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PresseWie macht man eigentlich ... einen Lauf über glühende Kohlen? Mit nackten Füßen über die Glut? Das geht - auch ohne teures Motivationstraining. Psychologe Christoph Bördlein erklärt's mit Wissenschaft statt Hokus-Pokus. Vorbereitung Wer Glut will, braucht Feuer. Nimm keine deutsche Eiche oder Steinkohle-Briketts, die die Hitze speichern! Ideal ist billiges Holz, das im Dunkeln schön lodert. Ist alles runtergebrannt, schaufelst Du mit der Glut eine Laufbahn: Eine dünne Schicht, drei Meter lang - das genügt für Anfänger. Ans Ende kommen ein Eimer Wasser und ein feuchtes Handtuch. Und dann geht's fast los. Kein Seelen-Doping nötig Du brauchst keine teuren Selbsterfahrungsseminare, musst nicht in Trance sein oder "Tschaka-ich-schaff's!" brüllen. Ich bin Skeptiker - und will zeigen, dass hinter Feuerläufen schlicht Psychologie und Physik stecken, Fakten zur Wärmeleitung zum Beispiel. Stell Dir einen Backofen vor: Die Luft im Ofen, ein Kuchen, das Blech sind 200 Grad heiß. Du kannst die Hand in den Ofen stecken und Du kannst den Kuchen kurz anzufassen - aber am Blech verbrennst Du Dich höllisch. Im Gegensatz zu Metall sind Luft und Kuchen eben schlechte Wärmeleiter. Glühende Kohle auch - vor allem, wenn sie mit Asche überzogen ist. Man muss schon richtig auf ihr stehen, damit man die Hitze spürt, doch Du wirst sie ja nur kurz berühren. Außerdem schützt Hornhaut den Fuß - und das zirkulierende Blut, das ein guter Wärmeleiter ist und die Hitze schnell wegtransportiert. Die Füße müssen also warm und gut durchblutet sein. Lass die Socken an bis zuletzt! Es gibt auch die Theorie, dass Fußschweiß hilft - durch den Leidenfrost-Effekt. Demnach verdunstet der Schweiß beim Kontakt mit der Kohle. Und der entstehende Dampf schützt als Wärme-Isolator. Konzentrier Dich! Und los! Schmerz ist subjektiv. Wenn du dich vor Spritzen fürchtest, tut der Pieks garantiert weh. Denk also an etwas anderes, schönes, wenn Du vor den glimmenden Kohlen stehst, etwa an kühles Moos. Dann hol tief Luft - und geh! Lass dich führen, damit du nicht auf die Kohlen schauen musst. Manche sagen, sie spüren gar nichts. Manche sagen, es prickelt. Und manchmal gibt's auch kleinere Brandblasen, wenn Glut zwischen den Zehen hängen bleibt. Ich sage: Über glühende Kohlen zu gehen, ist ein phantastisches Gefühl - aber lass es trotzdem bleiben! Alle Faktoren müssen stimmen, sonst gibt's Brandwunden bis auf's Fleisch. Das ist auch Physik - und tut mächtig weh! Protokoll: Dela Kienle Christoph Bördlein, Das sockenfressende Monster in der Waschmaschine. Einführung ins skeptische Denken, Alibri, 14 Euro. (Quelle: Neon, 03/2006) |
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