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PresseHörfunkFeature zum "Druidenhain von Wohlmannsgesees" Am 19. August 2004 sendete "Bayern2Radio" das unten protokollierte Feature zum Druidenhain von Wohlmannsgesees. Als Experte sprach Dipl.-Geol. Michael Link von den Bamberger Skeptikern. |
Moderator: "Felsen gibt es in der Fränkischen Schweiz ja wirklich jede Menge. Bei Muggendorf in der Nähe von Wohlmannsgesees, da finden Sie allerdings ein paar ganz außergewöhnliche Exemplare: Ein über 8.000 Quadratmeter großes Felsenlabyrinth ist bei Esoterikern und auch Einheimischen als 'Druidenhain' bekannt. Es soll eine Kultstätte keltischer Priester sein - mit einem Mondkalender, einem Altar und einem Opferstein. Manche Menschen erhoffen sich von dem Ort sogar eine Art Wunderheilung. Es gibt aber auch andere Theorien für die Anhäufung von Jurafelsen. Also was denn nun? Mystische Opferstätte oder doch nur steinzeitliche Bauschuttdeponie? Carlo Schindhelm auf den Spuren der fränkischen Druiden." Carlo Schindhelm: "Etwas erhöht im Wald versteckt liegt der Druidenhain. Ein knorriger Baum quält sich auf einem Fels in das Blätterdach des Waldes. Gewaltige Steinquader wirken so regelmäßig angeordnet wie von Menschenhand arrangiert. Maria Hübner führt durch das feuchte Felsenlabyrinth. Sie trägt ein knallig rotes Kleid, auf ihren Fingernägeln glitzert goldener Lack." Maria Hübner: "Das ist hier der Wackelstein. Der Wackelstein wurde von den Kelten damals untersucht und wie eine Wissenschaft betrieben. Zwanzig bis dreißig Jahre Wissen wurde angehäuft, um diesen Stein dann geistig zum Wackeln zu bringen." Carlo Schindhelm: "Maria Hübner wandelt durch den Druidenhain und lässt ihr Pendel kreisen. Wir befinden uns am so genannten 'sakralen Platz', gewissermaßen im Zentrum der keltischen Kultstätte." Maria Hübner: "Das ist der eine Stein, der ganz deutliche Spuren von kultischer Nutzung hat. Also, so ein Loch hat verschiedene Energien, also innen wie außen ist diese Energie unterschiedlich gemessen worden. Kelten hatten früher ihre Knochenbrüche da drin auskuriert und geheilt, aber auch seelische Brüche." Carlo Schindhelm: "Geomantische Kräfte, erklärt Maria Hübner. Zwei gigantische Energielinien sollen sich hier treffen. Mit Pendel und Wünschelrute könne man sie ausmachen. Auf einem Fels hat es sich ein Mann bequem gemacht. Er hockt da schon eine ganze Weile auf seiner Isomatte." Unbekannter Mann: "Naja, ich lad' mich halt auch immer gern auf bei den Steinen, verschiedene Kraftsteine, und ja, ist sehr angenehm einfach, weil man kann's spüren." Carlo Schindhelm: "Ortswechsel. In Bamberg ist Michael Link. Er ist Geologe am Paläontologischen Institut in Erlangen. In seiner Freizeit untersucht er parawissenschaftliche Phänomene. Auch den Druidenhain hat er sich schon vorgenommen: keltische Kultstätte - ja oder nein?" Michael Link: "Leider nein. Es ist keine Kultstätte, insbesondere keine keltische, aus zwei Kriterien heraus. Punkt eins: Die Archäologie sagt, es gibt dort keine Funde, keine Scherben, keine Hinweise auf irgendwelche keltischen oder andere vorzeitlichen Kulturen, das fällt schon mal aus. Punkt zwei: Die Strukturen, die man dort findet, diese großen Steinblöcke, diese großen Steinquader, das ist ein normales Produkt der in dieser Region völlig selbstverständlichen Dolomitverwitterung. Und es gibt keine Hinweise darauf, dass hier irgendwie Felsen behauen worden sind oder Felsen zu irgendwelchen Tempeln oder vergleichbaren Kultstätten arrangiert worden sind." Carlo Schindhelm: "Die Geburtsstunde des Mythos' Druidenhain ließe sich ziemlich genau ermitteln, sagt Michael Link. Er hat sich alte Wanderführer der Fränkischen Schweiz vorgenommen und die Gemeindeakten von Wohlmannsgesees durchgearbeitet. Dabei kam heraus ..." Michael Link: "... dass so ungefähr 1870/80 herum irgendwelche Touristen, Sommerfrischler in der Fränkischen Schweiz, spaßeshalber so diese Impression, diese formschönen Namen 'Labyrinth' und 'Druidenhain' so für diese eine lauschige Ecke im Wald vergeben haben, und das hat sich dann einfach selbstständig gemacht. Das Ganze wurde dann ein bisschen forciert Anfang des 19. Jahrhunderts, weil es dann dort einen Bürgermeister in Wohlmannsgesees gegeben hat, der sich total in die Idee verliebt hatte, dass er in seiner Gemeinde einen eigenen tollen keltischen Kultplatz hatte. Und von dieser Phase aus stammen auch diese ganzen Benennungen, dass das hier ein Altar sei und das hier ein Opferstein." Carlo Schindhelm: "Schade. Das wissenschaftliche Aus für den Zauberwald. Die Kelten hatten offenbar kein Interesse am heutigen Druidenhain. Aber nicht so schlimm: Kultstätten der Kelten gab es in der Fränkischen Schweiz in jedem Fall, wenn auch an anderen Plätzen. Maria Hübner stört sich nicht an den Erkenntnissen der Wissenschaft. Die Esoteriker vertrauen auf Pendel und Wünschelrute. Und so bleibt der Mythos von den Kelten lebendig. Auch Rosa Schmidt ist fasziniert vom Volk der Kelten. In Birkenreuth betreibt sie eine Naturschule. Sie trägt lange blonde Haare, hat blaue Augen und hält einen Druidenstab in ihrer Hand. Ein Fels mit dem Namen 'das Grab' diente den Kelten damals als eine Art mentales Tor, ein Tor zur Anderswelt." Rosa Schmidt: "Dann wurde dieser Stein geschmückt, mit heiligem Wasser besprengt und in einem feierlichen Zeremoniell setzte man sich dann in eine Position oder legte sich zwischen diese Steine. Links und rechts standen die 'filii', also die Novizen für die Druiden, und bewachten den Körper. Und dann ging man eben in eine tiefe Trance, die oft drei Tage dauern konnte, und der Geist ging auf eine Geistreise." Moderator: "Wenn Sie Ihren Geist auch mal auf Reisen schicken wollen, dann können Sie sich entweder auf den Weg nach Muggendorf machen - oder Sie hören einfach weiter 'August'. Wir reinigen die Seele musikalisch mit Neil Diamond und dem 'Solitary Man' ..." (Quelle: "Bayern2Radio", 19.08.2004) |
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