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Geokomiker

von Dipl.-Geol. Michael Link

Geokomische Geräte: Protektoren: Entstrahlungsgeräte

Wer nun - beeindruckt von Pendelschwung oder Rutenzucken - sich von Erdstrahlen bedroht fühlt (sei es aus eigenem Erkunden oder von hilfsbereiten Mutern beraten), der sucht nach Möglichkeiten der Abwehr. Eine Auswahl gängiger Praktiken ist in Was tun, wenn der Erdstrahl droht dargestellt. Gerne werden "technische" Lösungen gesucht, Abschirmgeräte oder Erdstrahlfallen. Eine kleine Auswahl stellen wir hier vor:

 
Wahre Poesie. Ja, das ist wahre Poesie: Ein funktionsloses Gerät zum Neutralisieren einer nicht existenten Strahlung. :-)
   
Rayonex. Das "Rayonex" ist formschön einer TV-Zimmerantenne nachempfunden: Es besteht aus mehreren, gegeneinander versetzbaren Antennenebenen. Zur fachmännischen Aufstellung kann es mittels des eingebauten Kompasses genordet werden; hierzu ist eine Seite der obersten Antennenebene zur richtigen Ausrichtung mit Nordmarken (weiße Plastikschieber) bezeichnet.
   
Rayonex Super.

Und wer auch seinen Nachbarn etwas Gutes tun möchte, der greift zum "Rayonex Super", dessen "mittlere Reichweite" vom Hersteller mit 50 Metern angegeben wird.

Und was macht man mit der somit aufgesammelten bösen Erdstrahlung? Nein, man ist natürlich keine Umweltsau und kippt sie beim Nachbar über den Zaun! Man leitet sie über das Erdungskabel (in braun, so viel Ordnung muss sein) wieder in den Untergrund - soll sie doch schauen, wo sie bleibt!

   
Traditionell kurios. Die Tradition zur Konstruktion derartiger Kuriositäten ist übrigens hierzulande schon etwas älter. Wer die Gelegenheit hat, auf einem Flohmarkt ein echtes "Phylax" zu erstehen ...
   
Original Phylax. ... nur echt mit diesem Zeichen!
   
Girlie-Modell. Endlich! "Rayonette", die poppige Ausführung für das Jungmädchenzimmer im schicken Plexiglas, mittlere Reichweite sieben Meter und vermutlich auch als Haarbürste geeignet.
   
Im Schatten des großen Bruders. "Rayonette" und "Rayonex Super" im direkten Größenvergleich. Die logischen Weiterentwicklungen wären ein "Rayo-Giga", das eine ganze Öko-Siedlung auf einmal säubert, und ein "Rayonix" zum Personenschutz, das als Ohranhänger getragen werden kann.
   
Der Taschenwärmer.

Naja, wenigstens das Ray-Fast-Nix gibt es schon. Der Vorbesitzer beschrieb das abgebildete Teil als:

"Portabler Biofeldformer - Erdstrahlen-Entstörer - ein vorbeugender Schutz. [...] Mit dem Mini-Rayonex steht ein kleines, tragbares und sehr handliches Gerät zur Verfügung. Es ist dazu gedacht, im Umkreis von ca. 2 m die geopathische Belastung zu reduzieren. Aus diesem Grund wird es normalerweise in einer Tasche der Kleidung am Körper getragen. In einem solchen Fall zeigt die Aufschrift des Mini-Rayonex vom Körper weg."

   
Und weiter: "Wird der Mini Rayonex z B. im Hotel zur Reduktion der geopathischen Situation eingesetzt, zeigt die Aufschrift nach oben Auf dem Gerät befindet sich eine Kennzeichnung für West und Ost. Bei stationärer Anwendung hat das Gerät einen etwas größeren Wirkungskreis von ca. 3 m, wenn es entsprechend der West-Ost Richtung ausgerichtet wurde. Da dieses Gerät keine Erdung aufweist, muss es regelmäßig (alle zwei Wochen) für ca 30 Sekunden unter fließendes Wasser gehalten werden. Das Teil lag bei uns bisher unterm Bett zur Entstörung. Da wir aber jetzt das ganze Haus entstört haben, wird es nicht mehr benötigt."
 
Kennen Sie schon das Sanotron?

Und noch eine wunderbares Produkt der Erdstrahlen-High-Tech-Schmiede Rayonex - das Sanotron:

"Eine andere Meßmethode ist die mit dem Biofrequenzsender Sanotron, der je nach Einstellung der Skala von 0-100 kosmische Wellen empfängt und sendet, mit denen die Organe und Zellen vom Gehirn aus gesteuert werden." (aus: Rayonex - Prospekt zu "Rayotest - Diagnosestab zur Ortung feinstofflicher Energie").

Soso, Körpersteuerung durch das Gehirn mittels kosmischer Wellen. Vielleicht stammt von da her die Redensart "der Mann hatte keine Nerven" ...

   
Das Joskitron.

Auch wenn es wie eine Designer-Kaffeemaschine von Ikea aussieht: Das Joskitron (auch Duplex II genannt) gibt es in drei Größen. Es dient - wir zitieren den Hersteller - als "Biofeldformer". Nicht im Bild ist der Nachbrenner, der Zauber-Booster für das Gerät, den der Hersteller als Zusatzschutz gegen Elektrosmog anbietet: der "Rayonator". Allerdings würden wir uns mehr über ein Erweiterungsmodul freuen, dass aus dem Gerät endlich eine vernünftige Kaffeemaschine machen würde ...

   
Der Betonblock für den Kopf. Etwas weniger filigran, dafür aus Beton gefertigt: Der "Original CAP. Kompensator".
   
Der Baustein mit der Doppelröhre. Dreht man das Teil, so findet man hinter einer Glasscheibe zwei Glasrohre eingebaut, wovon die eine ein geheimnisvoll glitzerndes Pulver enthält. Der Wirkstoff in der anderen Röhre ist - oh Zauberei! - unsichtbar.
   
Plastik-Design der 70er. Das "Kaschwe Entstör-Gerät für Erdstrahlen", Prinzip "Black Box", also ein geheimnisvolles Kästchen mit Kabel und Stecker. Wir schreiten zur Autopsie ...
   
Powered by Seltmann Weiden. Unter dem Plastikdeckel verbirgt sich, zwischen zwei Holzleisten eingeklemmt, eine einfache Kupferspirale, die sich um einen Drahtstift schlängelt. Die Stromkabel verzweigen zu Spirale und Stift. Das ungewöhnlichste Bauteil ist in einer Führung zwischen den Leisten über der Spirale eingespannt: Eine kleine Servierplatte der renommierten Porzellanfabrik Seltmann Weiden in der Oberpfalz.
   
Es gibt ihn wirklich: der Nordsüd-Gleichrichter. Noch eine "Black Box": Der Nordsüd-Gleichrichter - formschönes Gehäuse, außen ein "Internationales Zertifikat der Weltorganisation für geistiges Eigentum Genf".
   
Westwärts ... Eine Vorstellung, Autopsie und Diskussion eines dieser wunderschönen Geräte findet sich im Radiomuseum, dort auch der Bericht von jemandem, der sich dieses Technik-Placebo hat aufdrehen lassen.
   
Autopsie! Auch in unserem Gerät enden die Stromkabel blind im Gehäuse. Wir bestätigen daher die rückwärtig aufgedruckte Angabe: "Der Nordsüd-Gleichrichter entspricht den sicherheitstechnischen Vorschriften des SEV (Schweiz. Elektrotechnischer Verein)."
   
Ist da überhaupt was drin ...? Schaut aus wie ein Babyphon, ist aber ein Tela-Entstrahlungsgerät. Die öffentliche Autopsie des Gerätes auf dem Bamberger Spezial-Keller (März 2005) wurde zunächst dadurch erschwert, dass Gehäuse und Schraubenköpfe sorgfältig zugeklebt waren.
   
Skeptische Feldforschung mit Skalpell und Schraubenzieher. Tela geöffnet: Das so sorgfältig verschlossene Gehäuse verbirgt Silberdraht und Elektrobauteile für rund 20 Cents, Anordnung im Typus "Schwingkreis". Der Draht endet nach mehreren Widerständen in der Erdungsleitung des Steckers. Das Gerät ist somit nicht nur sinn-, sondern auch stromfrei.
   
Netz-Totalfreischalter.

Über den Sinn von Netzfreischaltern kann man streiten, dieser "Globina-Strahlenschutz" jedenfalls wird "von Ärzten, Geobiologen, Naturheilforschern und Rutengängern" empfohlen. Was uns sehr interessiert hätte, aber leider fehlt, ist die Adresse eines Rutengängers, der tatsächlich (also unter wissenschaftlich kontrollierten Versuchsbedingungen!) elektrischen Strom fühlen kann.

 
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