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Editorial Skeptiker kompetent und anerkannt? Stephan Matthiesen Hat sich die skeptische Bewegung als eine gesellschaftliche Kraft etabliert, als anerkannter und kompetenter Ansprechpartner zum Thema Parawissenschaften? Eine ehrliche Bestandsaufnahme so wichtig sie wäre steht aus, doch nach meinem persönlichen Eindruck ist dieses Ziel in weiter Ferne. In der Öffentlichkeit ist die GWUP praktisch nicht bekannt. Aktivitäten beschränken sich im Wesentlichen auf gelegentliche spontane Medienauftritte oder werden von wenigen Einzelpersonen getragen, aber es gibt kaum langfristig koordinierte Projekte. Selbst bei so zentralen Themen wie der Diskussion um das Lebensbewältigungshilfegesetz glänzt die skeptische Bewegung durch Abwesenheit. Warum ist das so? Skeptiker geben sich gerne das Bild des offenen, unvoreingenommen Prüfers. Warum werden sie trotzdem in der Öffentlichkeit oft als engstirnige Neinsager angesehen? Ein Grund dürfte sein, dass tatsächlich manche Skeptiker engstirnige Neinsager sind also lauthals eine Meinung vertreten, ohne sich vorher zu informieren. Nicht selten habe ich es erlebt, dass Skeptiker pauschal Parawissenschaften oder Esoterik angreifen, anscheinend ohne zu erkennen, dass sich hinter diesen Begriffen ein Sammelsurium völlig unterschiedlicher Themen und Behauptungen ganz unterschiedlicher Qualität verbirgt. Oft ist diese undifferenzierte, pauschalisierende Argumentationsweise die Folge einer gewissen Betriebsblindheit. Der eine mag Erfahrungen mit ruchlosen Scharlatanen haben und sich deshalb vor allem als Verbraucherschützer sehen, der die Öffentlichkeit warnen muss, ohne zu merken, dass die Szene nicht nur aus Scharlatanen besteht. Ein anderer denkt an die sorgfältig kontrollierten Studien der parapsychologischen Forschung und hat wenig Verständnis für die Besorgnis jener Menschen, die im real existierenden Esoterikangebot wenig Wissenschaftliches entdecken. Es mag zwar in einer hitzigen Diskussion verständlich sein, wenn unerfahrene Diskutanten auf diese Weise aneinander vorbeireden. Weniger amüsant ist es aber, wenn selbst langjährige, prominente Vertreter der skeptischen Szene manchmal kaum mehr als undifferenzierte Stammtischargumente parat haben. Sicher, niemand kann Experte in allen Bereichen sein, in den meisten Wissensgebieten wird man kaum mehr als oberflächliche Sachkenntnis erwerben können. Doch sollte man versuchen, die Grenzen des eigenen Wissens zu kennen, und nicht mit voller Überzeugung Dinge behaupten, über die man noch niemals nachgedacht hat. Oft jedoch scheint nicht einmal die Bereitschaft vorhanden, sich auf neue Themen, neue Informationen oder neue Argumente einzulassen zum Entsetzen der vielen Mitglieder, die wie ich selbst Spaß an neuen, spannenden und interessanten Fragestellungen haben. Zwar kann niemand die Zeit aufbringen, sich über jedes Thema, das gerade in Mode ist, umfassend zu informieren. Doch gibt es einen Themenbereich, der zentral für die Arbeit von Skeptikern sein sollte, über den aber trotzdem innerhalb der skeptischen Bewegung fast völlige Unkenntnis herrscht: die soziologischen und psychologischen Hintergründe von Parawissenschaften. Sollte man nicht, um gezielt zu arbeiten, zunächst feststellen, wie verbreitet der Glaube an verschiedene Parawissenschaften eigentlich ist? Derartige Analysen existieren innerhalb der Skeptikerbewegung nicht, und die entsprechende sozialwissenschaftliche Forschung ist weitgehend unbekannt. Stattdessen wird pauschal von einer wachsenden Flut gesprochen, oder man empört sich über das eine oder andere, oft gesellschaftlich völlig irrelevante Thema was dann bei vernünftigeren Zeitgenossen kaum mehr als ein gelangweiltes Gähnen auslöst. Ähnlich die Frage nach den Gründen der Verbreitung von Parawissenschaften: Immer wieder wundert mich, dass selbst langjährige Skeptiker mit Billigargumenten wie dem angeborenen Hang zum Irrationalen zufrieden sind und nicht einmal auf die Idee kommen, dass es umfangreiche psychologische Forschungen und fundiertere Aussagen in diesem Bereich gibt. Damit scheint die skeptische Bewegung in der Gefahr, zu verkrusten und sich die Antworten allzu leicht zu machen. Das kann in einen gefährlichen Teufelskreis führen. Je weiter sich undifferenzierte Meinungen ausbreiten, desto mehr werden diejenigen abgeschreckt, die sich ernsthaft für parawissenschaftliche Themen oder deren Hintergründe interessieren, und ihre Motivation zur Mitarbeit lässt nach. So geht einerseits die Kompetenz verloren, die für fundierte, glaubwürdige Arbeit nötig ist, andererseits finden langfristige und erfolgreiche Projekte schon mangels motivierter Aktiver nicht statt. Skeptische Organisationen sollten sich daher auf ihren wissenschaftlichen Anspruch besinnen und nicht einseitig den Verbraucherschutzaspekt betonen. Sie stehen in der Pflicht, klare Analysen der gesellschaftlichen Relevanz parawissenschaftlicher Themen zu erarbeiten und den aktuellen sozialwissenschaftlichen Forschungsstand den Mitgliedern und der breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen unsystematische Medienauftritte zu irgendwelchen Modethemen genügen nicht. Vor allem aber wünsche ich mir, dass sich innerhalb der skeptischen Bewegung eine wissenschaftliche Kultur entwickelt, in der nicht die Empörung über vermutete Missstände das Leitmotiv ist, sondern das Interesse und die Begeisterung, etwas über die Welt herauszufinden. Eine Kultur, in der einfache Erklärungen nicht mehr blind akzeptiert werden gerade wenn sie von anderen Skeptikern stammen. |
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