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Bausteine aus Esoterik-Baukasten.
Referent der "Bamberger Skeptiker" enthüllt Wurzeln des Fengshui

von Rudolf Görtler

Er sei "nicht hierher gekommen um Fengshui niederzumachen", sagte Gerd Aldinger im Marcushaus der Universität zu Beginn seines Vortrags "Wo das Qi weht. Fengshui in der Kritik". Eingeladen hatten den Darmstädter Architekten die "Bamberger Skeptiker", die sich als lokale Gruppe der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP) die Förderung von Vernunft, Wissenschaft und kritischem Denken vorgenommen haben. Und in der Tat ging der Referent eher moderat mit der alten chinesischen Weisheitslehre um. Wenn sie in den religiösen und kulturellen Kontext des feudalen Chinas eingebettet bleibt und nicht von alerten westlichen Adepten als einträgliche Geschäftsidee vermarktet wird.

Aldinger wundert sich z.B., dass chinesische Fengshui- Meister zehn Jahre für eine Ausbildung benötigen, die ihre marktwirtschaftlichen Nachahmer angeblich in 14-tägigen Kursen schaffen. Dabei wurde im Lauf des Referats klar, wie kompliziert diese asiatische Lehre - ein Gebäude oder eine ganze Stadt (wie Kanton) nach bestimmten Regeln zu gestalten; Fengshui heißt "Wind" und "Wasser" - sich im Herkunftsland entwickelte. Vor etwa 1000 Jahren entstand in China das Gerüst als "Versuch, Naturreligionen zu vereinen". Im Kern handelt es sich um einen Ahnenkult, das Bestreben, die Gräber der Verstorbenen günstig zur eigenen Wohnung zu positionieren - Geister- und Dämonenglaube war auch im Spiel. Kompass- und Formenschule haben relativ wenig miteinander gemein; wie aus dem Baukasten bedienen sich Esoterik-Anhänger mit Versatzstücken beider Theorien, die in verschiedenen Regionen Chinas entstanden.

Als Werkzeuge der Fengshui-Meister entwickelten sich Kompass und Lineal. Mit ersterem werden Gebäude in verschiedene Bereiche mit bestimmten Qualitäten eingeteilt, letzteres weist Entfernungen Eigenschaften zu – so kann es dazu kommen, dass zehn Zentimeter Unterschied im Türmaß über Einladung zur Plünderung oder Wohlstand der Bewohner entscheiden (sollen). Im Zentrum der Feng-shui-Lehre steht das "Qi", eine Art unsichtbare Lebensenergie, die durch Anwendung der Fengshui-Regeln genutzt werden kann. Oder aber bei Missachtung Schaden bringt. Begeistert haben so genannte "Baubiologen" - ein Beruf, den man an Schulen und Universitäten nicht lernen kann - das Qi entdeckt, Wünschelruten schlagen aus, wenn Erdstrahlen oder Qi den dafür Empfänglichen durchwabern.

Natürlich alles Unfug. Mit wissenschaftlichen Methoden nachweisen lassen sich weder Qi noch Erdstrahlen, so Aldinger. Er kritisiert an der Baubiologie, die eine "seelisch-organische Bauweise" propagiert, und an der westlichen Version des Feng shui, diesem "pseudowissenschaftlichen Geschäft", dass "Gefahren mit zweifelhaften und manchmal erfundenen Belegen bewiesen" werden. Moderne Fengshui-Berater gerierten sich wie Arzt, Architekt und Priester in einer Person. Ein antirationales Weltbild werde verkündet, für das es selbstredend keine wissenschaftlich sauberen Belege gibt. "Ein Effekt wird versprochen, der nicht nachweisbar ist", resümierte der Referent. So wie ein Fengshui-Handbuch der frisch geschiedenen Frau schnell einen knackigen Liebhaber verheißt. Wenn sie nur das Aquariumin der Wohnung richtig aufstellt.

(Quelle: "Fränkischer Tag", 21.07.2005)


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