Zum Vortrag:
Im Alltag sind wir davon überzeugt, daß es in der erfahrbaren
Welt immer mit "rechten Dingen" zugeht. Wir glauben nicht, daß materielle
Objekte aus dem Nichts auftauchen noch spurlos verschwinden, ebensowenig
nehmen wir an, daß mentale und geistige Aktivitäten sich verselbständigen
und sich vom Trägermaterial abtrennen können. Die wissenschaftlich
verfeinerte und argumentativ gestützte Form dieser Überzeugung
des Alltagsverstandes nennt man Naturalismus. Die philosophische Tradition,
speziell der christliche Platonismus, der deutsche Idealismus und jüngst
die geisteswissenschaftliche Hermeneutik haben sich immer gegen die Naturalisierung
der Anthropologie gewehrt. Im Vortrag wird der gegenwärtige Stand der
Naturalismusdebatte auf der Basis der heutigen Wissenschaftsphilosophie
präsentiert.
Zum Referent:
Prof. Bernulf Kanitscheider, Jahrgang 1939, promovierte 1964 in Innsbruck
über das Thema "Das Problem des Bewusstseins"; 1970 folgte die Habilitation
für Philosophie (ebenfalls in Innsbruck) mit dem Thema "Geometrie und
Wirklichkeit". Seit 1974 ist Prof. Kanitscheider Lehrstuhlinhaber für
Philosophie der Naturwissenschaft am Zentrum für Philosophie und Grundlagen
der Wissenschaft an der Universität Gießen. Arbeitsgebiete der
Vergangenheit und Gegenwart: Kosmologie, Philosophische Probleme der Relativitätstheorie
und der Quantenmechanik, Selbstorganisation und Chaosforschung, Bioethik,
Lebensphilosophie, die Reichweite der Idee der Selbstorganisation, Aufbau
einer philosophischen Anthropologie auf naturalistischer Basis, Hedonismus
als wissenschaftskompatible Ethik auf sensualistischer Basis, philosophische
Probleme der Sexualität sowie das Drogenproblem aus interdisziplinärer
Perspektive.
Weitere Informationen zum Referenten sowie eine Auswahl von Veröffentlichungen
finden Sie auf den Internetseiten der
Universität Gießen; sehen Sie hier nach, welche Bücher
von Prof. Kanitscheider beim Onlinebuchhändler Amazon.de lieferbar
sind.