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UFO-Verfolgungsjagden - alles Unsinn?
Der Forscher Werner Walter beschäftigt sich seit 30 Jahren mit "Fliegenden Untertassen". Eine kritische Analyse

von Matthias Will

BAMBERG. In den vergangenen Wochen gab es viel zu tun für Werner Walter. Über 100 Anrufe sind nach seiner Aussage beim "UFO-Telefon" in seiner Mannheimer Forschungsstation eingegangen. E-Mails habe er sogar noch mehr erhalten. "Krass", "Phantastisch", "So etwas habe ich noch nie gesehen", "Bin ich in einem Science-Fiction-Film?" - derartig emotionsgeladen schilderten ihm Menschen ein Phänomen, das sie am Himmel beobachtet hatten. "Immer wieder war von einem seltsamen Feuerball die Rede gewesen", sagt Walter bei seinem Vortrag in der Bamberger Universität.

Er und seine Mitarbeiter sammelten daraufhin die Informationen und analysierten sie. Das Ergebnis war weniger spektakulär als mancher zuvor angenommen hatte. "Es handelte sich um einen Meteor", klärt Walter auf. Das ist ein als Feuerkugel oder Sternschnuppe am Nachthimmel erscheinender Materiebrocken außerirdischen Ursprungs. So enden die Recherchen von Walter über vermeintliche UFOs, die gesichtet wurden, oft. In fast allen Fällen gebe es eine wissenschaftliche Erklärung für die scheinbar unerklärlichen Himmelszeichen, sagt der renommierte UFO-Forscher und Hobby-Astronom. "Das Außergewöhnliche findet lediglich in den Köpfen der Menschen statt. In Wahrheit ist alles viel harmloser als es den Anschein hat."

Gibt es wirklich keinen Fall, der nicht rein naturwissenschaftlich erklärt werden kann? "Doch, etwa fünf Prozent der Fälle, die uns bislang gemeldet wurden, sind noch ungelöst." Walter und seine Mitarbeiter haben bislang insgesamt etwa 1000 Hinweise recherchiert. Die Fünf-Prozent-Quote sei vornehmlich dadurch zu erklären, dass in jenen Fällen zu wenige Zeugen und deshalb nicht ausreichend Informationen vorhanden sind. Als Spinner will der 48-Jährige Referent die Menschen, die UFOs - also so genannte unidentifizierte Flugobjekte - gesehen haben wollen, per se nicht abtun. "Ich habe ja Verständnis dafür, dass viele nach irgendeiner Erklärung für scheinbar geheimnisvolle Dinge suchen, die sich am Himmel abspielen." Vieles sei eben auf Unkenntnis zurückzuführen.

Doch bei denjenigen, die geschäftlich daraus Kapital zu schlagen versuchen, dass sich der "UFO-Gedanke in unserer heutigen Pop-Kultur überall festgesetzt hat", kennt Walter kein Pardon. Die Worte des UFO-Forschers sind nun von Ironie durchtränkt. Er berichtet von Fachkongressen, bei denen die "UFOlogen aus aller Welt zusammenkommen und die tollsten Theorien verfassen". Er erzählt von einem Jugendlichen, der in der Jugendzeitschrift Bravo groß herausgekommen sei, weil er nach eigenen Angaben zunächst telepathisch Kontakt zu einem Außerirdischen hatte, ehe ihm das Alien schließlich höchstpersönlich erschien, um eine Botschaft zu überbringen.

"Oft werden die Geschichten mit einem Hauch Esoterik verquickt. Das macht Spaß, das bringt Spannung, das macht etwas her", spottet der 48-Jährige. Ein Buchautor, der in seinem Werk die Existenz von UFOs nachweisen wollte, habe sich als Fälscher entpuppt. "Sein Nachmieter fand auf dem Dachboden UFO-Modelle." Es habe sich herausgestellt, dass der Mann die Bilder, auf der "Fliegende Untertassen" zu sehen waren, gefälscht habe. Solche Täuschungen könnten mit einfachsten Mitteln - etwa durch geschickten Umgang mit einer Polaroidkamera - erreicht werden.

Vorwürfe macht Walter auch den Medien, die oft sensationslustig, unkritisch und unvollständig über das Thema berichteten. So habe eine US-Zeitung eine "abenteuerliche Geschichte" veröffentlicht, wonach ein deutscher Pilot eines Militärjets mehrere UFOs über die Alpen hinweg verfolgt haben soll. "Die haben sogar den Namen und Wohnort des Piloten genannt." Er, Walter, sei der Geschichte auf den Grund gegangen. Es sei zu einem Telefongespräch mit dem "UFO-Jäger" gekommen. "Der Mann hat mich entgeistert gefragt, von welcher Verfolgung denn überhaupt die Rede sei. Er sei gar kein Pilot, sondern Busfahrer." Die ganze Story hätten sich zwei Redakteure aus den Fingern gesaugt.

Jetzt ist Walter richtig in Fahrt. Er habe selbst die Mechanismen der Medienwelt überprüfen wollen, sagt er. Und deshalb seine eigene Geschichte über UFOs in die Welt gesetzt. Seine frei erfundenen Ausführungen samt einschlägiger Bilder habe er bei einem Fachverlag eingeschickt, der alles prompt veröffentlichte. "Und kurz darauf hat auch noch eine Fernsehzeitung die Geschichte unreflektiert übernommen." Auf die Frage, ob er denn bei der Aktion kein schlechtes Gewissen gehabt habe, antwortet Walter: "Ich glaube nicht, dass Günter Wallraff ein schlechtes Gewissen gehabt hat. Manchmal muss man Grenzen überschreiten, um Missstände aufzuzeigen." Der Schriftsteller Wallraff schilderte in kritischen Reportagen seine Erfahrungen in Betrieben und Institutionen, in denen er unter falschem Namen tätig war.

Walter hat auch für den berühmten "Roswell-Fall" - eine der spektakulärsten Geschichten in der UFO-Forschung - eine nüchterne Erklärung parat. Medien hatten immer wieder berichtet, dass 1947 ein Farmer nahe der US-Kleinstadt Roswell eine "Fliegende Untertasse" gesichtet habe, die später auf die Erde gestürzt sei. Angeblich sei das UFO in den US-Militärstützpunkt "Area 51" verbracht worden. Aus den Erzählungen des Ranchers, der nach eigener Aussage vor einer "großen Menge folienartigem Material" stand, habe sich schließlich doch etwas ganz anderes ergeben. "Die vermeintliche 'Fliegende Untertasse' war in Wirklichkeit ein Höhenforschungsballon, der abgestürzt ist", erklärt Walter. Anfangs sei er ja selbst ein "bekennender Alien-Gläubiger" gewesen. "Im Laufe der Zeit bin ich jedoch immer grüblerischer geworden." Und schließlich hat er sich ganz verwandelt - in einen großen Skeptiker.

(Quelle: "Frankenpost", 12.12.2005)


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