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Schluss mit Hokuspokus!
Wahrsagerei, Löffelverbiegen, Gedankenübertragung: Wolfgang Hund klärt auf und entzaubert Scharlatane und unseriöse Zauberer

[Anmerkung: Der Artikel entstand in der Folge von Wolfgang Hunds Wahrsager-Vortrag bei den Bamberger Skeptikern.]

"In der Stadt Gottes wird es großen Donner geben. Zwei Brüder werden durch das Chaos zerrissen", lautete das angebliche Orakel von Nostradamus, welches in Windeseile übers Internet verbreitet wurde, als am 11. September in New York die Türme des World Trade Centers einfielen.

von Harald Rieger

"Alles Quatsch", schimpft Wolfgang Hund, der es sich seit vielen Jahren zur Aufgabe macht, falschen Zauber und okkulte Phänomene zu entlarven. Schließlich hätte diese ominöse Botschaft gar nicht vom großen Propheten stammen können, da dieser im Jahre 1654 (aus dieser Zeit sollte das Zitat stammen) fast 100 Jahre tot war. "Bei einer genauen Nachrecherche stellte sich heraus, dass die Reime in den 90er Jahren von Studenten im Rahmen einer Studienarbeit ergänzt wurden", erklärte verschmitzt lächelnd Wolfgang Hund - hatte er doch wieder einmal eine angebliche Hellseherei widerlegt.

Doch der Hersbrucker will nicht der große Ankläger sein und gar mit erhobenem Zeigefinger jeglichen Zauber verbieten. Schon gar nicht, da er selbst seit vielen Jahren begeisterter Hobbyzauberer ist.

Vielmehr hat es sich der 56-Jährige vor mehr als drei Jahrzehnten zur Aufgabe gemacht, Scharlatanen und Betrügern das Handwerk zu legen. "Es war im Jahre 1974, als ich zum ersten Mal den berühmten Löffelverbieger und Uhren-zum-Ticken-Bringer Uri Geller im Fernsehen sah, wie er aufgrund seiner übernatürlichen Fähigkeiten Löffel verbog." Schon damals glaubte Wolfgang Hund, der seit 1974 als Lehrer an Hauptschulen tätig ist, nicht an den Hokuspokus, der vor rund 30 Jahren eine große Hysterie auslöste.

Bekannt geworden als Okkultismus-Experte ist Wolfgang Hund allerdings erst zehn Jahre später, als er zusammen mit einem Journalisten in eine Schulklasse gerufen wurde und er dort von diesem bei einem seiner Pendelversuche fotografiert wurde. Seitdem fehlt der profunde Kenner in fast keiner Fernsehsendung, in der es um Wahrsager und Scharlatane geht. Zudem ist Wolfgang Hund auch Autor bzw. Mitautor zahlreicher Bücher zu okkulten Phänomenen. Eigentlich war die Wahrsagerei nach dem nicht eingetretenen Weltuntergang bei der Sonnenfinsternis von 1999 fast abgeschrieben, berichtet Hund. Doch in den letzten Jahren, nicht zuletzt seit dem falschen Nostradamus-Zitat nach dem New Yorker Anschlag, erlebt sie wieder regen Zulauf. "Zwar ist Tische rücken ziemlich out, doch Pendelversuche, Wünschelruten, Gläserrücken und Schreibende Tischchen erfreuen sich großer Beliebtheit - auch unter Jugendlichen", erläutert Hund. Dabei werden immer Geister angerufen und Botschaften aus dem Jenseits erwartet.

"Alles Hokuspokus", warnt der Okkultismus-Experte. Glaubt man den sogenannten Hellsehern, so können "magische Pendel" (welche in Fachkreisen bis zu 400 Euro kosten) mit großer Sicherheit angeben, ob ein männliches oder weibliches Wesen bildlich unter ihm liegt, oft Lebensfragen beantworten, zukünftige Ereignisse oder gar das eigene Todesdatum vorhersagen. Hund allerdings glaubt nicht an solchen Humbug. Er nennt als Gründe, warum sich ein Glas oder Pendel überhaupt bewegen kann, natürliche Ursachen wie Muskelspannung, Pulswellen, Atmung und Gefühlslage.

Der Hauptpunkt allerdings dabei sei der sogenannte Carpenter-Effekt, wonach jede Bewegungsvorstellung bei Menschen für einen inneren Antrieb zum Vollzug dieser Bewegung sorgt. "Deshalb können durchaus Antworten beim Pendeln und Gläserrücken stimmen, ohne dass übernatürliche Gründe vorliegen." Neben dem Zufall seien es oft aus dem Unterbewusstsein gesteuerte Antworten sowie die selbsterfüllende Prophezeiung. Dabei mache man das unbewusst wahr, was man befürchte oder auch erhoffe. Doch bei aller Skepsis. Hund beteuert, dass es ihm bei all seiner Aufklärung rein um die Scharlatane und Betrüger ginge, die gerade Jugendliche und psychisch angeschlagene Menschen anzögen wie das Licht die Mücke und obendrein diesen noch bis zu 500 Euro pro halbe Stunde aus der Tasche zögen.

Spaß hingegen sollten nach wie vor alle an Zauberkünstlern wie David Copperfield haben. Schließlich behaupte dieser auch nicht übermenschliche Kräfte zu besitzen, sondern liefere eine sehr gute Show. Warum aber Zauberprofis nicht mehr gegen diese Abtrünnigen der Branche, die vorgaukeln Hellseher zu sein, vorgingen, kann Hund nicht verstehen.

(Quelle: "Bamberg Stadt und Land", 05./06.11.2005)


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