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Skeptiker 3/2000

Editorial

Skeptizismus macht Spaß


Als ich 1997 zur GWUP stieß, faszinierte mich die Möglichkeit, mein Verständnis für Wissenschaft zu entwickeln, mein kritisches Denken zu schulen und Para- und Pseudowissenschaften kritisch unter die Lupe zu nehmen. Warum gerade Para- und Pseudowissenschaften? Eine Beschäftigung mit diesen Themen ist spannend, aber auch hilfreich, um interdisziplinäres Wissen zu vertiefen. Als ich 1995 das erste Mal den Skeptiker in der Hand hielt, wusste ich noch nichts von Doppelblindstudien oder dem Barnumeffekt. Dafür hielt ich Nostradamus für einen großen Propheten und das Bermuda-Dreieck für ein gefährliches Fleckchen auf der Erde, um das man lieber einen Bogen machen sollte.

Die Beschäftigung mit skeptischer Literatur motivierte mich im letzten Jahr, die Skeptics Society in Los Angeles zu besuchen. Was würde mich wohl in den drei Sommermonaten, die ich dort verbringen wollte, erwarten? Schon der erste Empfang vermittelte einen Eindruck von der lockeren, freundlichen Atmosphäre: Der Direktor der Skeptics Society, Michael Shermer, promovierter Wissenschaftshistoriker und Herausgeber der Zeitschrift Skeptic (Auflage: 40 000), begrüßte mich herzlich und drückte mir erst mal seinen Bestseller „Why people believe in weird things“ und drei Ausgaben seiner Zeitschrift in die Hand.

An der Skeptics Society fällt sofort das – im Vergleich zu anderen skeptischen Organisationen – weitgefasste Themenspektrum auf. Neben klassisch-skeptischen Themen wie UFOs, Paramedizin und Kreationismus kommen Fragen zur Sprache, die sich mit der gesellschaftlichen Rolle der Wissenschaft beschäftigen: Unterschiede zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft, Nutzen und Missbrauch von Statistik, die Rolle des Skeptizismus in der Gesellschaft, kulturelle Einflüsse auf Wissenschaft sowie der Einfluss von Wissenschaft auf die Gesellschaft, die Möglichkeiten und Grenzen des menschlichen Verstehens und Handelns, Missbrauch und Betrug in den Wissenschaften, Genetik, Evolutionstheorie und vieles mehr. Dabei geht es weniger darum, Wissen zu vermitteln, als Argumente auszutauschen und aufzuzeigen, worauf es bei der Bewertung von Behauptungen oder Phänomenen ankommt.

Es geht auch darum, das Interesse an Wissenschaft und die kritische Auseinandersetzung mit Parawissenschaften und dem Paranormalen zu fördern. Dabei wird deutlich, dass die Skeptics Society Wissenschaftlern eine Möglichkeit anbietet, ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft gerecht zu werden. Was ist Wissenschaft wert, wenn sie nur im Elfenbeinturm verweilt und es nicht schafft, ihr Wissen breiten Schichten zu vermitteln? Wissenschaft ist kein Selbstzweck, und daher sollten auch wir in Deutschland zukünftig verstärkt versuchen, die skeptische Botschaft auch an nicht-akademische Kreise, z. B. Jugendliche, zu vermitteln und sie für Wissenschaft und die kritische Beschäftigung mit Parawissenschaften zu begeistern. Die Skeptics Society hat dies erkannt und daher 1998 im hinteren Teil des Skeptic den Junior Skeptic eingeführt. Hier werden mit aufwändigerem Layout Themen wie Wahrsagen, Halloween, Wandersagen und ähnliches jugendgerecht präsentiert. Beispielsweise wurde dort gezeigt, wie man UFO-Fotos fälschen kann. Motto: Das ist so einfach, das können selbst Kinder. Dieses Projekt schien auch für die Medien interessant zu sein, daher gibt es auf dem Fox Family Channel seit Ende Juni regelmäßig die Sendung „Exploring the Unknown“, an der Michael Shermer mitwirkt.

Doch nicht nur an Jugendliche wird gedacht. An ein gehobeneres Publikum wendet sich die monatlich stattfindende skeptische Vortragsreihe, die sich mit großem Erfolg im renommierten California Institute of Technology etabliert hat.

In den letzten acht Jahren war die Skeptics Society in über 1200 Medienauftritten involviert, veranstaltete über 100 öffentliche Vorträge sowie sieben internationale Konferenzen und baute unter http://www.skeptic.com eine ansprechende Internetpräsenz auf. Sie pflegt exzellente Kontakte zu wichtigen Wissenschaftlern in den USA.

Was habe ich nun außer einem Koffer voll skeptischer Literatur zurück nach Deutschland mitgenommen? Einmal viele Anregungen für zukünftige Aktivitäten der GWUP, aber auch eine positive Vision für Skeptiker. Diese müssen nämlich weder engstirnige Besserwisser, Ablehner des Paranormalen, noch verbohrte Status-quo-Bewahrer sein – und die meisten sind dies auch nicht. Skeptiker wollen meist verstehen, was die Welt im Innersten zusammenhält, möchten intellektuell angeregt werden und Informationen an andere weitergeben. Es gibt so viele spannende Theorien und Phänomene, die unser Wissen und unsere Haltung herausfordern. Daher wünsche ich mir in der skeptischen Bewegung einen dialogorientierten und sachlichen Diskussionsstil.

Wünschenswert wäre es auch, wenn sich mehr Menschen skeptisch engagieren würden. Dabei kommt es auch auf Sie an, liebe Leserinnen und Leser! Empfehlen Sie den Skeptiker weiter, schreiben Sie uns kritische Leserbriefe. Aber vor allem: Bleiben Sie skeptisch!


Rouven Schäfer

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