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| Bamberger Skeptiker » Projekte » Geokomiker |
ProjekteGeokomikerWas tun, wenn der Erdstrahl droht? "Bei einzelnen Menschen ist die Vorstellungskraft nicht groß genug, um an die Existenz von Erdstrahlen zu glauben." (http://www.geobiologie.ch/, im April 2001, Seite inzwischen verändert) |
| Erste und Letzte Hilfe bei Erdstrahlenvergiftungen Ein Standardwerk für Weltreisende ist das sehr empfehlenswerte Buch "Where there is no doctor" (deutscher Titel "Wo es keinen Arzt gibt - ein medizinisches Gesundheitshandbuch zur Hilfe und Selbsthilfe auf Reisen") von David Werner, geschrieben "nicht nur für Reisende, Travellers [...], sondern für die einfache Landbevölkerung unterentwickelter Länder, die häufig ohne ausreichende medizinische Versorgung auskommen muss." Dieses Buch vermittelt besonders Medizin unter Wald- und Dschungelbedingungen, kurz unter Umständen, wo man mit dem lokal Vorhandenen auskommen muss. Ein sehr wichtiges Kapitel ist: |
| "Woran man schlechte und gute Hausmittel erkennt" |
| "Weil es schwer ist, gute und schlechte Hausmittel voneinander zu unterscheiden, merke dir folgende Regeln: 1) Je mehr Heilmittel für eine und dieselbe Krankheit existieren, umso unwahrscheinlicher ist die Wirkung eines jeden einzelnen solchen Heilmittels. Wenn auch nur eines der vielen vorgeschlagenen Heilmittel wirklich hilft, werden automatisch alle übrigen überflüssig. Wenn es gegen eine Krankheit nur ein Hausmittel gibt, dann ist das vermutlich das richtige." |
| Diesen wissenschaftlich hervorragenden Ansatz möchte ich für unsere Fragestellung abwandeln in: |
| Wenn es eine (wissenschaftlich nicht nachgewiesene) "Krankheitsursache Erdstrahlen" gibt und diese nach Meinung derer, die die Existenz dieser Krankheitsursache behaupten, mit geeigneten Verfahren abwehrbar ist, dann sollte es ein wirksames Hausmittel geben. Gibt es viele Hausmittel, so sind diese entweder grundsätzlich wirkungslos oder die behauptete Krankheitsursache wirkt so in dieser Art und Weise nicht. |
| Nun ... schauen wir mal, was so ein Querschnitt durch die Literatur zum Thema "Krankheitsursache Erdstrahlen" als wirksame Abwehrmaßnahmen vorschlägt ... |
| Ein Spaziergang durch die einschlägige Literatur SIMON (1997) empfiehlt als Sofortmaßnahme das Umstellen des Bettes. Als Abschirmmöglichkeiten nennt er das Holz von strahlensuchenden Bäumen (unpraktisch: man braucht eine Holzschicht von ein bis eineinhalb Meter Dicke unter dem betroffenen Bett ...), Kork (nur wirksam bis 1.100 Reizeinheiten), Bienenwachs (20 Zentimeter sind eine sinnvolle Schichtdicke), Kupferringe (Obacht! Die Wirksamkeit kann durch Elektrosmog gestört werden!) und den Apollo-Erdstrahlschutz ("Die Hilfe eines geprüften Rutengängers ist bei der Installation notwendig."). KÖNIG (1986) bestreitet die Wirksamkeit von Abschirmungen. Er weist aber darauf hin, dass "Bioresonatoren nach Hartmann" (man stelle sich zwei gegenläufig gewickelte Bettfedern vor) als Breitbandresonatoren im GHz-Bereich wirken können und eine mechanische Eigenresonanz bei "biologisch wirksamen" 10Hz zeigen. BACHLER (1994) rät üblicherweise zum Umstellen des Bettes. EGGERSBERGER & PUCHALKA (1987), die den Fachbereich um so hübsche Fallstudien wie "Fall 88: Kupferblech auf Nachbars Dach bringt Disharmonie in das Schlafzimmer" oder "Fall 93: Kaktus als Störfaktor" bereichert haben, bringen für jedes Fallbeispiel eine individuelle Lösung: Verwendet werden Hufeisen, Vasen (es tut auch ein leeres Trinkglas), Münzen ("Strahlen, die durch ihre Goldkronen aufgebaut wurden, konnte ich durch Unterbringung von zwei Golddukaten im Bett ausgleichen.") oder auch mal eine 200-Liter-Plastiktonne (auf dem Balkon aufgestellt). Oder ein Pflasterstein. Oder ein faustgroßer Rosenquarz. Oft liegt die Lösung auch im Entfernen von Dingen aus dem Schlafbereich, z.B. von Kerzen, Elektrogeräten, Bleiglas, afrikanischen Figuren aus Elfenbein und Holz, Besteck (wo "[...] alle Spitzen auf den Ruheplatz der Hausfrau wiesen"), Bronzefiguren, Lampen mit Bleiständern, "mehrere Bücher im Paperback gebunden", Weihwasserflaschen unter dem Bett ("Weihwasser strahlt, wie alle sakralen Gegenstände, selbst"), Geweihen ("Da die Spitzen der Geweihe verstärkt Radioaktivität im Raum erzeugen [...]") oder ganz allgemein von spitzen Gegenständen, worunter neben Regenschirme auch Gewehre fallen. Nicht jeder Spiegel in den aufgeführten Fallstudien wurde abgehangen. Einer wurde mit einer Wolldecke verhüllt. Man kann übrigens auch die Wolldecke über den Heizkörper legen und die abstrahlende Spiegelkante mit Filz abkleben. Der vorliegenden Ausgabe des Buches ist ein zweiseitiger Brief von Berta Eggersberger beigelegt (10.10.1996), der informiert: "Es ist mir durch immerwährendes Suchen und Testen gelungen, einen Gegenstand zu finden, der bei Tages- oder künstlichem Licht ein Zimmer 'erdstrahlfrei' macht, ohne alle 'strahlenden' Gegenstände aus dem Raum entfernen zu müssen. Dasselbe gelang mir seit einiger Zeit mit einem anderen Gegenstand, der keinen Lichteinfall benötigt und daher in Schlafräumen zu verwenden ist." Es handelt sich - wir sind gespannt! - um: "Gegenstand 1 ist eine geschliffene Swarovsky Bleiglaskugel mit Aufhängevorrichtung. Gegenstand 2 ist ein pentatonisches Klangspiel." Und als besonderer Service "für meine Leser" werden die Teile auch gleich zum Kauf angeboten: Das Klangspiel ist mit DM 35.- noch recht preisgünstig; die Kugeln kosten je nach Größe zwischen DM 20.- (popelige Drei-Zentimeter-Kugel, 49 Gramm) und DM 600.- (zehn Zentimeter Durchmesser, 1.800 Gramm schwer, sozusagen der Rolls-Royce unter den Erdstrahlscheuchen): "Die telefonische Anweisung, wo und wie die Gegenstände anzubringen (oder zu verändern) sind, ist kostenlos! Anruf am besten zwischen 18 und 19 Uhr." Eine Bankverbindung ist angegeben, eine Telefonnummer leider nicht. SEILER (1970) schreibt: "Am besten schläft derjenige, der den Kopf nach Norden oder Osten und die Füße nach Süden oder Westen richtet [...]" Und frisch geschnittene Tannenrinde dämpft die Strahlung erheblich. WETZEL (1985) findet neben Mineralsalzen, Metallen, Edelsteinen und Farben besonders Pflanzen hilfreich. Nach einer fünf Seiten langen Liste von "Pflanzen, die RZ-Einflüssen entgegenwirken", beschreibt er ausführlich, was für "Teemischungen gegen Strahlungseinflüsse" geeignet sind. Bestimmte Pflanzen haben darüber hinaus noch spezifische Wirkungskräfte gegen tektonische Ungleichgewichte (darunter fallen übrigens auch archäologische Bereiche), terrestrische Ursachen, Elektrizität, Wasseradern, Radioaktivität, Erdmagnetismus, kosmische Strahlung, kosmische elektromagnetische Einwirkung (Mond) bzw. atmosphärische elektromagnetische Einwirkungen (Föhn etc.). Daneben nützlich in Sachen "Raumklimaverbesserung, Reizintensitätsminderung, Feldnivellierung usw." sind Bienenwachskerzen, Rosskastanien (drei Stück sind bei sich zu tragen), Marmormehl, Holzscheite, Lehm und Ton und einiges andere mehr. Und: "[S]uche Dir einen Kieselstein, der Dich besonders anspricht, nimm ihn mit Dir und lege ihn für ein bis zwei Stunden in ein Glas mit Wasser, trinke dieses täglich, das soll Dich energetisch stärken." SCHNEIDER (der mit der Lecher-Antenne) empfiehlt in seinen Skripten (1988) u.a. zwei leere Flaschen an bestimmten Stellen im Garten so zu vergraben, dass die beiden Öffnungen zusammen liegen (Hantelform). |
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| "Da kommt nix mehr durch!" (Comic: Detlev
Lück, 2002) |
| OTTO (1986) meint, "dass das Abschirmen mit Flaschen, Kupferdrähten
bzw. Dipolen, Kupferplatten und Drähten, die als Ring in das Bett gelegt
wurden, nichts bringt." Zur Überprüfung von Abschirmungseffekten empfiehlt er den Einsatz eines "Elektrogeobioskops". Ottos Rat ist die Aufstellung eines Schwingkreises (Aufbau eines Magnetfeldes mittels Luftspule, Antenne und Kondensator ...). Daneben wird der Wechsel des Schlafplatzes als beste Maßnahme empfohlen, auch wenn das zu einzelnen Härtefällen (d.h. Aufgabe des Wohnsitzes) führen kann. THURNELL-READ (1997) empfiehlt Kristalle, Spiralen (immer paarweise, am besten unter der Decke oder auf dem Dachboden), Spiegel ("[...] reflektieren negative Energie ebenso wie Licht"), Aluminiumfolie, Metallplatten, Kosmische Batterien (der belgische Beitrag: Eine Serie von 34 Glasröhrchen, die in genau festgelegter Anordnung Zahlen, Metallspiralen, homöopathische Mittel etc. enthalten), Stäbe, Farben, Magnete, Apopi-Kugeln (Plastikkugeln mit geheimnisvollem Inhalt), Formen (besonders die Pyramide), Fotografien (Schwarzweißnegative mit Aufnahmen des betroffenen Gebäudes in einem bestimmten Winkel, sind an einem sorgfältig gewählten Ort zu vergraben, am besten auf einem Spiegel ...), Pflanzen, Symbole, schlussendlich Zeremonien und Rituale (sehr entzückend die Erwähnung, das sich sexuelle Energien auf Steine aufladen lassen. Das bekommt man im Geologiestudium nicht beigebracht ...). Daneben wird noch auf die Nützlichkeit von Feng Shui und von apparativen Schutzvorrichtungen (programmierte Kristalle, "Gizmos" etc.) verwiesen. Ferner eine Anleitung, wie man seinen Körper mittels eines Föhns entmagnetisieren kann ("Denken Sie daran, Kreditkarten oder andere Karten mit Magnetstreifen vor dem Entmagnetisierungsprozess abzulegen, da die in ihnen gespeicherten Informationen sonst verlorengehen könnten.") KIRCHNER (1977) fügt unter "Erfahrungsberichte" einen Artikel von EGGER an, in dem die strahlenmildernde Wirkung von Aluminium- oder Bleifolien aufs Schärfste bestritten wird. GROTHE (1988), Spezialist für das "Benker-Kuben-System" betreibt die Entstörung ("Raumveränderung") ohne Gerät: Er legt außerhalb der Strahlung bzw. Kubuskreuzung einen Punkt fest, geht von dort aus einen Kreis rechts um den gefährlichen Ort herum und tritt nach dem Schließen des Kreises (wichtig!) aus dem Kreis heraus. Dann ist der Satz zu denken oder auszusprechen: "Durch den Kreis, den ich gehe, werden alle schädlichen Strahlungen ausgeschaltet. Ich schließe den Kreis genau." Danach sind die Erdstrahlen verschwunden, die Entstörung hält auf die Minute genau sieben Tage an und muss dann erneuert werden. Zu Demonstrationszwecken kann man die Strahlung auch wieder durch eine erneute Kreisbegehung einschalten: Kreis links herum, in den Kreis hineintreten, Text entsprechend abändern. KOPSCHINA (1991) beschreibt eine "Basistherapie gegen Geopathie" mit den Substanzen Polyxan ("[...] Präparat aus einer Pflanze, die auf geopathisch belastetem Boden gewachsen ist.") und Pascotox. Ebenso gibt er eine Adresse an, wo man Blutproben zum "Geotest" einschicken kann und empfiehlt das "WS-Frequenzgerät [...], das auf das bioplasmatische Feld des Menschen einwirkt." KOPSCHINA wettert ausgiebig gegen "Entstörgeräte": "Das Problem der Entstörgeräte und Entstörmatten ist das traurigste Kapitel der Geobiologie überhaupt. Handelt es sich im günstigsten Fall noch um gutgläubige Selbsttäuschung, so sind auch völliger Schwachsinn und absolute Unkenntnis technischer und geobiologischer Gegebenheiten häufig anzutreffen. Selbst brutal-bewusster Betrug ist eine der Grundlagen eines unüberschaubaren Marktes.". Ebenso finden keine Gnade "... die simple Kachel auf dem Fensterbrett (aber bitte nach Norden ausrichten), [...] die Schnecke aus Kupferdraht (statt dem Engel, in der Mitte über den Ehebetten), das Stück Papier mit geheimnisvollen Zeichen, der Stein in der Ecke (der nach dem Gebet aktiviert wird), die Schüssel Wasser unter dem Bett (aber täglich erneuern), der Achatstein in jeder Bettdecke, der Kupferdraht um Bett oder Haus und was es nicht noch alles gibt." Doch keine Bange, auch er weiß wirksame Maßnahmen anzuführen: Stroh (das Mittel unserer Vorfahren) ist außer Mode, aber zuverlässig helfen abschirmende Spezialkork-Abschirmmatten und HWS-Zellstoffplatten. Beide - o welch glücklicher Zufall! - eine Entwicklung des Autors. Daneben gibt es noch Anbieter von speziellen Geräten: Das Rayonex wird unter Geokomische Geräte: Protektoren: Entstrahlung vorgestellt. Falls ein Phylax nicht zu ihrer Wohnzimmereinrichtung passt - vielleicht ein AS-20? |
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| "Sicher ist sicher!" (Comic: Detlev
Lück, 2002) |
| "Die Wirkungsweise der AS-20 Geräte besteht darin, dass durch
die geeignete Materialwahl, Dimensionierung, sowie Anordnung der verschiedenen
Schaltkreise, eine äußerst wirkungsvolle Ankopplung an die vorhandenen
Reizzonen stattfindet." HENRICH (1933) und auch GRÜN (1986) halten übrigens nichts von solche Geräten, Letztere empfiehlt das Umstellen des Bettes. VON POHL (1932, Nachdruck 1978), der Urgroßvater des "Krebs durch Erdstrahlen"-Mythos, gab sich mit solchem Kleckerkram natürlich nicht ab. Er hatte 1928 ein Patent zur Erdstrahlen-Umlenkung angemeldet, worauf ihm das Deutsche Patentamt beschied: "Anmelder kann den Verdienst für sich in Anspruch nehmen, als Erster auf eine Abhilfe gegen diese Schäden gesonnen zu haben." Doch was wäre Daniel Düsentrieb ohne die Praxis: Nach monatelangem Experimentieren wurde eine Entstrahlungsstation eingerichtet, die die Stadt Dachau von Ende Januar 1931 bis zum 19. September 1931 entstrahlte: "Am 19. September 1931 musste ich zu meinem Bedauern die Entstrahlung von Dachau einstellen, da ich verreisen musste." Von Pohl berichtet von einer Reihe auffälliger Änderungen individueller Krankheitssituationen oder Befindlichkeiten vor/während/nach der Entstrahlungsaktion. Hmm ... eigentlich erstaunlich, wie viele Apologeten des Erdstrahlenmythos sich auf von Pohl berufen, aber mit Abschirmvorschlägen im Do-it-yourself-Maßstab operieren, wo doch der Meister selbst schon eine flächendeckende Abschirmstation als Patent angemeldet hatte ... |
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