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PresseEine gesunde Portion Skepsis ist gefragt. von Harald Rieger Ein Blick in die Anzeigenspalten vieler Zeitungen und in die esoterischen Bestseller beweist: Vorgebliche "Wahrsager" und "Hellseher" haben Hochkonjunktur. Aber Vorsicht! Oft ist nichts so wie es scheint. Das versuchte Wolfgang Hund bei einem Vortrag zu zeigen, zu dem ihn die "Bamberger Skeptiker" eingeladen hatten. Doch Wolfgang Hund, der seit 1996 Mitglied im Wissenschaftsrat der "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP) und seit Jahren okkulten Phänomenen und Wahrsagerei auf der Spur ist, wollte weder die Hellseherei verteufeln, noch den Zuhörern seine Weltanschauung aufzwingen. Ihm ging es vielmehr darum, die Sinne des Einzelnen zu schärfen. Schließlich, so behauptete Hund überzeugend, habe Wahrsagerei oftmals rein gar nichts mit hellseherischen Fähigkeiten zu tun. Meist stecke eine gezielte Methode dahinter, die besonders leichtgläubige, psychisch angeschlagene und besonders verzweifelte Menschen unaufhaltsam in ihren Bann ziehe. So verfälsche beispielsweise der Glaube an den Hellseher die Erinnerungen unbewusst so lange, bis sie mit dem gegebenen Bild übereinstimmen. Der Kunde mache also das selbst wahr, was wahr sein soll. "Weil etwas erwartet wird, trifft es ein im Zuge der ‚Selbsterfüllenden Prophezeiung', die vor allem im negativen Bereich fatalerweise besonders gut funktioniert." Wenn hingegen etwas nicht genauso eintreffe, werde es soweit zurechtgebogen, bis es letztendlich stimme. Des Weiteren, so Hund, gebe es bei allen Wahrsagern Zufallstreffer. Diese Treffer würden dann hochgejubelt, während Fehler einfach unterschlagen würden. Auch seien Prophezeiungen immer so allgemein gehalten, dass man sie auf alle möglichen Ereignisse beziehen könne. "Man spricht hier vom Barnum-Effekt (benannt nach dem berühmten Zirkusdirektor): 'Ein bisschen für jeden''." Hellseher benutzten eine ganze Reihe von vagen, mehrdeutigen Allerweltsfloskeln, die so gut wie nichts ausschlössen und von den meisten Menschen als "für mich zutreffend" bezeichnet würden. Selbst ernannte Hellseher erzielten oftmals aber auch viele ihrer Treffer auf Grund einer guten Einschätzung ihrer Kunden. Sie zögen Rückschlüsse aus Kleidung, Aussehen, aus körperlichen Merkmalen und Verhaltensweisen. So gebe es für einen scharfen Beobachter genügend Kleinigkeiten, die bestimmte Rückschlüsse erlaubten. Daneben verstünden viele Wahrsager die Kunst die "Muskellesens" ("Cumberlandismus"), wobei unbewusste Muskelbewegungen mit erstaunlicher Treffsicherheit erkannt würden und gedeutet werden könnten. Grundlage dafür sei der "Carpenter-Effekt". Wenn der Klient ja oder nein denke, führe er unbewusst minimale Kopf- und Augenbewegungen aus. Zudem würden in den Medien ununterbrochen Meinungsumfragen, Trends, Statistiken und psychologische Wahrscheinlichkeiten veröffentlicht. "Wer hier seine Augen aufmacht, kann zu vielen Lebensbereichen Aussagen machen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreffen", resümierte Hund. (Quelle: "Fränkischer Tag", 01.11.2005) |
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