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Skeptiker 4/2000

Editorial

Wunschzettel - Denkzettel - Wunschdenkzettel

Andrea Kamphuis


Wir schreiben das Jahr 2001 (1704 nach Illigscher Zeitrechnung – siehe S. 180 in diesem Heft). Die Wunschzettel für die Weihnachtsbescherung sind bereits ins Altpapier gewandert, die guten Vorsätze fürs neue Jahr sind noch einigermaßen präsent: ein guter Zeitpunkt, um sich über Sinn und Ziel des Skeptikers Gedanken zu machen – und uns gleich noch was von Ihnen zu wünschen.

Viermal im Jahr stellen wir für Sie kritische Analysen parawissenschaftlicher Projekte und pseudowissenschaftlicher Moden zusammen; wir informieren Sie über Trends in der Esoterik-Szene und auch über Ereignisse an den Rändern der „ordentlichen“ Wissenschaften, von denen noch nicht klar ist, ob es sich um gute oder schlechte Wissenschaft handelt. Wir arbeiten ehrenamtlich und mit einem winzigen Budget, sodass die Frucht unserer Bemühungen oft nur entfernte Ähnlichkeit mit unserer Traumzeitschrift hat – aber die Absicht, das Bestmögliche zu leisten, ist hoffentlich erkennbar. Wir möchten die Auflage erhöhen, damit unser Herausgeber (die GWUP) sich das 1999 eröffnete „Center for Inquiry“ in Roßdorf langfristig leisten kann. Das heißt: Wir müssen neue Leserschichten erreichen, ohne unsere Stammleserschaft zu vergraulen. Daher experimentieren wir mit neuen Formaten wie dem Magazin oder Reportagen (siehe S. 189), und wir laden sowohl hartgesottene Wissenschaftler als auch – gelegentlich – Vertreter der Para-Szene ein, für den Skeptiker zu schreiben. Ebenso unterschiedlich wie unsere Autoren sind auch die Leser: Was den einen interessiert, langweilt den anderen zu Tode. Was dem einen auf Anhieb einleuchtet, ist dem anderen zu hoch. Unsere Themen sind naturgemäß mal alltagsnah, mal so komplex, dass man sich in die Lektüre richtig hineinknien muss. Unser Ziel dabei: eine anspruchsvolle und spannende Zeitschrift, in der vielleicht nicht jeder Leser mit jedem Beitrag etwas anfangen kann, aber doch für jeden etwas dabei ist.

Bei diesem ständigen Wagnis sind wir auf Ihre Hilfe angewiesen. Nur durch Ihr Feedback erfahren wir, ob wir auf dem Holzweg sind. Die bei uns eingehenden Leserbriefe lassen sich grob in drei Kategorien einteilen: Hinweise auf sachliche Fehler oder argumentative Schwächen in den Artikeln, Diskussionsbeiträge zu strittigen Themen sowie wüste Autorenschelte. Die Hinweise auf Pannen lassen uns oft die Schamesröte ins Gesicht steigen. Inhaltliche Kritiken erhalten wir am liebsten, aber leider nicht so oft, wie wir es uns wünschen. Ziemlich ratlos machen uns die unheimlichen Begegnungen der dritten Art: die Tiraden. Ein paar Leserinnen und Leser scheinen sich ein Heft zu wünschen, das sie von der ersten bis zur letzten Seite abnicken können. Mancher Zeitgenosse wedelt gleich mit dem Austritts- oder Kündigungsschreiben, sobald er auf einen Beitrag stößt, der ihm missfällt. Dabei macht sich der Ärger oft nicht am Inhalt, sondern am Verfasser oder der Verfasserin des Artikels fest. Hilfe, ein Moonie! Oh Gott, ein Atheist! Teufel auch, ein Katholik! Jetzt schlägt’s 13: eine Astrologin! Ist der Skeptiker zum Feind übergelaufen? Oder hat man die unbedarfte Redaktion hinters Licht geführt?

Wir meinen: Eine Zeitschrift, die man en bloc herunterschlucken kann ohne aufzustoßen, ist das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurde. Die organisierte skeptische Szene in Deutschland ist klein, aber das heißt nicht, dass wir immer einsam auf verlorenem Posten kämpfen. Vielmehr gehören wir in vielen Fragen dem gesellschaftlichen und/oder wissenschaftlichen Mainstream an und sollten aus dieser Position der Stärke heraus souverän genug sein, auch einmal der „Gegenseite“ zuzuhören – vor allem, wenn sie nicht zu missionieren versucht, sondern nüchtern über eine Einrichtung informiert wie im Fall des umstrittenen Projektberichts zur Astrologie-Fachbibliothek in Heft 2/2000 (siehe S. 223). Verschwörungstheorien (die keineswegs nur in der Szene ins Kraut schießen, die wir kritisch beobachten) sollte man vielleicht noch zwei, drei Nächte überschlafen, bevor man den GWUP-Vorstand und die Skeptiker-Redaktion lauthals eines klammheimlichen Kurswechsels bezichtigt. Zwar steht das genaue Erscheinungsdatum des Skeptikers manchmal in den Sternen, aber das heißt noch lange nicht, dass wir Ihnen demnächst eine Horoskop-Kolumne zumuten werden.

Wir wünschen uns, dass Sie sich über jeden unserer Artikel, sei er nun von einem ausgemachten Skeptiker verfasst oder nicht, ein eigenes Urteil bilden. Wir versuchen Ihnen die Orientierung zu erleichtern, zum Beispiel mit den Literatur- oder Web-Tipps – aber mit dem Wort „Tipp“ wollen wir nicht andeuten, dass die Redaktion oder gar die GWUP geschlossen hinter den aufgeführten Büchern oder Internet-Quellen steht. Ebenso wenig sollten Sie glauben, dass der Skeptiker für die Veranstaltungen auf seiner Terminseite „wirbt“. Wir werben nur für eines: fürs kritische Denken.


„Dieses Heft ist für Dr. Mustermann.
Da sollten wir die Seite 18 entfernen.“



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