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| Bamberger Skeptiker » Projekte » Paranoptikum |
ProjekteParanoptikumTrümmer des Glaubens ("Kleriseum") Ob organisierte Religion oder volkstümlicher Aberglaube: Gläubige verwenden gerne Objekte als Ausdruck oder Ziel des Glaubens. Solche Fokusobjekte vom Penisköcher der Papua bis zur Heiligen Lanze des Heiligen Römischen Reiches finden sich in allen Kulturen und Zeiten. Wir nehmen auch gerne Spenden. Sollten Sie also noch eine der zahlreichen überlieferten Vorhäute Jesu oder etwas Kot vom Palmesel im Schrank haben und nicht mehr brauchen, so kont@ktieren Sie uns bitte! |
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Wachskerzen, handgezogen aus Bienenwachs, vom Kloster Osios Loukas, Hellas, griechisch-orthodox. Das Stiften eines Lichtes ist in vielen Glaubensrichtungen verbreitet und stellt die kleinste Form des Brandopfers dar. Gerne wird diese Sitte in die Bewirtschaftung von Glaubensstätten integriert: Brandkörper werden gegen bare Münze feilgeboten und Abbrandplätze eingerichtet. |
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Gebetssteine, gebrannter Ton aus Kerbela, aus verschiedenen Moscheen im Iran. Die oberen drei stammen aus dem Mausoleum des Ayatollah Khomeini in Teheran, islamisch-schiitisch. Schiiten (mit Ausnahme der Ismaeliten) beten mit der Stirn auf einem Gebetsstein (mohr). Diese Gebetssteine werden im Haus oder am Körper in speziellen Tüchern (mohr posh) aufbewahrt. Stein und Tuch gelten als geheiligte Gegenstände, sie werden nie verkauft oder zweckentfremdet. |
| Ein ordentlicher Gebetsstein stammt aus Kerbela, wo sich der Enkel des Propheten zu seinem letzten Kampf rüstete, und wird gerne von Pilgern als Reisemitbringsel angeschleppt und verschenkt. Es war Prophetenenkel Husains' letzte Schlacht: Mit 150 Kämpfern an der Seite gegen 5.000 Feinde war das Ergebnis nicht sehr überraschend. Der Überlieferung nach starb Husain an 34 Schwert- und 33 Pfeilwunden. Noch heute pilgern an jedem Jahrestag des Kampfes Tausende von Schiiten nach Kerbela (Irak) und frönen dort der Selbstgeißelung. |
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Tetraptychon, Messing mit Email, Russland, russisch-orthodox. Eine Detail-Ansicht gibt's hier. Die Reise-Ikone zeigt die Festtage und die vier berühmtesten Wallfahrtsikonen Russlands (Flügel von links nach rechts, jeweils von oben nach unten): |
Kreuzigung Christi, Verkündigung, Geburt Christi, Geburt der Gottesmutter, Einführung Mariens in den Tempel - Dreifaltigkeit , Darstellung Christi im Tempel, Taufe Christi, Verklärung Christi, Einzug in Jerusalem - Aufrichtung des wahren Kreuzes, Höllenfahrt Christi, Himmelfahrt Christi, Pfingsten, Tod der Gottesmutter - Gottesmutter "Würdig ist es dich zu preisen", Ikone Gottesmutter Tichwinskaja, Ikone Gottesmutter Wladimirskaja, Ikone Gottesmutter Smolenskaja und die Ikone Gottesmutter Známenie von Nowgorod, alle Wallfahrtsikonen jeweils von den lokalen Heiligen umgeben. - Tja, da hat man was zu beten ... |
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Belemnit, Kalk, traditioneller mitteleuropäischer Volksglaube (Bildmitte). Belemniten sind das kalkige Innenskelett (Rostrum) einer ausgestorbenen Tintenfischfamilie aus dem Jura, hier in der Fachwerksfüllung eines ca. 1860 erbauten Hauses in Gärtenroth/Burgkunstadt deponiert und durch den verfallsbedingt abfallenden Originalputz freigelegt. Belemniten lassen sich in dieser Region freigewittert und lose auf Ackerflächen finden und werden im Volksmund als "Teufelsfinger" oder "Donnerkeile" bezeichnet. Gepulverte Belemniten wurden in der Volksmedizin gegen Augen- und Blasenleiden, als Aphrodisiakum und gegen Hexenschuss eingesetzt. Daneben galten Donnerkeile als wirksamer Abwehrzauber gegen Blitzschlag. Ob das vorliegende Exemplar absichtlich als Schutzamulett in das Fachwerk eingebaut oder nur zufällig als Gemengekomponente des verwendeten Tones eingetragen wurde, ist nicht mehr nachvollziehbar. |
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Das Blaue Auge, Glas, Izmir, islamisch-sunnitisch (türkischer Volksglauben). Diese Schutzamulett gegen den bösen Blick ist besonders im kleinasiatischen Kulturkreis in zahllosen Variationen zu finden. Das Blaue Auge oder Nazur Boncuk ist ein weit verbreiteter, volkstümlicher Schutzzauber, der als Glasperle, Glasscheibe oder auch Malererei auftritt. Man findet es an Autos, Kleidung oder in Wohnräumen und Läden. Augenamulette haben eine lange Tradition: Neben dem Auge des Horus der alten Ägypter kennen wir seit der Antike die Tradition der Bootsaugen, die noch heute an Fischerbooten in Südportugal, Malta und Gozo verwendet werden. |
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Votivstein, roter Quarzit mit Goldlackbemalung, Adelgundis-Grotte am Staffelberg (Oberfranken), römisch-katholisch (Volksglauben). Auch das katholische Christentum hat eine große Vorliebe für Pilgerorte, Wallfahrtskirchen, Kreuzwege und Anbetungsplätze. Besonders im Umfeld von Erscheinungsstätten wird oft um "persönliche Wunder" wie besondere Heilungen nachgesucht. Im Erfolgsfalle werden bisweilen Votivgaben wie Bilder, Gegenstände mit Bezug zur Heilung (Krücken, Wachsnachbildungen von Körperteilen etc.) oder Dankschreiben am Anbetungsplatz deponiert. |
| Der Staffelberg in Oberfranken gilt als Kultplatz zur Verehrung der Heiligen Adelgundis. Neben der Kirche auf dem Berg befindet sich am Westhang eine Nische im Blockschutt, die als Anbetungsstätte (Adelgundis-Grotte) genutzt wird. Die Votivstein ist Ausdruck eines volkstümlichen Glaubens, die mythologische bzw. religiöse Bedeutung der Gabe beruht auf persönlichen, individuellen Vorstellungen. Der Stein stammt nicht aus der näheren Umgebung, er hat entfernt sargähnliche Rautenform mit einem aufgemalten Kreuz. An den Längsseiten sind die Buchstaben "J E S U S" angebracht. |
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Moqui Marbles, oolithische Eisen-Sandsteinstein-Konkretionen, ursprünglich ein Kinderspielzeug bzw. Haustalisman der Moqui-Indianer, heute inzwischen als "lebende Energiesteine" ein indianisch-esoterischer Kultgegenstand, der von den Gläubigen wie ein Tamagochi gehegt und gepflegt wird. Die Vorkommen in Utah/USA wurden so freizügig geplündert, dass die Regierung ein Sammelverbot erlassen hat. Eigentlich verwunderlich, berichten doch die Anhänger: "Erstaunlicherweise werden die Moquis nur an einer kleinen, runden Erdformation gefunden, welche dem Erdmittelpunkt sehr nah ist. Bei längerem Hinsehen kann man beobachten, wie die Moqui-Marbles geboren werden, teilweise sogar pärchenweise." Sprachlich spannend auch die oft zu lesende Aussage "die Moqui-Indianer nennen ihre Steine Moqui-Marbles, was soviel bedeutet wie 'treue Lieblinge'". Anscheinend bedeutet der Stammesname Moqui treu und das englische Wort marble (Murmel) auf Moqui Liebling. Oder umgekehrt ... |
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Das nächste Exponat reiste stilecht - wie es sich für ein ordentliches christliches Wunder gehört - in einem Hochwichtigkeitsumschlag mit St. Florians-Briefmarke an. |
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Fotographische Abbildung von Jesus Christus, Reproduktion auf Fotopapier, ca. 12x18 cm, Maria Zell (Steiermark/Österreich), römisch-katholisch
(Volksglauben).
Dauerhafter als all die "Jesus in the Clouds", eindrucksvoller als die Heilige Tortilla und von bester Provenienz: Etwa 1945 wurde in der Nähe des Wallfahrtsortes Maria Zell (Steiermark) von einer Touristin ein Rosenbusch fotografiert. Auf dem Abzug zeigten sich seltsame, zerfließende Strukturen. Die Fotographin - soweit bekannt ein sehr religiöser Mensch - überließ das Foto, auf dem sie selbst nichts als schwarze Flecken erkennen konnte, ihrem damaligen Unterkunftsgeber. Der wiederum glaubte, darin Jesus zu sehen, der - unsichtbar für das menschliche Auge - vor diesem Rosenbusch gestanden haben musste. Als dieser Mann verstarb, verschwand das Foto spurlos. 50 Jahre später tauchte es unter mysteriösen Umständen wieder auf: Eine indische Missionarin, die das Bild in Verwahrung hatte, brachte es nach Österreich zurück. Das Original befindet sich jetzt im Besitz eines Zeitzeugen, von dem auch autorisierte Abzüge bezogen werden können (Kontakt: ml.online@aon.at). |
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Chinesische Glücksmünzen, Blech und Garn, Peking, ursprünglich chinesisch-traditionell, im westlichen Kulturkreis inzwischen Feng-Shui-esoterisches Glaubensobjekt. Die rituelle Funktion hängt von der Anzahl der verschnürten Münzen ab: |
| "Drei Münzen, an der Eingangstüre aufgehängt, laden die Wohlstand und Glück bringenden Energien in die Wohnung ein, sechs Münzen in die Finanzecke gelegt, fördern den Geldfluss, acht oder neun Münzen an Auftrags- oder Rechnungsbücher, oder an Registrierkassen angebracht, immer mit der Yang Seite (vier chinesischen Zeichen) nach oben, tragen zur Steigerung des Umsatzes bei." (aus einer Produktbeschreibung bei www.aworldoffengshui.de) |
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Steinernes Gebetsbuch, Kalksandstein ("Würfelkalkbank", Lias alpha), von Skeptikern gefunden in der Tongrube Großheirath (Oberfranken), christlich-kreationistisch. Das ist der Beweis! Vergessen Sie all diese unwichtigen menschlichen Fußabdrücke neben Saurierspuren oder die Hammerköpfe und fossilen Schuhsohlen aus dem Karbon. Dieses steinerne Objekt ist auf Grund des Kreuzsymboles eindeutig als fossiles, christliches Gebetsbuch aus dem Mesozoikum zu identifiziern. Es hat die Maße 15x12x3 Zentimeter und kann auf Grund der Versteinerung leider nicht mehr aufgeblättert werden. |
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Steinernes Gebetsbuch, Detail. Auf dem vorderen Einband sind millimetergroße Applikationen in Stern- und Sonnenform erhalten. Bei darwinistischen Wissenschaftlern hat sich für derartige Verzierungen der Begriff "Echinodermenschutt" eingebürgert. |
Literaturtipps:
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