Kelten beziehungsweise aus dem üblichen Inventar des Wald- und Wiesen-Okkultismus zugeordnet", sagt der gebürtige Bamberger und lächelt. Es sind Namen wie Schüsselstein, Taufstein, Altar, Grab, Opferstein oder die Irminsul. Namen, die auch auf einem Holz-Schild stehen, das am Waldrand steht. Am Eingang zum Druidenhain. Angebracht wurde der Lageplan vom Fränkische Schweiz Verein. In der unteren Ecke enthält er einen knappen Hinweis, der von zwei Geologen des Instituts für Geologie und Mineralogie der Universität Erlangen/Nürnberg verfasst wurde. 1989 waren Neuvermessungen und Bohrungen durchgeführt worden. Das Ergebnis bestand in "Untersuchungen, welche vermuten lassen, dass verschiedene Steine von Menschen in ihre heutige Position gerückt worden sind". Für Michael Link ein sehr interpretierbarer Text. "Der durchaus bewusst in Abwägung zwischen der wissenschaftlichen Wahrheit und den Bedürfnissen des Tourismus gefunden wurde." Denn gerade jenen, die im Druidenhain eine Priesterstätte sehen, dient die Formulierung als Beweis für einen heiligen Ausbildungs-Ort der Kelten. Und das, obwohl die Anzahl der von Menschen möglicherweise bewegten Steine verschwindend gering ist. So sind es gerade mal drei Felsblöcke von insgesamt 100, die nicht mehr "im ursprünglichen geologischen Verband liegen", wie es Michael Link formuliert. Ein Beweis für einen menschlichen Eingriff stelle dies allerdings noch lange nicht dar. Denn: "Bei der geologischen Entstehung des Druidenhains können diese Steine durch natürliche Prozesse aus ihrer ursprünglichen Lage gebracht worden sein." Schließlich befänden sich die Felsen in einer stark verwitterten, so genannten Kluftzone. Somit wäre es denkbar, dass es sich beispielsweise um die Überreste eines eingestürzten Höhlendachs handeln könnte. Für den Diplom-Geologen ist jedoch ein anderer Umstand viel überraschender. Und der betrifft jene Druidenhain-Anhänger, die dem Ort esoterische Kräfte zuschreiben. "Gerade diese drei einzigen Steine, die möglicherweise vielleicht doch von Menschenhand bewegt worden sind, werden von diesen Leuten völlig ignoriert". Den restlichen "natürlichen" Blöcken werde dagegen eine außergewöhnliche Bedeutung zu geschrieben. Nämlich besondere Kräfte, die für Michael Link nur eines sind: "Völliger Humbug." Und mit dem beschäftigt sich der 39-Jährige intensiv in seiner Freizeit. So gehört er den Bamberger Skeptikern an. Einer vierköpfigen Gruppe interessierter Wissenschaftler, die allesamt Mitglieder in der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP) sind. Ein bundesweiter gemeinnütziger Verein, der 1987 in Bonn von Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen – vom Biologen bis zum Psychologen – gegründet wurde und derzeit fast 700 Mitglieder hat. Ziel der GWUP ist dabei die kritisch-wissenschaftliche Untersuchung grenzwissenschaftlicher Behauptungen. Somit soll der Verbreitung anti- und pseudowissenschaftlichen Gedankenguts durch Aufklärung entgegen gewirkt werden, wie es in der Vereinssatzung heißt. Und dazu gehört für Michael Link auch die Führung durch den Druidenhain, die er regelmäßig anbietet. Ein bisschen unheimlich wirkt es schon, kaum, dass man den Wald betreten hat und ein paar Meter gegangen ist. Lediglich eine einzelne Krähe ist zu hören, ansonsten ist es ziemlich still. Michael Link beginnt die Tour am so genannten Schüsselstein, der sich am nördlichen Eingang des Felsenlabyrinths befindet. Ein Monolith, angeblich zehn Schüsseln eingehauen wurden. Während der atlantischen Epoche. Die ist allerdings in keinem Geschichtsbuch zu finden. Die einzige Quelle, in der Link bislang einen Vermerk über dieses Zeitalter fand, war die "Weltanschauung der Rosenkreuzer" des Mystikers Max Heindl. Alles andere als ein wissenschaftliches Werk. Doch das spielt für echte Esoterik-Anhänger weniger eine Rolle. So wird besonders den beiden südlichsten Schüsseln im Felsen, in denen sich meistens etwas Regenwasser befindet, eine positive Wirkung zugeschrieben. Und zwar eine Strahlung, die heilend und lindernd wirkt. Vorausgesetzt man steckt beide Hände für eine Viertelstunde in die Schüsseln. Bei zwei Führungen traf Michael Link bislang schon Radiästheten am Schüsselstein, die mit ihren Pendeln die Strahlung untersuchten. Beide Male bat sie der Diplom-Geologe um eine Beurteilung mittels Auspendeln. Das Ergebnis: Während der erste eine positiv und eine negativ geladene Schüssel feststellte, erkannte der zweite, dass "das Wasser in der größeren Schüssel zur Zeit 'tot' ist". Über zwei besondere Schüsseln verfügt auch der Opferstein, ein großer Monolith in Keilform. Kosmische Strahlen, so ermittelten Radiästheten, fallen in die beiden Hauptschüsseln ein. "Da kosmische Strahlen bekanntlich auf die gesamte Erdoberfläche treffen, werde ich dem nicht widersprechen", sagt Michael Link. Am so genannten Grab, der nächsten Station, wirkt eigentlich nichts außergewöhnlich. Lediglich eine Steinplatte ragt hochkant aus dem Boden hervor. In der Vorstellung der Esoterik-Gläubigen hat diese vermeintliche, senkrechte Grabplatte jedoch eine Visierfunktion. Denn: Wer die Mittelrille der oberen Schmalseite als Peil-Linie verwendet, so die Meinung der Druidenhain-Anhänger, kann damit angeblich den Pultstein im Westen anvisieren. Früher sollen noch zwei Runen in den Fels eingemeißelt gewesen sein. Von denen gibt es aber keine Spur. Dafür ist eine Wand am Fuß des Felslabyrinths über und über voll gekritzelt. Mit Grüßen, und einem obszönen Spruch, der besagt, dass Petra eine alte F… ist. Mehr als zwei Stunde lang führt Michael Link durch den Druidenhain. Vorbei am Taufstein, dem Altar, der Irminsul und zahlreichen anderen Steinen, die oftmals sehr schön anzuschauen sind, aber doch nur ganz natürlich sind. Doch dann kommt das Interessanteste. Per Zufall. Denn am Ende des Rundgangs tauchen sie doch noch auf. Ein Pärchen mit Wanderschuhen, Rucksack und Fließjacken. Am Schüsselstein halten sie ihre Hände kurz über die Öffnungen. Dann setzen sie sich hinter dem Grab auf einen Felsblock und blicken in den Wald. In Richtung des Pultsteins. Der Glaube kann bekanntlich Berge versetzen. Die Steine des angeblichen Druidenhains aber wohl kaum. Mehr Infos von Michael Link zum Druidenhain sowie weitere Themen gibt es im Internet unter www.bambergerskeptiker.de. Frank Gundermann (Quelle: "Mohr-Stadtillu", 06/2004) |
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